Studie zur Familienförderung

Rückenwind für die Betreuungsgeld-Gegner

Renommierte Forscher haben die schwarz-gelbe Familienpolitik unter die Lupe genommen. Das Urteil fällt wenig schmeichelhaft aus – und könnte in der Betreuungsgeld-Debatte wie eine Steilvorlage für die SPD wirken.
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Demonstranten protestieren vor dem Bundeskanzleramt in Berlin gegen das Betreuungsgeld (Archivbild): Auch Experten halten von der CSU-Erfindung reichlich wenig. Quelle: dpa

Demonstranten protestieren vor dem Bundeskanzleramt in Berlin gegen das Betreuungsgeld (Archivbild): Auch Experten halten von der CSU-Erfindung reichlich wenig.

(Foto: dpa)

BerlinEigentlich haben das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), das Münchner Ifo-Institut und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Wirkung des Betreuungsgelds gar nicht untersucht. Und dennoch lässt ihre Untersuchung der Förderung von Familien in Deutschland nur einen Schluss zu: die von SPD und Grünen als „Herdprämie“ abgekanzelte familienpolitische Leistung ist tatsächlich ökonomisch bedenklich, weil sie Mütter dem Arbeitsmarkt entzieht.

Das legen jedenfalls die zentralen Ergebnisse aus der Gesamtevaluation familienbezogener Leistungen nahe, die die Forschungsinstitute heute in Berlin vorgestellt haben. Die umfassende Untersuchung war vor fünf Jahren vom Familien- und vom Finanzministerium in Auftrag gegeben worden. Die 156 Instrumente der deutschen Familienpolitik sollten nach diesen fünf politischen Zielen hin überprüft werden: die Sicherung der wirtschaftlichen Stabilität der Familien, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die frühe Förderung von Kindern, die Erfüllung von Kinderwünschen und den Nachteilsausgleich zwischen den Familien.

Das Betreuungsgeld war damals noch nicht in Gesetzesform gegossen, es war aber von Union und FDP auf Drängen der CSU in den Koalitionsvertrag geschrieben worden. Seit dem 1. August kann es beantragt werden. Im Koalitionspoker gilt es als großer Knackpunkt. Für die Christsozialen ist die Leistung nicht verhandelbar. Für die SPD ist das Geld für Eltern, die ihre Kleinkinder nicht in eine öffentlich geförderte Betreuung geben, dagegen zum Fenster rausgeschmissen: Es zementiert nach SPD-Einschätzung das Ungleichgewicht zwischen Mann und Frau bei der Berufstätigkeit. Deshalb hat die SPD versprochen, es abzuschaffen, und die Mittel in den Ausbau der Kinderbetreuung zu stecken.

In diese Richtung argumentieren auch die Wissenschaftler. Denn in der Beurteilung durch die Institute schneidet die öffentlich geförderte Kindertagesbetreuung besonders gut ab. „Das ist die einzige Maßnahme, die verbunden mit einer hohen Betreuungsqualität im Hinblick auf alle vorgegebenen Ziele eine substanzielle positive Wirkung entfaltet und keinem anderen Ziel entgegenwirkt“, sagte Katharina Spieß vom DIW. Diese Maßnahme unterstütze die Erfüllung von Erwerbswünschen und stabilisiere so das Einkommen der Familien. Zudem erleichtere sie die Realisierung von Kinderwünschen und verbessere bei guter Qualität die frühe Förderung von Kindern. „Damit können mit einer Leistung mindestens vier familienpolitische Ziele erreicht werden.“

Nur Nachteile durch das Betreuungsgeld
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23 Kommentare zu "Studie zur Familienförderung: Rückenwind für die Betreuungsgeld-Gegner"

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  • Man stelle sich eine Erzieherin vor, die aus finanziellen Gründen ihr Kind mit einem Jahr in eine Kita geben muss, um dann in einer anderen Kita die Einjährigen anderer Mütter zu betreuen. Das ist doch absurd!

    Ich bin selbst eine junge Mutter (und Studentin, es wird im Zusammenhang mit dem Betreuungsgeld ja immer so gerne von "Bildungsferne" gesprochen). Meinen Sohn werde ich zu Hause betreuen, bis er drei Jahre alt ist. Das Betreuungsgeld ist für uns eine kleine, sehr willkommene Hilfe. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es keine einzige Mutter, die ihr Kind mit einem oder zwei Jahren in die Fremdbetreuung abgeben möchte, weil sie ihre Arbeit so sehr vermisst. Ein paar tun es, aber da steckt finanzielle Notwendigkeit dahinter.

    Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist eine zu frühe Fremdbetreuung für Kleinstkinder keine "Förderung" sondern eine extreme Belastung. Es ist wirklich traurig, dass es immer nur um Wirtschaftsinteressen geht und manche Parteien kein Interesse am Kindeswohl haben. Ganztagsbetreuung direkt nach der Geburt, spätestens nach dem Mutterschutz, das wäre doch was!

  • Ich gebe Ihnen völlig recht, der Lobbyismus lässt grüßen. An die Kinder, oder auch an die Frauen, denkt gar keiner. Schlimm ist nur, dass viele Menschen solche "unabhängigen" Studien nicht in Frage stellen.

  • "Mir hat es dieses Jahr bei einer Steuerprüfung fast die Sprache verschlagen, als mein Prüfer fragte wie ich mit den schwankenden Einnahmen überhaupt zurecht käme."
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    Meine Antwort wäre: Da ich kein Beamter bin, der pünktlich zum ersten ohne jedes persönliche Risiko und Engagement sein Gehalt erwartet und auch bekommt, komme ich damit ganz gut zurecht. Wie man leicht sieht, schätze ich Beamte nicht sehr und wenn mir so einer quer kommt, kriegt er Gegenwind, daß er die Ohren anlegt. Ich bin eben KEIN Untertan!

    Aber mal was ganz anderes, was noch gar nicht zur Sprache kam. M.E. hat die massive Propagierung der Ganztagsbetreuung von der KiTa bis zur Schulenoch einen anderen, ziemlich hinterhältigen Aspekt. Man entzieht so die Kinder im einflußempflindlichsten(!) Alter den Eltern. Wer kennt das nicht: Der Lehrer/die Kindergartentante hat aber gesagt, daß... Und manchmal wird eben ein Unsinn verzapft, den man dann als Erziehender kaum wieder rausbringt. So prägt man Menschen mit politisch oder ökologisch korrekter Einstellung und ggf. eben auch Staatstreue und Untertanenmentalität (hatten wir schon mal). Kritisches, scharf hinterfragendes Denken unter der Anleitung von ebenfalls kritisch denkenden Eltern lernen die Kinder so jedenfalls nicht, dafür aber Konformität.

  • MÜTTER SIND "ÖKONOMISCH BEDENKLICH"

    "WEIL SIE MÜTTER DEM ARBEITSMARKT ENTZIEHT"...

    Ja, darum geht es doch. Darum pocht ja auch das deutsche Großkapital und -Industrie so auf möglichst umfangreiche Fremdbetreuung. Weil die natürliche Mutterrolle, eine Mutter(Vater) die sich primär der Erziehung ihrer Kinder verschreibt, "ökonomisch bedenklich" ist.

    Das Betreuungsgeld und damit letztlich die Rolle als Vollzeitmutter "entzieht Frauen den Arbeitsmarkt"- und das ist ein Unding zumindest auch Sicht des Großindustrie, die ein Überangebot an Arbeitskräften verlangt.

    Die Frauen ihren Familien und Kinder zu entziehen, ist derweil vollkommen in Ordnung.

  • Der existensminimale Lebensstandard eines Ehepaares
    mit zwei Kindern liegt nun mal bei EUR 30.276,-

    8.130+8.130+7.008+7.008

    Dass dem so ist, verdanken wir nicht der weisen
    Einsicht von Politikern oder "renommierten" Forschern,
    sondern der Rechtsprechung aus Karlsruhe.

    "Renommierte" "FORSCHER" = = = Volltrottel passt besser!

  • Am wichtigsten wäre es doch zu untersuchen, wie hoch der Anteil der Betreuungsgeld-Empfänger bei den lieben Immigranten ist.

