Studie zu jungen Arbeitnehmern

Die verlorene Generation

Der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland erreicht laut einer IG-Metall-Umfrage nicht einmal die Hälfte der jungen Arbeitnehmer. Auch nach der Krise prägten Arbeitsverhältnisse wie Praktika, Leiharbeit und befristete Jobs immer mehr die Lebens- und Arbeitssituationen der Menschen unter 25 Jahren. Die Gewerkschaft spricht von der "Prekarisierung der jungen Generation".
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Generation Praktikum: Keine Besserung im Aufschwung Quelle: ap

Generation Praktikum: Keine Besserung im Aufschwung

(Foto: ap)

HB FRANKFURT/MAIN. Vom breiten Aufschwung bekommen die 14- bis 35jährigen wenig mit - der Aufschwung geht an der jungen Generation vorbei. Zu diesem Schluss kommt eine infratest-Studie im Auftrag der IG Metall. Darin wurden die persönliche Lage und die Zukunftserwartungen der jungen Generation 2010 befragt. Unter dem Titel "Generation Prekär" hat die Gewerkschaft die Ergebnisse ihrer alljährlichen Online-Befragung jetzt veröffentlicht. Befragt wurden 1134 Personen zwischen 14 und 34 Jahren und 750 Personen, die älter als 35 sind.

"Im wirtschaftlichen Aufschwung werden die Jungen abgehängt und im Erwerbsleben an den Rand gedrängt. Der Aufschwung geht an der jungen Generation vorbei", sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel am Montag in Frankfurt am Main bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. Trotz wirtschaftlichen Aufschwungs sei die junge Generation noch immer geprägt von prekären Arbeitsverhältnissen wie Praktika, Leiharbeit und befristeten Beschäftigungen, so die Studie. Besonders schlimm sei die Situation für die Jüngeren. Laut IG Metall sind mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen unter 24 prekär beschäftigt - das sind neun Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr.

Die Ergebnisse spiegeln eine umfassende Desillusionierung unter den jungen Arbeitnehmern wider. Bei den Erwerbstätigen unter 35 Jahren sind 30 Prozent befristet beschäftigt."Die Prekarisierung der jungen Generation steigt auf hohem Niveau auch nach der Krise weiter an und wird zu einer entscheidenden strukturellen Erfahrung", sagte Wetzel. Dies zeige sich insbesondere am hohen Anteil befristeter Stellen.

Mehr als ein Viertel (28 Prozent) der jungen Erwerbstätigen gab bei der Befragung an, im bisherigen Berufsleben nur befristet beschäftigt gewesen zu sein. Ein Fünftel der Beschäftigten unter 35 arbeitet in Teilzeit, obwohl bei der Mehrheit der Wunsch nach einer Vollzeitstelle besteht. Auch der häufig in Aussicht gestellte "Klebeeffekt", wonach Leiharbeit zur Übernahme führt, bleibt laut IG Metall eine Ausnahme und hat sich gegenüber dem Vorjahr noch verschlechtert. 36 Prozent davon gaben an, finanziell auf diese Jobs angewiesen zu sein, weil ihr eigentliches Einkommen nicht zum Leben ausreiche.

Laut Studie bezieht knapp die Hälfte der Arbeitslosen unter 35 ALG II und ist auf dem Weg in die Langzeitarbeitslosigkeit. Für die repräsentative Studie hatte TNS Infratest im Auftrag der Gewerkschaft 1134 Menschen im Alter von 14 bis 34 Jahren befragt.

Laut IG Metall hängt die berufliche Zufriedenheit der jungen Generation maßgeblich vom eigenen Schulabschluss ab. Befragte mit Hauptschulabschluss sind demnach signifikant unzufriedener im Vergleich mit Realschulabsolventen oder Abiturienten.

In die Zukunft blickt die junge Generation somit nicht zuversichtlicher als in den vergangenen Jahren. 53 Prozent der Hauptschulabsolventen gaben an, eher unzufrieden mit ihrer Situation zu sein, das sind sechs Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr. Von den Abiturienten äußerten sich nur 18 Prozent der Befragten negativ über ihre berufliche Lage. Auf der anderen Seite sind diejenigen besonders pessimistisch, die aufgrund ihrer Bildung, ihres Einkommens oder ihres Berufsstatus wenig Chancen sehen und haben.

