Studie vor der Wahl
Grüne wollen Pädophilie-Vorwürfe untersuchen lassen

Wie stark waren pädophile Umtriebe rund um die Grünen? Die Attacken aus der Union werden vor der Bundestagswahl immer schärfer. Darum haben die Grünen nun eine Studie in Auftrag gegeben, um für Aufklärung zu sorgen.

BerlinDer Göttinger Parteienforscher Franz Walter soll dem Einfluss von Pädophilie-Befürwortern bei den Grünen auf den Grund gehen. Ihre Partei habe Walters Institut für Demokratieforschung gebeten, sich im Rahmen eines Forschungsprojektes mit der Frage des Einflusses von Gruppen mit pädophilen Forderungen zu beschäftigen, teilte Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke am Freitag in Berlin mit.

In den vergangenen Wochen war immer wieder über Details debattiert worden. So waren in einer Bundesarbeitsgemeinschaft der Grünen, die in den 80er Jahren für die Rechte von Schwulen eintrat („BAG SchwuP“), auch Aktivisten für Pädophilie. Diese BAG wurde 1987 aufgelöst.

„Es soll sich um ein von uns gefördertes Forschungsprojekt handeln“, sagte Lemke. Die beteiligten Wissenschaftler um den 57-jährigen Walter seien völlig frei und unabhängig in Bezug auf genaue Fragestellung, Umfang und Durchführung der Untersuchung, genauso bei der Veröffentlichung der Ergebnisse. Somit sei den Forschern auch freigestellt, wann diese vorliegen, sagte Grünen-Sprecher Jens Althoff der Deutschen Presse-Agentur.

In Fahrt gekommen war die Debatte über die teils seit langem bekannten Vorgänge, weil Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle die Festrede zu einer Preisverleihung an Daniel Cohn-Bendit abgesagt hatte. Der heutige Europapolitiker hatte 1975 in einem halb fiktiven Buch über seine Zeit als Erzieher geschrieben, es sei passiert, dass Kinder seine Hose geöffnet und ihn gestreichelt hätten. Cohn-Bendit bezeichnete die Äußerungen wiederholt als dumme Provokation. Die Grünen hatten zudem auf mehreren Parteitagen in den 80ern erlaubt, dass sogenannte Stadtindianer-Kommunen für pädophile Anliegen agitierten.

Lemke sicherte den Forschern uneingeschränkten Zugang zu Akten, Protokollen und sonstigen Informationen zu, soweit die Partei über diese verfüge. Ein möglicher Einfluss von Gruppen oder Einzelnen mit Forderungen nach Straffreiheit für Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern solle fundiert und lückenlos aufgeklärt werden.

Zuletzt hatte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt dem grünen Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck den Rücktritt nahegelegt. Dabei geht es um Aussagen Becks zu „Pädosexualität“ in einem Aufsatz aus dem Jahr 1988. Beck schrieb laut einer eingescannten Fassung auf der Homepage der Jungen Union Bayerns: „Eine Entkriminalisierung der Pädosexualität ist angesichts des jetzigen Zustandes ihrer globalen Kriminalisierung dringend erforderlich (...).“ Pädosexualität bezeichnet das Begehren nach sexuellen Handlungen mit Kindern.

Die Grünen-Fraktion wies die Forderungen Dobrindts zurück. Beck hatte sich bereits von dem Text distanziert, zudem hatte er gesagt, dieser sei vom damaligen Herausgeber verändert worden. Die CDU-Abgeordnete Erika Steinbach verlangte am Freitag völlige Aufklärung, wann und mit welchen Mitteln Beck dagegen vorgegangen sei. Unterbleibe diese, „so ist ein Verbleib für weitere Jahre in seinen Ämtern nicht tragbar“.

Lemke betonte: „Forderungen nach Straffreiheit von Sexualität von Erwachsenen mit Kindern und pädophilen Handlungen waren und sind inakzeptabel und falsch.“ Dass es in den Anfangsjahren der Partei Raum für diese Forderungen gab, sei ein Fehler, „für den unsere Partei ohne Wenn und Aber die Verantwortung trägt“.

Walter hat unter anderem Bücher über die SPD, das Spektrum von Grünen und FDP und die Linken geschrieben.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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