Studie untersuchte Mängel
Studie: Gesetzliche Kassen haben Ausgaben-Problem

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) hat kein Ausgaben-Problem, sondern ein Einnahmen-Problem. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Wiso Institut für Wirtschaft & Soziales GmbH, die im Auftrag des AOK-Bundesverbands erstellt wurde.

vwd BERLIN. Die Analyse zeigt, dass der Beitragssatz zur GKV von durchschnittlich 4,7 Prozent im Jahr 1950 (ohne Lohnfortzahlung für kranke Arbeiter) auf 13,6 Proznet im Jahr 2000 gestiegen ist. Im selben Zeitraum hat sich der Anteil der Ausgaben der GKV am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von gut zwei Prozent auf gut 6,3 Prozent ebenfalls etwa verdreifacht.

Die Beitragssätze und die Anteile der Ausgaben der GKV am BIP haben sich somit parallel entwickelt, die Beitragssätze seien somit im Wesentlichen von der Ausgabenentwicklung getrieben worden. Die Autoren der Studie, der frühere Chefökonom des Bundesarbeitsministeriums, Hermann Berie, und der frühere Berliner Gesundheitssenator, Ulf Fink, berichten ferner, dass die eigentliche Kostenexplosion in der GKV nicht in den letzten 20 Jahren, sondern in den ersten 30 Jahren der Bundesrepublik Deutschland stattgefunden habe.

Von 1950 bis 1980 sei der durchschnittliche Beitragssatz von 4,7 Prozent auf 11,4 Prozent und damit auf des Zweieinhalbfache gestiegen. Von 1980 bis 2000 habe sich nur noch eine Steigerung von 11,4 Prozent auf 13,6 Prozent und damit nur noch um ein Fünftel ergeben. Die Autoren stellten ferner fest, dass die These von der Erosion der Finanzierungsbasis „Löhne“ zwar eingängig, aber statistisch nicht belegbar sein. Denn die Lohnquote, also der Anteil der Einkünfte aus unselbständiger Arbeit am Volkseinkommen, zeige in den letzten 30 Jahren keine sinkende Tendenz.

Das zentrale finanzielle Problem der GKV sei hingegen die Krankenversicherung der Rentner. Der Anteil, den die Ausgaben für die Rentner am BIP beanspruchten habe sich von 0,27 Prozent im Jahr 1950 auf 2,8 Prozent verzehnfacht. Die Deckungsquote, also das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben für die Rentner, habe sich rapide verschlechtert, wobei es von über 90 Prozent in den 60-er Jahren auf gut 75 Prozent in der 70-er Jahren, unter 50 Prozent in der 80-er Jahren und nur gut 40 Prozent in den 90-er Jahren gesunken sei.

Im Jahr 2000 mussten die erwerbstätigen Krankenversicherten die Renter der Studie zufolge mit 62 Mrd DEM subventionieren. 1980 waren es erst 15 Mrd DEM. Die erwerbstätigen Krankenversicherten zahlten 2000 rund 50 Prozent mehr in die GKV als sie an Ausgaben verursachten. 1980 lag dieser Satz noch bei 20 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%