Studie

Steuerreform könne 500.000 Jobs bringen

Eine Bonner Forschergruppe hat das Kirchhof-Modell umgearbeitet und fordert eine radikale Reform: 60 Prozent Spitzensteuersatz, dafür keine Sozialbeiträge mehr. So könnten eine halbe Million neue Jobs entstehen.
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Damals hatte sich das die CDU so schön einfach ausgedacht: Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel. Jahre später kommt nun ein ganz anderer Reformvorschlag, der alles besser machen soll. Quelle: dpa

Damals hatte sich das die CDU so schön einfach ausgedacht: Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel. Jahre später kommt nun ein ganz anderer Reformvorschlag, der alles besser machen soll.

(Foto: dpa)

BonnEine Radikalreform des deutschen Steuer- und Abgabensystems könnte nach Berechnungen des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) 500.000 zusätzliche Arbeitsplätze bringen und zugleich die hierzulande relativ niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen erhöhen. Das zeigt eine bisher unveröffentlichte Studie mit einem Reformvorschlag des Bonner Instituts, die dem Handelsblatt vorliegt.

Anders als  bei vielen reinen Steuerreform-Konzepten entstehe das kalkulierte zusätzliche Arbeitsvolumen bei dem vorgeschlagenen Modell „nicht in erster Linie durch eine Ausweitung der pro Kopf gearbeiteten Stunden, sondern durch die Schaffung von zusätzlichen Beschäftigungsmöglichkeiten“, schreibt die Forschergruppe um den Arbeitsmarktökonomen Hilmar Schneider.

Das neue Reformkonzept lehnt sich teilweise an den Vorschlag des früheren Verfassungsrichters Paul Kirchhof für eine radikale Steuerreform an. Allerdings gehen die IZA-Forscher noch einen Schritt weiter und nehmen die Einkommensteuer und Sozialversicherung gleichzeitig in den Blick. Fast alle vorliegenden Steuerreformkonzepte würden „das Zusammenwirken zwischen Sozialversicherung und Einkommensteuer vernachlässigen“, argumentieren sie. Die Forscher zeigen, dass die Abzüge von einem zusätzlich verdienten Euro für Arbeitnehmer am unteren Ende der Einkommensskala teilweise höher sind als die entsprechenden Abzüge für Spitzenverdiener.

Das IZA-Reformkonzept ist allerdings politisch noch heikler als das Kirchhof-Steuerkonzept: Es sieht ebenfalls einen radikalen Abbau von Steuervergünstigungen vor, zugleich aber einen fünfstufigen Einkommensteuertarif mit einem Spitzensteuersatz von 60 Prozent ab 60.000 Euro Jahreseinkommen. Dafür soll es nach diesem Modell allerdings keine Sozialbeiträge mehr geben, weil die Leistungen bereits  über den Steuertarif finanziert würden. Unterm Strich würde das Modell Arbeitnehmer mit kleinen bis mittleren Einkommen besserstellen. Jenseits der heutigen Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialversicherung (Krankenversicherung: 45.900 Euro, Rente:  67.200 Euro) käme es dagegen zu deutlichen Mehrbelastungen.

Auch wenn nicht zu erwarten sei, dass die Reform sofort politisch umgesetzt werde, liefere die zugrundeliegende Untersuchung wichtige Hinweise. Beispielsweise verdeutliche sie, dass das Steuer- und Sozialsystem regelrecht durchzogen sei von  „subtilen Mechanismen, die Frauen die Entscheidung für eine Berufstätigkeit erschweren“, sagte Schneider. „Das können wir uns angesichts des demografischen Wandels nicht mehr leisten“, warnte er. Fragwürdig seien aus diesem Blickwinkel neben dem Ehegattensplitting beispielsweise die steuerbegünstigten Minijobs, durch die in vielen Fällen ein Umstieg auf vollwertige Arbeit steuerlich unattraktiv werde.

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67 Kommentare zu "Studie: Radikales Steuermodell könnte 500.000 Jobs schaffen"

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  • @ Heinz Dieter von Delft

    Irgedwie haben SIE restlos den Verstand oder zumindest die Relation verloren. Über 40% sollt IHR von dem, was ihr erbeutet habt behalten? Das ist einfach gesagt "pure Ausbeutung des Proletariats". Es wird Zeit, dass ihr jeden Monat den erschaffenen Mehrwert den Proletarien persönlich in bar entreißt, damit ihr (erstmalig) und endlich zu Verstand gelagt.

    Friede den Hütten! Krieg den Palästen!
    Björn

  • Lieber Heinz peter von Delft,

    60000 Euro mit eigener Hand verdienen? Als Putzfrau musstest Du mehr als 48 Stunden am Tag dafür arbeiten. Die meisten, die so viel Einkommen haben verbraten dagegen ihre Zeit meistens mit Kaffe kochen und Eierschaukeln. Anscheinen geht das mehr auf den Verstand als richtig arbeiten.

  • Vielleicht sollte man sich erstmal die Historie der Steuersätze und Tarifverläufe anschauen:
    1989: 56% Spitzensteuersatz ab 66.484 € zu verst. Eink.
    1998: 53% Spitzensteuersatz ab 61.376 € zu verst. Eink.

    Damals sind auch nicht alle Leistungsträger ausgewandert, außerdem kamen dort noch Sozialabgaben hinzu!

    Insofern kann das Steuerkonzept mit einer Maximalbelastung von 60% gern eingeführt werden.
    Allerdings sollten die Haushalte der Sozialversicherung strikt vom Staatshaushalt getrennt und mit einem Zuschlag auf die Einkommensteuer finanziert werden - bei der Kirchensteuer funktioniert das sehr gut.

