Studie zur Schwarzarbeit Sind wir nicht alle ein bisschen Alice Schwarzer?

Was Alice Schwarzer, Uli Hoeneß & Co. im großen Stil getrieben haben, machen die meisten Deutschen im Kleinen: Steuern am Finanzamt vorbeischleusen – und zwar mittels Schwarzarbeit. Schlechtes Gewissen? Fehlanzeige.
46 Kommentare

Deutschland, deine Steuersünder

DüsseldorfDie Empörung in Deutschland über Alice Schwarzer und ihre Steuerhinterziehung ist groß. Doch das, was Schwarzer, Hoeneß & Co. im großen Stil getan haben, ist den Deutschen im Alltag gar nicht so fremd. Wenn sie Menschen schwarz beschäftigen oder selbst schwarz arbeiten, bringen sie den Staat ebenfalls um Steuereinnahmen – wenn auch nur im Kleinen. „Schwarzarbeit ist die Steuerhinterziehung des kleinen Mannes“, bringt es Professor Dominik Enste, Experte für Verhaltensökonomie und Wirtschaftsethik am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), im Gespräch mit Handelsblatt Online auf den Punkt.

Und die Schattenwirtschaft könnte künftig wieder so richtig aufblühen. Grund sind die Pläne der Großen Koalition. Denn die Autoren einer am Dienstag veröffentlichten Studie zu Schattenwirtschaft der Universität Linz und des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) sind der Überzeugung, dass die Rente mit 63 und der geplante Mindestlohn dafür sorgen werden, dass wieder mehr Geld am Finanzamt vorbeigeschleust wird. Lediglich die stabile Konjunktur sorge in diesem Jahr noch dafür, dass viele Menschen einen regulären Arbeitsplatz finden und deshalb weniger schwarzgearbeitet werde, heißt es.

So soll die Schwarzarbeit laut Studie auch in 2014 wie bereits in den vergangenen zehn Jahren weiter sinken – voraussichtlich um zwei Milliarden Euro auf 338,5 Milliarden Euro, so die Berechnung der Experten. Die Schattenwirtschaft – also Schwarzarbeit, verkaufte Waren auf dem Schwarzmarkt, Nachbarschaftshilfe und Selbstversorgung – entspreche somit voraussichtlich 12,2 Prozent der offiziellen Wirtschaftsleistung. Doch eben nur so lange, bis die Pläne von Union und SPD umgesetzt werden. Experte Enste glaubt auch, dass beispielsweise der Mindestlohn den Anreiz bei den Bürgern erhöhe, „Arbeiten nicht zu erledigen, aufzuschieben oder eben schwarz erledigen zu lassen.“

Es gibt aber noch einen weiteren Grund dafür, warum der Rückgang der Schwarzarbeit stagnieren könnte – und hier kommen wieder Alice Schwarzer & Co. ins Spiel: „Die Steuersünden von Prominenten führen dazu, dass auch das Unrechtsbewusstsein des normalen Steuerzahlers abnimmt“, sagt Dominik Enste vom IW. „Die Eliten stehen zurecht unter Beobachtung.“ Denn das sei der Preis dafür, dass sie an der Spitze der Gesellschaft stehen und gut bezahlt würden. „Wenn sie sich moralisch aber nicht einwandfrei verhalten, prägt das die Steuermoral der ganzen Gesellschaft.“

„4,5 Millionen Putzhilfen sind nicht angemeldet“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Studie zur Schwarzarbeit - Sind wir nicht alle ein bisschen Alice Schwarzer?

46 Kommentare zu "Studie zur Schwarzarbeit: Sind wir nicht alle ein bisschen Alice Schwarzer?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @willy
    Ein nachvollziehbares Argument und wo ist IHR Einsatz für mehr Demokratie z. B. Volksentscheide politisch durchzusetzen oder glauben Sie etwa ein Eierdieb (Politiker) wird ein Gesetz gegen das Stehlen von Eiern (Steuerverschwendung) erlassen?!

