
BerlinDie meisten Bachelor-Absolventen wollen ihre Ausbildung anschließend in einem weiterführenden Masterstudiengang fortsetzen. Gleichwohl haben sie laut einer neuen Studie auch beim direkten Einstieg ins Arbeitsleben gute Perspektiven. Nach einem Jahr im Beruf ist die Mehrzahl mit Vergütung, Aufgabenbereich und Karrieremöglichkeiten zufrieden.
„Der Bachelor wird immer mehr zur Selbstverständlichkeit“, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) anlässlich der Vorstellung der Studie am Dienstag. „Die jungen, gut ausgebildeten Absolventen sind für die Unternehmen attraktiv und bekommen vernünftige Perspektiven.“
Viele Bachelor-Absolventen äußern aber auch Kritik. Sie bemängeln den Befragungen zufolge, dass viele Hochschulen die Einführung der aufeinander aufbauenden Bachelor- und Masterabschlüsse nicht zu einer grundlegenden Modernisierung der Studieninhalte genutzt haben. Zudem beklagen Studierende und Unternehmen übereinstimmend fehlenden Praxisbezug und Stoffüberfrachtung in den Studiengängen. Schavan sagte, notwendig seien weitere Verbesserung - vor allem bei der Hochschullehre.
Nur elf Prozent der studierenden Sprach- und Kulturwissenschaftler an deutschen Universitäten beurteilen ihre Chancen am Arbeitsmarkt als „sehr gut“ oder „gut“. Ganze 56 Prozent hingegen schätzen sie als „schlecht“ bis „sehr schlecht“ ein.
Bei den Bachelorstudierenden der Fächer Mathematik/Informatik/Naturwissenschaften sind es immerhin 30 Prozent. Doch der Großteil (41 Prozent) sieht hier schwarz.
Mit höheren Erwartungen sehen die Universitätsstudenten der Wirtschaftswissenschaften ihre Zukunft kommen. 42 Prozent unter ihnen sehen „gute“ bis „sehr gute“ Möglichkeiten für ihre Fachrichtung. Ein Viertel der Befragten urteilt mit „schlecht“ bis „sehr schlecht“.
Am optimistischsten unter den Bachelorstudenten deutscher Universitäten sind die angehenden Ingenieure. Knapp die Hälfte (46 Prozent) sind zuversichtlich, während rund ein Viertel die Situation negativer beurteilt.
Nur Viertel der Universitäts-Absolventen suchen sich nach ihrem Bachelor-Abschluss direkt einen Job. Der Großteil hängt ein Master-Studium an, in der Hoffnung auf eine tiefergehende Ausbildung.
Insgesamt erwarten Studierende an Fachhochschulen sich größere Chancen am Arbeitsmarkt als ihre Kommilitonen an deutschen Universitäten.
Unter den Ingenieur-Studenten der Fachhochschulen beurteilen 57 Prozent der Befragten ihre Chancen als „(sehr) gut“.
Noch rosiger sehen angehende FH-Bachelors der Fächer Mathematik/Informatik/Naturwissenschaften ihre Zukunft. 65 Prozent sehen hier „(sehr) gute“ Chancen.
Wirtschaftswissenschaftler (51 Prozent) und Sprach-/Kulturwissenschaftler (43 Prozent) der Fachhochschulen sind etwas weniger optimistisch.
Studierende der traditionellen Studiengänge wie Diplom oder Magister sehen die Chancen für ihre Bachelor-Kommilitonen übrigens unterirdisch. Nur neun Prozent der Befragten glauben an „gute“ bis „sehr gute“ Jobmöglichkeiten für ihre Kollegen.
Ein Viertel der Universitäts-Absolventen und die Hälfte der Fachhochschul-Absolventen nimmt nach dem Bachelor direkt eine Berufstätigkeit auf. Die anderen wechseln ins Masterstudium. 90 Prozent tun dies laut Umfrage im Wunschfach und auch am Wunschort.
In zwei Dritteln der Unternehmen erhalten demnach Bachelor-Absolventen das gleiche Einstiegsgehalt wie Absolventen alter Abschlüsse etwa mit Diplom. Das höchste Einstiegsgehalt erzielten Bachelor-Ingenieure der Fachhochschulen mit knapp 38.000 Euro, das geringste Universitäts-Absolventen der Sprach- und Kulturwissenschaften mit knapp 25.000 Euro.
In Deutschland sind laut Hochschul-Informations-System über 80 Prozent der Studiengänge auf die neuen Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt. Rund drei Viertel der Studienanfänger schrieben sich in einen Bachelor-Studiengang ein. Die Umstellung ist Ergebnis des sogenannten Bologna-Prozesses, der auch zu europaweit einheitlichen Hochschulabschlüssen führen soll.
Die Studie wurde vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft Köln und dem HIS-Institut für Hochschulforschung erstellt und vom Bildungsministerium gefördert. Dafür wurden 10.000 Studenten und Absolventen sowie 1.500 Unternehmen befragt.
Nach den Worten von Stifterverbands-Präsident Arend Oetker lässt die Studie „den vorsichtigen Schluss zu, dass der Bachelor am Arbeitsmarkt angekommen ist“. Die Einführung der internationalen Abschlüsse wurde 1999 auf einer Hochschulkonferenz in Bologna beschlossen. Schavan hat für diesen Freitag deutsche Hochschulen und Studentenvertreter zu einer zweiten „Nationalen Bologna-Konferenz“ eingeladen.