Studie
Wie radikal ist Pegida?

Nur wenige sind rechtsradikal, die meisten xenophobe Patrioten: Laut einer Studie von Politikwissenschaftler Patzelt von der TU Dresden hat sich Pegida zwar nicht radikalisiert, ist aber weiter nach rechts gerückt.
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DresdenDresdens „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) sind einer Studie zufolge seit ihrer Spaltung nach rechts gerückt. Von einer Radikalisierung könne aber keine Rede sein, sagte der Politologe Werner J. Patzelt von der TU Dresden, der die Ergebnisse der Nachfolgeuntersuchung am Donnerstag vorstellen will. „Pegida heute ist im Wesentlichen das, was Pegida schon im Januar gewesen ist.“ In der sozialen Zusammensetzung gebe es keine großen Veränderungen.

Die Untersuchung beruht auf Befragungen vom 27. April und 4. Mai sowie auf Beobachtungen. Es ist nicht die erste Studie zu diesem Thema: Patzelt und auch andere Forscher hatten in den vergangenen Monaten bereits Untersuchungen zu den Pegida-Anhängern vorgelegt.

Patzelt selbst war zu Jahresbeginn von Kritikern zu wenig Distanz zu der anti-islamischen Bewegung vorgeworfen worden. Die Pegida-Bewegung hatte sich im Januar im Streit um ihren Mitbegründer Lutz Bachmann aufspalten. Zuletzt gingen in Dresden laut Polizei nur noch rund 3000 Anhänger auf die Straße, während es im Winter teilweise mehr als 20.000 gewesen waren.

„Pauschale Aussagen, es handele sich um Ausländerfeinde, Rassisten und Islamfeinde, treffen auch für den harten Kern von Pegida nicht zu, der jetzt noch übriggeblieben ist“, sagte Patzelt. Gut die Hälfte der Demonstranten seien xenophobe Patrioten, „wobei Xenophobie nicht Ausländerhass ist, sondern einfach Sorge vor dem Fremden, Abwehr des Fremden“. Laut der Studie wünscht sich die Hälfte der Protestteilnehmer sich weniger Ausländer in Deutschland.

Viele Pegida-Demonstranten seien „klar rechts" von der Mitte einzuordnen, rund 30 Prozent seien „bedingt xenophil“ und für den Islam offen, „aber unter der Bedingung, dass nicht zu viele Flüchtlinge ins Land kommen und der Islam friedlich bleibt“. Bei 17 Prozent könne man von „rechtsradikalen Xenophoben“ sprechen. „Das ist jener hässliche Pegidianer, den die Gegner von Pegida immer schon auf dem Schirm hatten: jung, rechtsradikal, zur Gewalt neigend und ganz klar gegen Ausländer und Muslime eingestellt.“

Wie die Studie weiter bestätigt, ist der durchschnittliche Pegida-Demonstrant männlich, ungefähr 49 Jahre alt und kommt aus Dresden und Umgebung. Er ist berufstätigt, hat eine gute Ausbildung, aber oft ein unterdurchschnittliches Einkommen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Studie: Wie radikal ist Pegida?"

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  • Ich bin auch gegen den Islam! Ich will hier in Frieden leben und nicht vom Nachbar = Islamgläubiger, getötet werden, nur weil der Islam es befiehlt. Wie friedlich der Islam ist, kann man jeden Tag in den Medien verfolgen. Islamgläubige weigern sich, bzw. wollen nicht mit den Nchbar in Frieden leben. Es sind arbeistsscheue Sozialschmarotzer oder warum sind ihre Herkunbftsländer immer noch im Steinzeitalter, obwohl sie Milliarden erhalten haben. Warum werden die Gelder nur für Waffen genommen? Wieso bekämpfen Islamgläubige mit unserer Unterstützung Israel?

  • "Sorge vor dem Fremden" - das dürfte tasächlich bei vielen zutreffen.

    Leider unternehmen die Pegida Anhänger nichts dagegen, ihre Unwissenheit und Informationsdefizite zu überwinden. Dann nämlich wäre das Fremde auf einmal nicht mehr fremd....

  • Jetzt, wo PEGIDA droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken und die Emotionen sich weitgehend gelegt haben sollte man über einige Fragen nachdenken:

    Wie schlecht werden wir regiert, dass Tausende von Menschen geben die Politik der Regierung auf die Strasse gehen und das in einem Land, wo Proteste eher im stillen Kämmerlein ausgebrütet werden?

    Wie kann es sein, dass so viele "Wutbürger" mit sehr niedrigem Intelligenzniveau in derart großer Menge zusammenkommen? Wieso hat unser Bildungssystem versagt, dass offensichtlich nicht in der Lage ist eine vernünftige politische Bildung für die Bevölkerung zu gewährleisten?

    Wieso hat die Politikelite Deutschlands keine vernünftige Antwort auf PEGIDA gefunden? Ist Aussitzen die einzige Lösung die ihnen einfällt oder interessieren sie sich schlechthin nicht für die Probleme in Deutschland?

    etc. etc.

    Alles in allem ist PEGIDA zwar in der Versenkung verschwunden, aber die Probleme existieren weiter. Je länger das ignoriert wird, desto heftiger wird der nächste Ausbruch

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