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6 Kommentare zu "Studie zu jungen Arbeitnehmern: Die verlorene Generation"

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  • @frank schreib ein buch wie steinbrück und sarrazin,du bist echt der auserwählte eine empfehlung schreibe bitte keine stellen aus um sie zu besetzen vervielfältige dein artikel und hänge ihn im arbeitsamt an der klagemauer aus.gut das die unternehmen in der vergangenheit fachkräfte ausgebildet haben.denke du warst in der vorderen reihe,lerne schon mal esperanto für die ausländischen fachkräfte die kommen für 40000 euro im jahr reicht zum tanken und miete.also du hast die probleme erkannt und löst sie,da bin ich sicher.messias der du bist

  • Sind die jungen Arbeitssuchenden doch größtenteils selber schuld. 20% ohne Schulabschluß und die Hauptschulabsolventen können kaum deutsch geschweige denn rechnen. Ernsthaft, wer selber schonmal Jobs ausgeschrieben hat kann ein Klagelied vom Unvermögen vieler junger Schulabgänger singen. Signifikant: Realschul- und Gymnasiumabsolventen sind wesentlich gebildeter. Die Jugend bekommt doch nur die Quittung für ihre Faulenzerei während der Schulzeit. Allerdings, Vater Staat ist insofern daran beteiligt, als das er es immer noch zuläßt, das in vielen Klassen überwiegend türkisch gesprochen wird. Muslime integranten haben und werden auch nie interesse daran haben, deutsch zu lernen geschweige denn sich der deutschen Kultur an zu passen!

  • Verlorene Generation? Dies war und ist die volle Absicht unserer Politiker. Sie wollen die Deutschen vernichten ( Ziel der Grünen ). Sie wollen nur ungebildete Sklaven!

  • Unsere Jugend hat eben keine Lobby. Die wenigsten begreifen offensichtlich, was hierzulande los ist. Wenn in dieser Gesellschaft als Hauptziel des "Sozialstaats" die Sicherung des erreichten "Lebensstandards" derselben Altersgruppe, die auch das Vermögen der Gesellschaft ihr eigen nennt, propagiert wird, hat dieses für alle jüngeren beitragszahler bittere Konsequenzen.

    Da bleiben dann für die Jungarbeitnehmer nur noch brotkrumen sozialen Schutzes, obwohl ihnen alleine 40% ihres Lohnes für solidarische Leistungen zugunsten Älterer (durch Rente, Krankenversicherung, Pflege)abgenommen werden. Um von Steuern nicht zu sprechen.

    Die Gewerkschaften beteiligen sich dabei nur allzu gerne an der derzeitigen gesellschaftlichen bevorzugung der (Früh-) Rentner und Pensionärsgeneration.

    Unter dem Motto: Renten erhöhen heute, weil den Rentnern von morgen (!) Altersarmut droht.

    Zukunftsorientiert wäre es, Arbeitskosten zu entlasten, Renten vermögensabhängig zu zahlen und/oder Vermögen zu besteuern. Würde Arbeitsplätze unterstützen. Geschehen tut das Gegenteil.

    Das schöne Spiel funktioniert so lange, bis das Sozialsystem zusammenbricht.Pech nur für die, die heute "einzahlen" müssen. bleibt nicht mehr viel übrig.

  • Das ist so gewollt. Man will, Wirtschaft wie Regierung, dass diese Leute in Hartz iV landen um sie dann schikanieren zu können und ihnen jede Arbeit zuzuweisen.
    Egal was sie für eine Ausbildung haben, sie müssen 1 €-Jobs annehmen, sie müssen für Niedrigstlohn sich ausbeuten lassen, sie werden durch private Arbeitsvermittler in Call-Center geschickt. Diese werden vom Staat übrigens subventioniert, denn für solche Arbeitslosen erhalten die Call-Center Einarbeitngshilfe.Ja, richtig gelesen, um der Omi ein Gewinnspile aufs Auge zu drücken, muß man ja eingearbeitet werden mit Staatsknete
    Hartz iV, die Agenda 2010 ist ausschließlich auf Druck der Wirtschaft gemacht worden, vorbereitet übrigens von dieser unseligen bertselsmannstifung, die eine enorme Macht hier im Lande hat.
    Hinzu kommen noch die selbsternannten Experten wie Hüther, Raffelhßschen, Zimmermann, sie gehören alle dem Kuratorium der ibSM an (initiative neue soziale Marktwirtschaft) Aber mit Marktwirtschaft udn sozial haben die ncihs am Hut, es sind Vertreter des knalharen Kapitaismus.
    Schönes Deutschland hat der Genpsse der bosse mit seinen Helfern den Grünend a installiert und die Ost-Kanzlerin führt das weiter
    ich sag doch immer, bevor wir die nicht alle weg prügeln, wird sich nichts ändern
    ich krieg schon wieder Wut, muß erst mal einen Kaffee trinken.

  • Wenn Fachkräfte von der industrie tatsächlich händeringend gesucht werden, wieso bekommen dann die jungen Arbeitssuchenden davon nichts mit ???
    Wie weit muss sich die Einkommens-Schere zwischen Topmanagement und jungen berufsanfängern denn noch öffnen ? Der Faktor Hundert reicht wohl nicht mehr, muss es jetzt Tausend sein ? Was hat das noch mit sozialer Marktwirtschaft zu tun ???

    Sehr geehrtes Handelsblatt, ich danke ihnen dafür, dass auch mal eine solche Studie veröffentlicht wird und nicht nur die Propaganda der HR-Manager.

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