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Studie: Vernichtendes Urteil über Betreuungsgeld-Idee der CSU

Heftiger Gegenwind für die familienpolitischen Vorstellungen der CSU. Das von ihre favorisierte Betreuungsgeld mindert nach einer Studie die Bildungschancen vor allem von Kindern aus sozial schwachen Familien. Das Geld sollte besser in den Ausbau von Kindertageseinrichtungen und die Verbesserung der Qualität gesteckt werden.

Der Besuch einer Kinderkrippe für Kinder unter drei Jahren hat einen deutlichen Einfluss auf die Bildungsbiografie, heißt es in der Studie. Quelle: dpa
Der Besuch einer Kinderkrippe für Kinder unter drei Jahren hat einen deutlichen Einfluss auf die Bildungsbiografie, heißt es in der Studie. Quelle: dpa

HB GÜTERSLOH. Kinder aus sozial schwachen Familien, aber auch Kinder aus Zuwandererfamilien, profitierten besonders vom Besuch frühkindlicher Bildungseinrichtungen, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. Zugleich würden internationale Erfahrungen belegen, dass die Zahlung eines Betreuungsgeldes oft dazu führe, dass Kinder aus diesen Familien zu Hause blieben. Die CDU/FDP-Regierung will laut Koalitionsvertrag 2013 ein Betreuungsgeld von rund 150 Euro im Monat in Form eines Gutscheinsystems einführen.

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Der Besuch einer Kinderkrippe für Kinder unter drei Jahren hat einen deutlichen Einfluss auf die Bildungsbiografie, heißt es in der Studie. Demnach erhöht sich dann die Wahrscheinlichkeit erheblich, später ein Gymnasium zu besuchen. Besonders stark sei der Effekt für benachteiligte Kinder. Die Untersuchung war im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom Schweizer Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) erstellt worden.

Durch den Besuch einer Kinderkrippe erhöht sich demnach die Wahrscheinlichkeit, das Gymnasium zu besuchen, um insgesamt fast 40 Prozent, bei Kindern aus Zuwandererfamilien sogar um 55 Prozent. Am stärksten profitieren Kinder, deren Eltern höchstens einen Hauptschulabschluss haben: Ihre Chance, ein Gymnasium zu besuchen, verdoppelt sich fast.

Zugleich belegten Studien aus Norwegen, dass das Erziehungsgeld dort vor allem von Müttern mit niedrigem Bildungsniveau und geringem Einkommen und von Familien mit Migrationshintergrund in Anspruch genommen werde. In Norwegen wurde 1998 ein Betreuungsgeld eingeführt.

„Die Ergebnisse zeigen, dass das geplante Betreuungsgeld die falschen politischen Weichen stellt“, sagte Jörg Dräger, für Bildung zuständiges Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Es schaffe gerade für sozial schwache Familien den Anreiz, ihre Kinder nicht in die Krippe zu bringen. „Bildungspolitisch ist das ein Schildbürgerstreich.“ Zugleich monierte er die hohen Kosten des Betreuungsgeldes, die auf jährlich 1,2 Mrd. Euro geschätzt werden. Das Geld werde dringend für einen ziel- und bedarfsgerechten Ausbau von Kindertageseinrichtungen und die Verbesserung der Qualität benötigt.

In einem offenen Brief forderten 16 Verbände die Bundesregierung auf, sich auf den Ausbau und die Verbesserung von Betreuungsplätzen zu konzentrieren. Das Betreuungsgeld widerspreche den Prinzipien einer modernen Gesellschaft. Zudem sollte eine Entscheidung darüber, wie Eltern ihre Kinder betreuen, nicht prämiert, honoriert oder bestraft werden. „Genauso wenig darf der Staat über ein Gutscheinsystem andeuten, einkommensarme Eltern könnten nicht verantwortungsbewusst und im Interesse der Kinder haushalten.“ Der offene Brief wurde unter anderem von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, dem Kinderschutzbund, pro familia und dem Deutschen Frauenrat unterzeichnet.

  • 06.12.2009, 22:59 UhrAnonymer Benutzer: Johannes Resch

    Es ist immer wieder erstaunlich, wie leichtgläubig auch in seriösen Medien ungeprüft Meldungen verbreitet werden, wenn sie nur in den ideologischen Kram passen.

    Wenn die Aussagen der bertelsmann-Studie zuträfen (z. b. Krippenbesuch erhöht die Wahrscheinlichkeit, später aufs Gymnasium zu kommen um 40%), dann müssten die Kinder in den neuen bundesländern wesentlich schlauer sein als die im Westen. Sind sie aber nicht, wie die Pisa-Ergebnisse zeigen.

    im Westenn werden Krippen bevorzugt von Eltern genutzt, die wegen hohen Verdienstes nicht auf ihre Erwerbstätigkeit verzichten wollen. Deren Kinder haben ohnehin höhere bildungschancen - aber nicht wegen des Krippenbesuchs.

    in Großstädten ist der besuch von Krippen und Gymansien häufiger als auf dem Land. Deshalb sind Stadtkinder aber nicht schlauer.

    Die Ergebnisse der Studie werden laienhaft (oder leyenhaft?) interpretiert. Es wird ein grober Anfängerfehler gemacht: Aus einer Korrelation wird auf eine ursächliche beziehung geschlossen, ohne triviale Erklärungsmöglichkeiten zu prüfen. Aus dem Originaltext der Studie ist das leicht ersehbar.

    Motto: Mit den Störchen ging auch die Kinderzahl zurück. Also bringen die Störche die Kinder.

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