Studie lobt Deutschland im internationalen Vergleich
Gesundheitswesen erhält gute Noten

Das deutsche Gesundheitswesen ist nach einer neuen Expertenstudie besser als sein Ruf. „Deutschland ist im internationalen Vergleich in einer Spitzenposition, wenn es darum geht, schnell ärztliche Hilfe zu bekommen“, erläuterte Fritz Beske vom Kieler Forschungsinstitut IGSF am Montag in Berlin. So gehöre es zu den wenigen Ländern, in denen es keine Wartezeiten auf medizinische Behandlung gebe.

pt BERLIN. Dies hänge unmittelbar damit zusammen, dass Deutschland im internationalen Vergleich über ein überdurchschnittliches Angebot an Ärzten, Pflegepersonen und Krankenhausbetten verfüge (Grafik). Beske räumte allerdings ein, dass das deutsche Leistungsangebot „wahrscheinlich“ über den Bedarf hinaus gehe. Ein „gewisses Maß an Überkapazitäten“ sei der „Preis“ für einen hohen Versorgungsstandard.

Gemessen in Euro-Kaufkraftstandards sind die Gesundheitsausgaben pro Kopf in Deutschland nach den USA und der Schweiz die höchsten der Welt. Ihnen stehen nach einer Studie des Sachverständigenrates für das Gesundheitswesen aus dem Jahre 2001 nur mittelmäßige Leistungen gegenüber. Die deutschen Krankenversicherten zahlten Beiträge wie für einen Mercedes, erhielten aber als Gegenleistung nur einen Volkswagen.

Auch dieser Einschätzung, die einen entscheidenden Anstoß für die zum 1. Januar in Kraft getretene Gesundheitsreform gegeben hat, widerspricht Beske. Nach seiner Ansicht sind die für den Beleg dieser These herangezogenen Daten über Lebenserwartung und Sterblichkeit bei bestimmten Krankheiten nicht aussagefähig genug. So gibt es Zweifel an der Vergleichbarkeit der Daten, weil Todesursachen in den verschiedenen Ländern mit unterschiedlicher Zuverlässigkeit festgestellt würden.

Zudem biete ein Vergleich der Todesraten mit 13 anderen Industrienationen keine schlüssigen Anhaltspunkte dafür, dass das deutsche System nur Durchschnitt im Verhältnis zu den hohen Kosten leiste. Vielmehr seien die Länder bei der Therapie verschiedener Krankheiten unterschiedlich erfolgreich. Beske wies außerdem darauf hin, dass Co-Faktoren wie Ernährung und Lebensweise häufig einen größeren Einfluss auf das Krankheitsgeschehen hätten, als das medizinische Therapieangebot. Auf der Basis solcher Daten lasse sich auf keinen Fall ein internationales Gesundheitsranking erstellen, wie dies die WHO 2000 versucht habe. Damals landete Deutschland auf Platz 25 unter 191 Ländern. Die WHO hat das Ranking inzwischen selbst zurückgezogen. Insgesamt fehle eine umfassende Gesundheitsforschung in Deutschland, um möglicherweise tatsächlich vorhandene Qualitätsmängel zu belegen, meinte Beske.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg-Dietrich Hoppe, begrüßte die Studie. Er warnte davor, dass manche der bislang behaupteten Qualitätsmängel durch die Gesundheitsreform erst heraufbeschworen würden. Der Chef der Ortskrankenkassen, Hans-Jürgen Ahrens, forderte mehr Wettbewerb im Gesundheitssystem, um Überkapazitäten abzubauen. Nach seiner Ansicht ginge es den Kassen besser, wenn die Politik nicht ständig Ausgaben zwischen den verschiedenen Sozialversicherungen hin und her geschoben hätte. Dieser Verschiebebahnhof belaste die Kassen derzeit mit 6,5 Mrd. Euro im Jahr.

Quelle: Handelsblatt

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