    Außerdem müssen dann auch die zwischenzeitlich eingeführten diversen Erhöhungen indirekter STeuern wieder rückgängig gemacht werden.

  • Irgendwie haben (wir) restlos den Verstand oder zumindest die Relation verloren. 60 % sollen wir von dem, was wir eigenhändig erarbeitet haben, abgeben? Das ist einfach gesagt " pure Ausbeutung zwecks Solidarität "
    Es wird Zeit, dass wir jeden Monat die Steuern und Sozial-abgaben persönlich und in bar abgeben, damit wir endlich wieder zu Verstand gelangen.

    Mit großem Entsätzen Heinz Dieter von Delft

  • Die unteren Einkommensgruppen wurden bereits weitgehend über die Steuer entlastet - hier ist eine weitere Entlastung wohl kaum noch möglich. Aufgrund der hohen Hartz IV-Sätze, die ja außer den Barauszahlungen noch die Miet- und einen Teil der Nebenkosten sowie die Krankenversicherung übernimmt, lohnt sich in den unteren Einkommensgruppen die Erwerbstätigkeit nicht mehr - dies soll nun wohl auch auf die nächsthöheren Einkommensgruppen übertragen werden. So werden auch diese bis zum Hartz-IV-Satz geschröpft. Ausgenommen davon sind sicher wieder die Beamtenbezüge und -pensionen. Da kann man Gift drauf nehmen!

  • Ich verstehe die Aufregung der "Besserverdiener" nicht. Leistung soll belohnt werden lautet ein richtiger Grundsatz, Leistung wird jedoch nicht erst ab Einkommen jenseits der 60.000 Euro Grenze erbracht, fuer geringer Verdienende lohnt sich Leistung jedoch nicht, was durch die hohe Zahl der Arbeitnehmer deutlich wird, die auf Unterstuetzung durch Zusatzleistungen wie Wohngeld, Hartz IV usw. evident wird. Der Vorschlag geht mE in die richtige Richtung.

  • Aha. Und wer 59.999, 00 € verdient, zahlt bestimmt nur 35% oder?

  • Wissen die Politiker eigentlich was sie da machen?
    60% Steuern + 19% MwSt. + Ökosteuer die ganzen kleinen versteckten Steuern will ich gar nicht weiter in Betracht ziehen.Es ist ein Steuerwahnsinn! Wer aber keinerlei Verpflichtung hat kann ja mit den Steuergeldern machen was er will, er bekommt ja keine Strafe. Wenn ich dann höre jeder 2.Euro geht in die Sozialsysteme muss ich kotzen.
    Die Politiker haben 1€ Jobs 400€ Jobs für die Wirtschaft ermöglicht und haben damit Vollzeitjobs vernichtet, damit aber auch Steuereinnahmen und Sozialabgaben. Der Wirtschaft geht es gut und der Bevölkerung? In ein paar Jahren wird sich die Sache rächen, dann wenn diese Leute ins Rentenalter kommen und wieder zuschüsse vom Staat fällig werden, deshalb vieleicht eine Systemänderung 60% Abgaben? Dafür wird es aber auch wenig Leistung geben weil die Politik nicht mit Geld umgehen kann.

  • TERRORISTISCHER ANSCHLAG AUF DIE SOZIALSYSTEME

    PROPAGANDA für die Einführung von ZWANGSARBEIT

    Alleine die Idee ein Besteuerungsmodell-Wechsel könne 500.000€ neue Arbeitsplätze schaffen grenzt scheinbar an Debilität. Worum geht es also wirklich?

    Es geht um die Einführung von ZWANGSARBEIT wie damals im Dritten Reich:

    Hans-Dieter Hey berichtet in der Neuen Rheinischen Zeitung über das Konzept der Zwangsarbeit, welches der von Deutsche Post World Net und dem Steuerhinterzieher Klaus Zumwinkel finanzierte und gesteuerte Think Tank Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA Bonn) kürzlich in diversen Medien veröffentlichen ließ. Was das IZA als Bürgerarbeit oder Workfare zugunsten der renditegierigen Wirtschaft wieder eingeführt sehen will, ist nichts anderes als die Wiedergeburt des Reichsarbeitsdienstes im Dritten Reich, dieses Mal jedoch in einem wirtschaftsfaschistischen Regime.

    Hilmar Schneider/IZA: Vollbeschäftigung ist möglich!
    Insbesondere für gering Qualifizierte lohnt es sich häufig nicht, einer regulären Arbeit nachzugehen, weil die Löhne für einfache Arbeit kaum höher sind als das, was man ohne großen Aufwand vom Staat bekommt, wenn man gar nicht arbeitet. "Workfare" heißt der Lösungsvorschlag, den Hilmar Schneider ins Gespräch bringt.

    Den Bezug von Sozialleistungen an eine Pflicht zur Gegenleistung in Form von Arbeit im weitesten Sinne zu koppeln, bedeute, dass Sozialleistungen gleichsam verdient werden müssen. Dieses auch als Workfare bekannte Prinzip schaffe starke Anreize zur Ausübung gering entlohnter Tätigkeiten für Menschen, deren Qualifikation nicht ausreicht, um am Markt einen hinreichend hohen Stundenlohn zu erzielen.

    "Workfare ist sozial gerecht", so Schneider. "Statt Bedürftige auszugrenzen, wird ihnen signalisiert: Ihr werdet gebraucht! Statt Bedürftigkeit zu erzeugen, wird Eigenständigkeit gefördert. Die dafür notwendige Arbeit ist im Überfluss vorhanden."

    zB hier
    http://nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12474

  • arminharald
    würde mich nicht wundern. Merkel hat ja auch schon mal Brutto und Netto verwechselt

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