Studie zur Arbeitszeit Hubertus Heils Gesetz zur Brückenteilzeit könnte sich als Placebo entpuppen

Heil will mit einem Gesetz die Karrierefalle „Teilzeit“ aushebeln. Laut einer Studie geht der Entwurf aber an den Wünschen der Arbeitnehmer vorbei.
Kommentieren
Raus aus der Teilzeitfalle. Quelle: dpa
Arbeitsminister Heil

Raus aus der Teilzeitfalle.

(Foto: dpa)

BerlinFür den sozialdemokratischen Arbeitsminister Hubertus Heil und die Gewerkschaften ist die geplante „Brückenteilzeit“ eine große soziale Errungenschaft. Endlich können Beschäftigte – vor allem Frauen – zeitweise beruflich kürzer treten, ohne danach in der Teilzeitfalle stecken zu bleiben.

Doch nun gießt das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Wasser in den Wein. So, wie das Gesetz derzeit geplant ist, könnte es an den Wünschen vieler Beschäftigter vorbeigehen, schreibt die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA) in einem aktuellen Report.

Heils Entwurf, den der Minister Mitte April in die Ressortabstimmung gegeben hat, sieht vor, dass Beschäftigte befristet ihre Arbeitszeit reduzieren und danach zum ursprünglichen Volumen zurückkehren können. Um den Arbeitgebern die Personalplanung zu erleichtern, kann der Arbeitgeber die befristete Teilzeit ablehnen, wenn sie kürzer als ein Jahr oder länger als fünf Jahre dauert.

Hier liegt aus Sicht der Nürnberger Forscher ein Problem, weil viele Beschäftigte gerne nur kurz in Teilzeit arbeiten würden. So hatte das IAB 2014 in einer telefonischen Befragung die Arbeitszeitwünsche von 7500 Beschäftigten ermittelt. Etwa sechs Prozent wollten gerne ihre Arbeitszeit für eine befristete Zeit verkürzen – Frauen deutlich häufiger als Männer.

Von ihnen wiederum strebte aber ein Drittel eine Teilzeitphase von unter einem Jahr an. Sie würden also von der neuen Brückenteilzeit nicht direkt profitieren. Genau wie jene fünf Prozent, die gerne länger als fünf Jahre kürzer treten wollten.

Mittelweg zwischen weniger Arbeitsstunden und Planungssicherheit

Das ist insofern brisant, als ohnehin schon ein großer Teil der Arbeitnehmer außen vor bleibt. So soll der Rechtsanspruch nur in Betrieben mit mehr als 45 Beschäftigten gelten. 15 Millionen Arbeitnehmer sind damit schon mal ausgeschlossen.

In Unternehmen mit bis zu 200 Beschäftigten greift zudem eine Zumutbarkeitsklausel: Von jeweils 15 Beschäftigten darf hier nur einer die Brückenteilzeit beanspruchen. Bei 60 Beschäftigten kann der Arbeitgeber also weitere Anträge ablehnen, wenn schon vier Mitarbeiter von der Regelung Gebrauch machen. 

Über die Grenzwerte war schon in der letzten Großen Koalition heftig gestritten worden. Die damalige Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) wollte das Rückkehrrecht vom Teilzeit- auf den Vollzeitjob schon in Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern greifen lassen. Diesen Schwellenwert sieht das Teilzeit- und Befristungsgesetz vor.

Dem Wirtschaftsflügel der Union schwebte damals ein deutlich höherer Wert von 200 Beschäftigten vor. Am Streit darüber war das Gesetz in der zurückliegenden Wahlperiode gescheitert. Nahles hatte sich geweigert, ein „Placebo-Gesetz“ zu verabschieden, von dem ein Großteil der Beschäftigten gar nicht profitieren könnte.

Das IAB gibt nun allerdings zu bedenken, dass seine Befragung stattfand, lange bevor die Brückenteilzeit auch nur diskutiert wurde. Angesichts der jetzt geplanten Neuregelung seien deshalb „etwaige Verhaltenseffekte“ nicht auszuschließen, schreiben die Forscher. Sprich: Wenn die Brückenteilzeit erst ab einem Jahr gilt, könnten sich mehr Arbeitnehmer dazu entschließen, diese Mindestfrist auch einzuhalten.  

Zudem sieht der Referentenentwurf vor, dass die Sozialpartner per Tarifvertrag auch andere Grenzwerte vereinbaren dürfen, eine Brückenteilzeit also etwa auch für sechs Monate möglich sein kann. „Angesichts der Tatsache, dass ein nicht unerheblicher Teil der Beschäftigten seine Arbeitszeit nur für wenige Monate reduzieren möchte, ist es nicht zuletzt an den Tarifpartnern, praktikable Lösungen zu entwickeln, die auch diesem Wunsch Rechnung tragen, ohne die Planungssicherheit der Arbeitgeber über Gebühr einzuschränken“, schreibt das IAB.      

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Studie zur Arbeitszeit - Hubertus Heils Gesetz zur Brückenteilzeit könnte sich als Placebo entpuppen

0 Kommentare zu "Studie zur Arbeitszeit: Hubertus Heils Gesetz zur Brückenteilzeit könnte sich als Placebo entpuppen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%