    Es ist immer so schön bequem und abgrundtief heuchlerisch einerseits etablierte Parteien zu wählen, das System an und für sich ganz prima zu finden, weil man nicht unerheblich in diesem System profitiert und dann, wenn es um die Nachteile geht, sprich ans bezahlen sich ganz ungeniert vom Acker zu machen und sein Vermögen im Ausland versteckt wo es gegen Recht und Gesetz undeklariert weiteres Vermögen erwirtschaften kann. In diesem einen Punkt, nämlich der Steuerverschwendung den Widerstandskämpfer zu mimen, ist wohl ganz großes Theater und an bürgermiefiger Verlogenheit nicht zu toppen! Von den verurteilten Steuerstraftätern oder den vielen -zig tausenden Selbstanzeigern ist absolut niemand vorher aufgefallen mehr Bürgerwillen und mehr Transparenz schaffen zu wollen, die Mehrheit von denen hat sogar mit der eigenen Wahlstimme, manche sogar als Politiker, stets das Gegenteil vertreten.
    Also bitte, die Gesellschaft erwartet von den Vermögenden mehr Einsatz für die Durchsetzung vom Bürgerwillen oder sie sollen das Land verlassen, ein Beckenbauer, Schumacher etc. haben es schon gemacht, oder besser ganz still sein!

  • Kleine Delikte und große Delikte sind letztendlich Delikte! Da beißt die Maus keinen Faden ab. Das Problem hierbei ist, dass Sie z.b. die Situation aus Ihrer Perspektive sehen, nicht aber aus der von Frau Schwarzer, Herrn Hoeneß oder anderen gleichgesinnten. Die haben nämlich einen ganz anderen Blickwinkel. Sie vergleichen den "einfachen Arbeiter" mit Leuten, die "immer noch nicht genug haben". Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. WER WILL WEM AUF DER WELT VORSCHREIBEN WAS "GENUG" IST? Ein Wüstennomade oder ein Bauer aus Bangladesch zum Beispiel hat ein ganz anderes Empfinden für "Genug" als Sie.

    Gesetze und Regeln sind dazu da, um Ordnung in der Gesellschaft zu garantieren. Wer sich daran nicht hält, der gehört bestraft. Und dabei spielt es KEINE Rolle an welcher Stelle sich das Komma befindet.

  • Ich bin für das Recht auf Steuerhinterziehung, solange die Politik für Steuervergeudung nicht haftbar gemacht wird, bis zum Knast!

  • Solange Steuerverschwender den Steuerbetrügern nicht gleichgestellt sind, kann ich jeden Steuerbetrüger verstehen. Basta!

  • Ein Irrtum!!!
    Selbstversorgung aus dem eigenem Garten ist (noch) keine Schwarzarbeit. Wenn demnächst auch noch das soziale Miteinanderander (Nachbarschaftshilfe) als Schwarzarbeit gilt, sollte jeder anständiger Bürger diese Bananenrepublik verlassen.

  • Unter dem Aspekt der moralischen Bewertung - und darum geht es hier ja - ist der Unterschied gravierend: Das Eine sind passiv erwirtschaftete Zinserträge, das Andere ist der selbst erarbeitete Lohn.
    Wer Letzteres nicht (vollständig) versteuert, dem genügt zur Selbstrechtfertigung bereits ein leicht gestörtes Verhältnis zu Staat und Gesellschaft. Wer jedoch nicht einmal seine Zinseinnahmen versteuert, der spuckt auf den Staat und die Gesellschaft.

  • Nicht nur Steuerverschwendung
    heißen die 'ANKLAGEN der Bürger' gegen diese Regierung/Politik/Parteien-Marionetten,
    sondern Zerstörung ganzer Systeme aus der Bonner Republik
    wie Gesundheit,
    oder auch „Energiewende“ (GRÜNEN/LINKE die Genozide)

    Das deutsche Gesundheitssystem, für das meine Großväter gekämpft hatten,
    von dieser OST-Merkels "Gesundheitsreform"
    und diesen FDP Rösler & FDP Bahr (Gesundheitsminister - in 8 Jahren – das Pflegesystem sogar in nur 4 Jahren [unhaltbare Verbrechen an der Menschlichkeit) völligst Ruiniert - VÖLLIG!

    Die Straftaten um das Arzt-/Apotheker-Geheimnis § 203 StGB--
    --http://dejure.org/gesetze/StGB/203.html
    Datenschutzverbrechen an Grundrechten komplettieren die Vernichtung des ehemaligen Deutschen/Bundesdeutschen Gesundheitssystems.

