Studie mit Fehlern
Schäuble fällt auf falsche Riester-Bilanz herein

Das Finanzministerium hat einer Studie vertraut, die die Riester-Rente schön rechnete. Handelsblatt Online deckte den Fehler auf. Jetzt wird mit neuen Zahlen hantiert. Es geht um Schadensbegrenzung.
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DüsseldorfDas Bundesfinanzministerium hat sich auf falsche Zahlen bei der Riester-Rente verlassen. Der Grund ist eine fehlerhafte Kalkulation zur Rendite bei der staatlich geförderten Rentenversicherung. Nach Prüfung von Handelsblatt Online stellte sich heraus, dass die in der ersten Version der Studie mit 3,6 Prozent bezifferte Rendite nach Kosten des Altersvorsorgeprodukts sich nur auf die Eigenbeiträge des Sparers bezieht. Die Darstellung der Rendite sollte sich ausweislich der Erläuterungen der Studie jedoch auf Eigenbeiträge und auch staatliche Zulagen beziehen. Diese liegt bei 2,89 Prozent. Sparer, die sich auf die ursprünglichen Zahlen verließen, konnten denken, dass die prozentuale Rendite aus den Beiträge und Zulagen der klassischen Rentenversicherung bescheren, höher sei als in Wirklichkeit.

Auf den Fehler angesprochen haben das Finanzministerium und das Berliner Institut für Transparenz (ITA), das die Zahlen im Auftrag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble berechnet hat, ihre Studie gestern zurückgezogen. Seither werden neue Zahlen präsentiert.

Das Ministerium hatte im vergangenen Jahr die Studie beim ITA, einem Schwesterunternehmen des Versicherungsanalysten Morgen & Morgen, in Auftrag gegeben. Die Experten sollten ausloten, ob und wie stark der Gesetzgeber die Kosten für die Riester-Produkte begrenzen muss, damit für die Sparer am Ende noch genug übrig bleibt.

Die Beamten hatten vorher selbst Zahlen gewälzt und festgestellt, dass das staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukt immer mehr an Beliebtheit verliert. Nach Erhebungen des Branchenverbands der Versicherer GDV ist der Bestand an dem ehemaligen Vorzeige-Produkt Riester-Lebensversicherung erstmals seit Einführung geschrumpft – und zwar um 100.000 auf noch 10,8 Millionen Verträge in 2013.

Die rückläufigen Zahlen sind das Ergebnis jahrelanger Kritik an dem Produkt. Nach Meinung des unabhängigen Versicherungsberaters Thorsten Rudnik haben wiederkehrende Vorwürfe zu intransparenten Verträgen, mickrigen Renditen, und Niedrigzinsen Verbraucher „völlig verunsichert“. Auch die Beamten im Ministerium mussten feststellen, dass die staatlich geförderte Altersvorsorge ein Akzeptanzproblem hat. Um zu wissen, wie sie gegensteuern können, gaben sie die Studie in Auftrag.

Sie steht ergänzend zu einem Gesetz, das Anbietern von Altersvorsorge-Produkten ab 2016 Kostentransparenz vorschreibt. Sollte dieser neue Durchblick nicht genügen, oder es bei der Umsetzung dauerhaft hapern, listet die Studie detailliert auf, an welchen Kostenschrauben Berlin dann per Gesetz drehen könnte. Das Ergebnis lag Mitte Juli vor und wurde vom Institut unter den Augen des Finanzministeriums veröffentlicht. Was vor zwei Wochen niemandem auffiel war allerdings, dass die Berechnungen peinliche Fehler enthielten.

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  • Danke Michael Schulte, ich dachte angesichts der größtenteils derart unqualifizierten Kommentare schon ich wäre im Forum einer Frauenzeitschrift gelandet. Das Handelsblatt -was ich sehr bedauere - wird immer mehr zur Handels "Bild" reißerisch aber nicht aufklärend. Und Aufklärung tut für die späteren Rentner not!
    Den Vergleich mit dem auto wird hoffentlich auch der letzte -Entschuldigung- Vollpfosten, der hier kommentiert verstanden haben. Aber polemisieren lenkt wohl gut von den eigenen Unzulänglichkeiten ab. Außerdem denkbar: viele die hier schreiben sind Späzialisten bei irgendwelchen Verbraucherschutz Organisationen. Die verunsichern gern ohne eine Lösung zu bieten.
    Die Finanztest hatte lt einer hannoverschen Tageszeitung finanzielle Schwierigkeiten. Was tun? Leute verunsichern, dann kommen die zur kostenpflichtigen Beratung und/oder kaufen Hefte

  • Lieber Herr Golke, wer andere korrigiert, sollte selber sattelfest sein ... ;-) Wenn wir bei der Sparte "Riester" blieben, ist natürlich auch die Auszahlung aus einem Sparplan lebenslang garantiert. Riester bedeutet IMMER eine lebenslange Rente. Daher muss auch der Sparplananbieter - spätestens mit Alter 85 des Sparers - zur Absicherung der Langlebigkeit eine Rentenversicherung für den Sparer abschließen. Und genau so handhaben es die Sparplananbieter.

  • @ Norbert Weisinger: Aua - jetzt mal langsam mit den jungen Pferden - da werden wohl einige Begriffe durcheinandergebracht: "Rentengarantiezeit" hat nichts mit der Garantierente zu tun, sondern mit der Todesfallleistung. Die Höhe der Rente sinkt definitiv NICHT am Ende der Rentengarantiezeit - diese Zeit gingt lediglich an, wie lange die Rente im Todesfall gezahlt wird - beginnend mit dem Jahr der Rentenzahlung plus die Dauer der Rentengarantiezeit, also z.B.: Rente beginnt 2015, Versicherter stirbt 2020, bei 10 Jahren Rentengarantiezeit beutet das weitere 5 Jahre Rentenzahlung für den Hinterbliebenen. Versicherter stirbt 2025 bedeutet keine weitere Todesfallleistung.

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