Studie zum Krisenmanagement
Vernichtendes Urteil für die Euro-Retter

Die Euro- und Verschuldungskrise ist inzwischen zu einem kaum durchschaubaren Komplex geworden. Die Bürger wollen verlässliche Informationen. Doch laut einer Studie trauen sie den Krisenmanagern nicht mehr über den Weg.
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BerlinSeit Monaten bemüht sich die Politik, die europäische Schuldenkrise, die längst auch zu einer Bankenkrise geworden ist, in den Griff zu bekommen. Die erzielten Ergebnisse sind ernüchternd. Der Ökonom Gustav Horn brachte das Dilemma vor kurzem auf den Punkt. In einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online schrieb er: „Immer wieder scheint die Überwindung der Krise des Euroraums so nah – und entpuppt sich dann doch wieder als so fern. Keine von all den zahlreichen mit hohen politischen und finanziellen Risiken verbundenen Maßnahmen hat die Krise endgültig zu stoppen vermocht. Immer mehr Länder flüchten unter den Rettungsschirm. Die Sorgen kreisen schon längst nicht mehr nur um Griechenland, sondern mittlerweile ergreift die Furcht vor dem wirtschaftlichen Kollaps auch Spanien und Italien.“

Horn resümiert denn auch, dass die Krise des Euroraums damit nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ ein neues, „extrem gefährliches Stadium“ erreicht habe. Und er fragt, was also geschehen müsse, um die Krise schnellstmöglich zu stoppen. Die Antwort darauf blieben die so genannten Euro-Retter bisher schuldig. Sie lavieren herum und hasten dabei von Krisengipfel zu Krisengipfel. Dabei vergessen sie mitunter, ihre Schritte zu erklären.

Die Bürger kommen schlicht nicht mehr mit, können die Wege, die gegangen werden, nicht mehr nachvollziehen. Woran das liegt hat eine Gemeinschaftsstudie des Fachgebiets für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim (Stuttgart) und der ING-DiBa AG (Frankfurt) untersucht. Die Experten sind der Frage nachgegangen wie Bürger die Kommunikation in der Euro- und Verschuldungskrise bewerten. Das Ergebnis ist eine schallende Ohrfeige für Politiker, Unternehmen – und teilweise auch Journalisten.

Die Mehrheit der Menschen vertraut demnach weder den Aussagen der Politiker noch der Kommunikation von Unternehmen. Den Aussagen der Journalisten zur Krise glaubt immerhin noch die Hälfte der Bürger.

Befeuert wird die vernichtende Bewertung des Euro-Krisenmanagements noch durch eine bekannte Entwicklung, nämlich, dass die meisten Menschen Vertreter der Politik und der Wirtschaft generell für unglaubwürdig halten. Den Aussagen der Bundesregierung misstrauen demnach laut der Studie 60 Prozent der repräsentativ befragten Bürger. Den Oppositionsparteien vertrauen sogar 70 Prozent nicht mehr.

Und die Glaubwürdigkeit der Wirtschaftsvertreter sinkt weiter. Den Aussagen von Unternehmen glauben 60 Prozent der Menschen nicht mehr – im Vergleich zu 2011 eine Zunahme von sieben Prozent. Der Finanzbranche misstrauen 78 Prozent – das ist eine Zunahme von vier Prozent innerhalb eines Jahres.

Überraschend gut kommen noch Journalisten als Euro-Erklärer weg. Im Gegensatz zu Politik und Wirtschaft hätten sie nach wie vor einen „Glaubwürdigkeitsbonus“, heißt es in der Studie. 60 Prozent der Menschen glauben demnach den Vertretern der Printmedien grundsätzlich – eine Zunahme von acht Prozent gegenüber 2011.

Überraschend ist auch der Befund der Befragung, dass sich der Trend zum Misstrauen verstärkt, wenn es speziell um die Euro- und Verschuldungskrise geht: Fast 90 Prozent der Menschen sind demnach der Ansicht, dass Politiker die Wahrheit zur Krise verschleiern. Nahezu 80 Prozent der Bürger meinen, die Unternehmen lügen, wenn es um die Krise geht. Hinzu kommt: Über drei Viertel der Menschen fühlen sich in der Euro- und Verschuldungskrise durch die Politik mit ihren Interessen und Anliegen nicht vertreten. Bezogen auf die Unternehmen sind dies 84 Prozent.

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Grundlegende Vertrauenskrise droht

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  • Wenn der ESM kommt bedarf es keiner Wahlen mehr!

  • Das Fazit ist denn auch mehr als ernüchternd: „Wenn die Entscheidungsträger aber mit ihren Aussagen und Erklärungen nicht zu den Bürgern durchdringen, wächst die Gefahr, dass aus der aktuellen Krise des Wirtschafts- und Finanzsystems eine grundlegende Vertrauenskrise wird.“

    In der Politik wurde auf heftige Weise das Vertrauen des Bürgers mißbraucht. Es wurde gelogen und mit Halbwahrheiten taktiert. Und es wurde umgefallen. Dies alles zusammen und andauernd. wer will es dem Deutschen verdenken.

    So und nun kommen wir zu eigentlichen Gefahr:
    Die Medien stehen angeblich noch glaubwürdig da. Dieses Vertrauen sollte durch Halbwahrheiten nicht mißbraucht werden, auch nicht wenn man nur die Schokoladenseite erwähnt oder wie Herr Olaf Storbeck über Wutbürger und Wütökonomen berichtet. Auch hier ist das Vertrauen begrenzt.

    Schönen Abend noch.

  • ........wenn das alles so oberfaul ist , ? was tut der Generalstaatsanwalt ? Müßte er nicht Strafanzeige gegen die Mitglieder der Bundesregierung, Mitglieder des Bundestages und des Bundesrates der Bundesrepublik Deutschland stellen? Gegen „Alle“ die dem ESM-Vertrag zugestimmt haben . Wegen Hochverrates und Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens gemäß §81 – §83 StGB

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