Studie zur Energiewende: Strom aus Erneuerbaren kannibalisiert sich selbst

Studie zur Energiewende
Strom aus Erneuerbaren kannibalisiert sich selbst

Der März-Orkan „Niklas“ bescherte Deutschland einen neuen Ökostromrekord. Was sich auf den ersten Blick als großes Plus für die Energiewende erweist, birgt ein großes finanzielles Risiko für Erzeuger und Verbraucher.
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BerlinZur größten Hürde für die Energiewende könnte nicht der schleppende Netzausbau werden, sondern der zunehmende Wertverlust von Strom aus erneuerbaren Energien. Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). In der Untersuchung mit dem Titel „The Economics of Wind and Solar Variability“, die dem Handelsblatt vorliegt, wird ein Wertverfall an der Strombörse von 25 Prozent prognostiziert, falls der Anteil von Windstrom im Netz von derzeit neun Prozent auf 30 Prozent steigt.

Bei Solarenergie fällt demnach der Verfall sogar noch stärker aus: Selbst bei einem Marktanteil von nur 15 Prozent sei hier ist ein Wertverlust von 50 Prozent zu erwarten. Sinke jedoch der Wert des Stroms, steigt die von den Verbrauchern gezahlte Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG).

Der Preisverfall sei schon jetzt an den Strombörsen Europas zu beobachten, warnt der Studienautor Lion Hirth. „Setzt sich diese Selbstkannibalisierung der Erneuerbaren in gleichem Maße fort, werden Windturbinen und Solarzellen wohl noch lange nicht wettbewerbsfähig sein“, sagte der Wissenschaftler dem Handelsblatt. Der Marktwertverlust von Wind- und Solarstrom hätte demnach zur Folge, dass diese Technologien länger gefördert werden müssen, als viele hoffen. Dies wirke sich laut Hirth auf die langfristige Förderstruktur des EEG und die Höhe der EEG-Umlage aus. „Es sind die Stromverbraucher, die den Wertverlust in Form der EEG-Umlage mitzahlen werden müssen.“

Den Prognosen für den Wertverlust des Wind- und Solarstroms liegt ein von Hirth erstelltes Modell des europäischen Strommarktsystems zugrunde. Darin wird eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt, wie etwa die Zusammensetzung des konventionellen Kraftwerksparks, die Existenz von Stromspeichern, der großflächige Netzausbau oder die Import- und Exportmöglichkeiten in Nachbarländer.

Speisen die Erneuerbaren zu einer bestimmten Stunde Strom ein, sinkt die Netto-Nachfrage und damit der Preis. Je größer die Einspeisung, desto stärker der Preisverfall.  Der Grund ist, dass die Erzeugung etwa von Sonnenenergie auf weniger Stunden im Jahr konzentriert ist. In diesen Stunden ist der Preisverfall dann besonders stark zu spüren.

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Strom aus Erneuerbaren kannibalisiert sich selbst

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Rezepte gegen den Preisverfall

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  • Liebe Leser,
    haben Sie sich schon einmal gefragt von wem dieses zitierte Institut finanziert wird ? Der geneigte Leser vermutet Neutralität, aber in den wenigsten Fälle ist dies so.
    Für mich hört sich der Inhalt der Studie nach (mal wieder) sehr guter Lobbyarbeit von RWE und Co. an. Die haben die Erneuerbaren Energien zunächst verschlafen, dann bekämpft und stehen heute vor den Ruinen der einstmals sehr erfolgreichen Geschäftsmodelle. Peak Load gibt es nicht mehr, Gaskraftwerke sind daher unwirtschaftlich, Kohle auf dem Prüfstand, Nuklear ist tot, einen Schuldigen (dessen eigene Lobby-Arbeit durch eine unübersichtliche Anzahl von Verbänden leider unterirdisch ist) in Gestalt der Erneuerbaren Energien braucht man aber. Die Energiewende ist notwendig, aber leider ernsthaft in Gefahr, wenn man den Weg nicht weitergeht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Dieses Problem ist seit Jahren bekannt; nur unseren Politikern nicht, sonst wären die Prioritäten längst anders gesetzt. Schon heute könnten die meisten Probleme der Energiewende beseitigt sein, wenn endlich intelligente Massenenergie-Speicher eingesetzt würden. Diese gibt es in Form neuartiger PUMPSPEICHER MIT SCHWIMMENDEM SPEICHERTEIL. Diese können überall eingesetzt werden und sind so effizient und preisgünstig, dass sich Ihr Bau bereits bei geringer Nutzung lohnt. Nachstehend ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Pumpspeichern:

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    Der erreichbare Wirkungsgrad beträgt bei herkömmlichen Pumpspeichern 80 - 85 %, bei Kohle-Kraftwerken 46 - 52 % und bei Gas-Kraftwerken 55 - 61 %.

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