  • Liebe Leute, diese kuriose Studie offenbart doch lediglich, was unsere Politiker- und Beamtenkaste in uns sieht. Wir sind die Steuersklaven. Und wer sich um die Erziehung seiner Kinder kümmert (dies gilt auch für Männer), schafft gleichzeitig keine Steuern ran. Davon leben aber unsere Kleptokraten.
    Wer hier Freiberufler ist, kann die Einstellung unserer Staatsbediensteten schön in einem Experiment feststellen: Gehen Sie einfach mal zum Finanzamt und beantragen Sie eine Reduktion Ihrer Steuervorauszahlungen mit der Begründung, einen dreimonatigen Segeltörn zu machen. Es ist erstaunlich, was man da zu hören bekommt. Mir hat es dieses Jahr bei einer Steuerprüfung fast die Sprache verschlagen, als mein Prüfer fragte wie ich mit den schwankenden Einnahmen überhaupt zurecht käme. Geprüft wurden nämlich die Jahre 2009 bis 2011. Und 2009 war halt äußerst bescheiden. Unsere Beamten haben ja von der Wirtschaftskrise nichts mit bekommen. Dennoch kam 2009 auch bei mir noch genug zum Leben rein. Dass normale Menschen außerdem Rücklagen bilden, kann der deutsche Beamte auch nicht verstehen. Nein, man sieht das Volk als Steuersklaven an. Und da ist es eigentlich konsequent, Kinder direkt nach der Geburt der Familie abzunehmen und in staatliche Betreuungs- und Indoktrinierungseinrichtungen zu stecken, damit beide Ehepartner wieder schnell Steuern erwirtschaften. Ups, die Ehe brauchen wir auch nicht mehr als Bedarfsgemeinschaft. Das Ehegattensplitting, welches eine logische Konsequenz unseres progressiven Steuersystems und der Annahme ist, dass Eheleute füreinander einstehen müssen, wirkt ja auch schädlich auf die Steuermaximierung. Also, die Ehe solle auch unverzüglich abgeschafft werden. Und gesetzlich ist dann zu regeln, wie viele Kinder eine Frau zu "werfen" hat. Bitte nicht zensieren. Beim Lesen des Artikels kam mir schon der Gedanke an Schweinezucht.

  • "Für mich ist Kindergekreische (extrem hochfrequent und weit tragend!) eines der nervigsten und störendsten Geräusche, die ich kenne, gleichauf mit Verkehrs-, Flug- oder Maschinenlärm. "

    *schmunzel*, ja aber nur wenn es fremde Kinder sind.
    Kinder die "Auslauf" haben, sind auch nicht wirklich laut, aber in diesen Karnickelställen, die man auch noch Wohnung nennt, müssen sie ja ruhig gehalten werden. Im Zweifel mit Ritalin.
    Ein Kindergarten oder ein Kinderspielplatz an der richtigen Stelle "beruhigt" auch gute Ohren. Deshalb sprach ich ja auch den Städtebau an.

  • "Kindergeschrei ist Musik und keine Lärmbelästigung."
    ---
    Schön für Sie, daß Sie so ein unempfindliches Gehör haben. Für mich ist Kindergekreische (extrem hochfrequent und weit tragend!) eines der nervigsten und störendsten Geräusche, die ich kenne, gleichauf mit Verkehrs-, Flug- oder Maschinenlärm.
    Als jemand, der auf 20...30 m eine Maus im Unterholz rascheln und auf deutlich über 100 m den Tritt eines Rehs hört, empfinde das als ohrenbetäubenden, regelrecht krank machenden Lärmterror und nicht als "Musik".
    Wie schrieb schon Wilhelm Busch?
    "Musik, so ist es oft zu hören,
    die ein'n erfreut, kann andere stören!"
    Gilt auch im übertragenen Sinne!

  • Das Ganze erinnert mich doch sehr an die Unternehmenssteuerreform 2000.
    Das Manifest der 78 Professoren mit dem Titel "Rettet das steuerliche Anrechnungsverfahren - Wider das steuerliche Halbeinkünfteverfahren" war von diesen Fachleuten sogar für mich begreiflich verfasst worden.
    Dass sich aus diesem Steuerbegrünstigungs- und –privilegierungsgesetz für Kapitalgesellschaften durch die damit ausgelösten Steuereinnahmenausfälle exakt die Finanzmisere in den öffentlichen Haushalten und Kassen eingestellt hatte, war natürlich die Grundvoraussetzung für die dann ja auch erfolgreiche „Reform des SGB und der Erwerbsarbeitsmärkte“.
    Es gab und gibt wohl keine infamere, bösartigere und kriminellere Realpolitik, die von den Hannoveraner Erbfreunden mit höchst subtilem und winkeladvokatorischem Machtmissbrauch umgesetzt wurde, als diese Modernisierungs- und Reformpolitik, die in Deutschland gegen die konsensual verfasste, mehrwertschöpfungsfähige Produktionswirtschaft(Realwirtschaft) gerichtet war. Dass als Begünstigte dieser „Politik“ jene Finanzspekulations- und –anlagenbetrugswirtschaftspaten, wie ein gewisser Herr Blaha in Wien, ein Herr Maschmeyer in Hannover u.v.a.m. ganze Freudenfeuerwerke abfeuerten, als die Finanzmarktreform mit dem Namen MoRaKG (Modernisierungsgesetz für den Investitionsstandort Deutschland) verabschiedet worden war, dass versteht sich von selbst.
    Nur ist eine solche Politikvariante aufgrund ihrer verfassungswidrigen und gesellschaftszerstörenden Auswirkungen und Folgen nur noch als regierungsamtliche Staatskriminalität zu begreifen. So auch dieses „Betreuungsgeld“.

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