Studie zur Mehrarbeit Geringverdiener haben weniger Vorteile

Arbeiten Beschäftigte in unteren Einkommensgruppen mehr, bleibt ihnen nicht immer mehr Geld übrig. Im schlimmsten Fall können Sozialabgaben oder Einkommenssteuern gar zu Verlusten führen. Gutverdienern ergeht es besser.
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Untere Einkommensgruppen werden deutlich stärker belastet als Spitzenverdiener. Quelle: dpa
Mehrarbeit

Untere Einkommensgruppen werden deutlich stärker belastet als Spitzenverdiener.

(Foto: dpa)

GüterslohMehrarbeit lohnt sich für Geringverdiener nicht immer. In unteren Einkommensgruppen kann das Zusammenwirken von Sozialabgaben, Transferleistungen und Einkommenssteuer dazu führen, dass von Lohnzuwächsen nichts im Portemonnaie ankommt. Im schlimmsten Fall kann am Ende sogar weniger übrig bleiben als ohne den Mehrverdienst. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor.

Die Studienautoren hatten für sechs Musterhaushalte - vom Alleinerziehenden mit einem Kind bis zum Doppelverdienerpaar ohne Kinder - untersucht, wie viel von einem zusätzlich verdienten Euro übrig bleibt, wenn man Beiträge zur Sozialversicherung, Einkommenssteuern und den möglichen Entzug von Sozialleistungen wie Wohngeld oder Kinderzuschlag berücksichtigt. Das Ergebnis: Untere Einkommensgruppen werden dadurch deutlich stärker belastet als Spitzenverdiener.

Das sind die größten Arbeitsrecht-Irrtürmer
„Den Jahresurlaub können Arbeitnehmer auf das Folgejahr übertragen“
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Viele Arbeitnehmer vertrauen im Alltag auf ihr juristisches Halbwissen – und treffen deshalb womöglich falsche Entscheidungen. Das Fachportal Smartlaw hat die größten Irrtürmer im Arbeitsrecht zusammengestellt. Ein weit verbreiteter Mythos ist demnach, dass Angestellte übrig gebliebene Urlaubstage im Folgejahr nehmen können. Doch: Laut Arbeitsrecht muss der Arbeitnehmer den ihm zustehenden Jahresurlaub grundsätzlich bis Jahresende nehmen. Sonst verfällt er. Nur aus dringenden betrieblichen oder persönlichen Gründen darf er in Ausnahmefällen aufs Folgejahr übertragen werden. Dann muss er spätestens bis zum 31. März genommen worden sein. Manchmal sehen Arbeitsverträge vom Gesetz abweichende Urlaubsregelungen vor.

„Wer an Sonn- und Feiertag arbeitet, hat Anspruch auf einen Lohnzuschlag“
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Grundsätzlich besteht kein gesetzlicher Anspruch auf einen Zuschlag für Sonn- oder Feiertagsarbeit – es sei denn, ein Lohnzuschlag ist im Arbeitsvertrag vorab vereinbart worden. Dem Arbeitnehmer steht dem Arbeitszeitgesetz zufolge nur ein Ersatzruhetag zu. Diesen muss der Arbeitgeber seinem Angestellter für Sonntagsarbeit innerhalb von 14 Tagen und für Feiertagsarbeit innerhalb von acht Wochen gewähren.

„Erst nach drei Tagen verlangt der Arbeitgeber ein ärztliches Attest“
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Laut Gesetz muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber tatsächlich erst spätestens am vierten Tag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Manchmal kommt es jedoch vor, dass der Arbeitsvertrag oder die Betriebsvereinbarung vorsieht, dass der Angestellte das Attest schon früher beim Arbeitgeber einreichen muss.

„Ein Arbeitsverhältnis kann nur dreimal hintereinander befristet werden“
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Grundsätzlich betrachtet ist diese Behauptung laut Smartlaw falsch. Es wird nämlich zwischen der Befristung mit und ohne sachlichen Grund entschieden. Bei einer Befristung mit einem sachlichen Grund – zum Beispiel, dass der Arbeitnehmer als Krankheitsvertretung eingestellt wird – besteht laut Gesetz keine Beschränkung auf eine bestimmte Anzahl von Befristungen.

„Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld“
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Eine Sonderzuwendung wie Arbeits- oder Urlaubsgeld muss der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter nur zahlen, wenn sie vorab vertraglich geregelt wurde. Beispielsweise im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder in der Betriebsvereinbarung.

„Der Chef kann seinen Mitarbeiter mündlich kündigen“
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Auch diese Aussage ist falsch. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können den Vertrag ausschließlich schriftlich kündigen – allerdings nicht mit Hilfe von SMS, Fax oder E-Mail.

„Arbeitnehmer können ihre Kündigung zurückziehen“
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Sobald die Kündigung durch den Arbeitnehmer beim Vorgesetzten schriftlich eingegangen ist, ist sie laut Gesetz wirksam. Mit dem Zugang wird das Arbeitsverhältnis sofort oder unter Einhaltung einer Frist beendet. Die Rücknahme einer Kündigung ist laut Experten vielmehr als Angebot an den Vorgesetzten zu verstehen, das Arbeitsverhältnis fortzuführen.

Von einem hinzuverdienten Euro bleibt nach den Berechnungen der Stiftung bei einem Single-Haushalt mit einem jährlichen Haushaltsbruttoeinkommen von 17.000 Euro nichts übrig. Bei einem Einkommen von 75.000 Euro brutto würden dagegen 56 Cent je Euro in der Haushaltskasse verbleiben. Der Grund: Bei Geringverdienern würde angesichts des Mehrverdienstes im gleichen Ausmaß das Arbeitslosengeld II gekürzt. „In einigen Fällen finden wir Grenzbelastungen von über 120 Prozent, der hinzuverdiente Euro sorgt damit für 20 Cent netto weniger in der Haushaltskasse“, erklärte Manuela Barisic von der Bertelsmann-Stiftung.

Aber auch bei etwas besser Verdienenden zeigt sich den Berechnungen zufolge ein ähnliches Bild. So bleiben einem Ehepaar mit zwei Kindern und einem Alleinverdiener bei einem jährlichen Bruttoverdienst von 40.000 Euro von einem zusätzlich verdienten Euro 56 Cent übrig. Wer dagegen 90.000 Euro brutto verdient, kann 66 Cent behalten.

Die Studienautoren fordern deshalb Änderungen am Gesamtsystem aus Einkommenssteuer, Sozialabgaben und Transferleistungen. „Mehr Arbeit und Lohn müssen sich für die Krankenschwester genauso auszahlen wie für den Unternehmensberater“, erklärte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus. Mit Reformen müssten die Regelungen so aufeinander abgestimmt werden, dass sich mehr Erwerbsarbeit für jeden lohne.

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  • dpa
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