    [...]
    >>“
    So gingen Philipp Rösler und Daniel Bahr – beide später Gesundheitsminister – noch im Bundestagswahlkampf 2009 gegen die elektronische Gesundheitskarte auf die Barrikaden. Sie wollten das Projekt von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) stoppen.

    Kaum im Amt, haben sie die Karte eingeführt.
    An einem Freitag im Sommer 2010 machte der schwarz-gelb dominierte Bundestag den Weg für die Karte frei. Versteckt fanden sich die neuen Regeln in einem "Gesetz zur Änderung krankenversicherungsrechtlicher und anderer Vorschriften". Für wenig Aufmerksamkeit wurde gesorgt.
    Es war der 18. Juni, die Abgeordneten wollten schnell nach Hause. Um 13.30 Uhr spielte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika in Port Elizabeth gegen Serbien (0:1).

    [das ist Diktatur nach Stasi Art, eine Mafia und kein RECHT!
    2012 ESM zur Weltmeisterschaft/Olympia?
    das GLeiche - Ostzonen Stasi-Rechtstaat?? aber kein RECHT!]

    Der Datenschutz wurde verdrängt. Das bemängelt auch Dr. Dirk Heinrich, HNO-Arzt aus Hamburg-Horn und Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes (Verband der niedergelassenen Ärzte).
    [...]

    bei Hamburger Abendblatt.de
    Haben-die-Krankenkassen-auf-die-falsche-Karte-gesetz

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Na klar, genauso wie wir alle ein bisschen schwanger, doof, korrupt, schwul, lesbisch, kriminell, verlogen, ehrlich, klug, clever, stark, schwach, mutig, feige sind, aber vor allem sind wir alle, die einen mehr die anderen weniger, Dummschwätzer.
    Die Eliten verbiegen das System derartig damit sie sich nach Herzenslust bedienen können und wenn es zu toll getrieben wurde und der Dreck sichtbar wird, dann fragt man scheinheilig, „Sind wir nicht alle ein bisschen....?
    Boah, wie durchsichtig und Intelligenz beleidigend!

    Ich empfehle jedem Angeklagten in Zukunft seinen Richter mit solchen Worten im Schlusswort zu beeindrucken, das hilft garantiert die Strafe zu verschärfen!

  • Ich bin kein Anhänger der Schwarzarbeit. Aber es gibt in Ihrem Beispiel inzwischen gute Gründe für gewisse Schwarzarbeiten, die gar nicht auf Steuerbetrug abzielen. Ursache ist das inzwischen völlig aus dem Ruder gelaufen Haftungsrecht, ganz besonders im Bauwesen:

    Schwarzarbeit wird häufig zum einzigen Ausweg eine Sache mal unaufwendig herzustellen, oder bloß mal simpel und preiswert zu reparieren.

    Beispiel: Der Installateur haftet bei uns inzwischen, wenn er eine Wasserleitung bloß um einen Meter verlängert, plötzlich für das ganze Leistungssystem.

    Wenn die Leitungen oder das Haus alt sind, oder zuvor etwa von Heimwerkern nicht absolut fachmännisch gebaut wurden, kommt für ihn aus haftungsrechtlicher Sicht nur noch eine Totalerneuerung in Frage. Wenn Sie ihn aber „privat“ fragen, ob dieser Aufwand nun wirklich notwendig ist, wird er oft zugeben, dass es eigentlich ziemlich übertrieben ist. Da er jedoch an sein letztes teures Gerichtsverfahren denkt, in dem ihm ein Kunde zu umfangreichem Schadensersatz verklagt hatte, weil er die Sache nicht genau nach DIN XYZYX ausgeführt hat, einigt man sich in vielen Fällen darauf, die Sache außerhalb aller schriftlichen Vereinbarung für einen Geldschein auf die Hand zu machen. Mit diesem inoffiziellen Auftrag verzichtet der Auftraggeber auf seinen Garantieanspruch, und der Handwerker wird quasi aus seiner Haftung oder Garantiepflicht entlassen.

    Diese Vorgehensweise macht "gesunden Menschenverstand" angesichts einer inzwischen völlig übertriebenen Verrechtlichung und Regulierung von Allem und Jedem erst möglich.


Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%