Studiengebühren: Totgesagte leben länger

Studiengebühren
Totgesagte leben länger

Wer in Niedersachsen und Bayern studiert, muss noch immer tief in die Tasche greifen. Aber nun stehen auch dort die ungeliebten Studiengebühren vor dem Aus. Die Studenten sollten sich allerdings nicht zu früh freuen.
  • 10

DüsseldorfFür sie die Sache ganz klar: Bildung darf nicht abhängig davon sein, wie groß der Geldbeutel der Eltern ist. Auch nicht davon, was Akademiker nach dem Studium mal verdienen werden. Für die 23-jährige Julia Amthor vom Asta der Uni Hannover in Niedersachsen fängt Bildungsgerechtigkeit bei kostenlosen Kita-Plätzen an, aber vor allem bedeutet das: ein gebührenfreies Studium. Und das soll das Land finanzieren.

Die Chancen für die Forderung der Studentin stehen gar nicht schlecht. Denn auch die letzten beiden Studiengebühren-Bastionen wackeln: In Niedersachsen wird es die Wahl am 20. Januar entscheiden. Unter einem SPD-Ministerpräsidenten Stephan Weil sollen die Gebühren abgeschafft werden, heißt es im Wahlprogramm. Im Moment deutet alles darauf hin, dass dies wohl so eintreten wird. Doch ob das auch gut ist?

Für Erich Barke sind die Studiengebühren jedenfalls ein guter Grund, der Wahl mit bangen Gefühlen entgegen zu sehen. Was werden wird, wenn eine neue Regierung die Studiengebühren abschafft, weiß der Präsident der rund 23.000 Studierenden der Universität Hannover nicht.

Denn auch wenn SPD und Grüne ankündigt haben, dass es für die wegfallenden Studiengebühren einen Ausgleich geben wird: „das Geld für unsere Uni und alle weiteren Unis in Niedersachsen muss auch erst einmal irgendwoher kommen.“

In Niedersachsen kamen bisher insgesamt seit Einführung 488 Millionen Euro an Studienbeträgen zusammen. 2011 waren es rund 106 Millionen an 21 Hochschulen, 15 Millionen Euro standen der Uni Hannover zur Verfügung. Geld, das direkt in die Qualität der Lehre fließe, vor allem mehr Personal werde damit bezahlt, sagt Barke. In dem Maße wird das nicht mehr möglich, wenn die Studienbeiträge erst einmal abgeschafft sind.

Schlimmer noch: „Wenn die Ausgleichszahlungen für die Studiengebühren an den Haushalt gekoppelt wären, besteht die Gefahr, dass sie bei der nächsten Planung verschwinden“, vermutet der Rektor. Und deshalb prognostiziert er: „Spätestens 2020 wird das Thema Studiengebühren bundesweit wieder aufschlagen.“ Bei klammen Haushalten und Schuldenbremse bliebe gar nicht viel anderes übrig.

Kommentare zu " Studiengebühren: Totgesagte leben länger"

Alle Kommentare
  • Studiengebühren erhöhen angeblich die Qualität von Forschung und Lehre. Das halte ich für ein Witz. Ein paar neue Bücher werden angeschafft und die Bib-Öffnungszeit verlängert aber Professoren oder Dozenten werden nicht angestellt. Und wenn doch, dann nur in befristete Arbeitsverhältnisse. Die Motivation sich für die Wissenschaft und gegen die freie Wirtschaft zu entscheiden schwindet da. Außerdem gab es die Möglichkeit die Gebühren "nachgelagert" mit Hilfe der KfW zu finanzieren. Wenn sich die Universitäten jetzt beschweren das Studiengebühren "vorerst" gescheitet sind, sollte sie sich selbst erstmal an die Nase fassen.
    Nicht das Geld "bunkern" für schlechtere Zeiten. Nicht nur ein paar Tutoren anstellen sondern deutlich in Lehre und Betreuung investieren. Auf die Möglichkeiten einer Finanzierung hinweisen. Bei der Politik und Drittmittelgebern weiterhin für eine ausreichende Finanzierung kämpfen (Kann ja nicht sein das mit Studiengebühren das Dach renoviert wird, damit ich während der Vorlesung nicht nass werde) und last-but-not-least eine stärkere Beteilung der Studenten bei der Mittelverwertung.

  • Studiengebühren sind a) volkswirtschaftlicher Unsinn: Seit Jahren leiden wir unter Fachkräfte- und Akademikermangel. Da sollten wir aufhören, Hürden vor den Hochschulen zu errichten. Sie sind b) sozial ungerecht, auch wenn Prof. Winter die vielbemühte Krankenschwester zitiert, die angeblich dem Chefarztsohn den Studienplatz finanziert: Mit Studiengebühren kann nämlich die Tochter der Krankenschwester das Studium gleich vergessen, während der Chefarztsohn garantiert trotzdem studieren kann.
    Übrigens: Auch nachgelagerte Gebühren schrecken vor der Aufnahme eines Studiums ab. Es wäre stattdessen an der Zeit daran zu arbeiten, das Studium attraktiver zu machen. Da hilft etwa der Blick über den Tellerrand: In Schweden bekommt jeder Student erhält dort 750 EUR, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Die Folge: Schweden studieren zielstrebiger, müssen nicht arbeiten, sind motivierter - und es studieren sehr viele Schweden!

  • redjul
    keine schlechte Idee
    Ich gehe noch einen anderen Schrit.
    Wie wäre es mit nachgelagerten studiengebührn?
    Wer nach dem Studium eine gute Arbeit aht udn ja mehr verdient, als ein Nichtstudierter, zahlt 4 0der 5 Jahre 100 € monatlich an Studiengebühren.
    Junge Leute müssen mal wieder lernen, dass Geld nicht vom Himmel fällt und auch so eine Bildung ihren Preis hat.
    Unsere Jugend ist zu verweichlicht und verwöhnt
    Wer schön als Student fröhlich ständig in alle Welt in den Semestgerferien, braucht sich über Sudiengebühen nicht aufregen

  • Es sollte jedem Studierenden klar sein, dass andere für sein Studium molochen müssen. Um eine klare Regelung zu bekommen, Erststudium frei, danach kostet es richtig Geld wie in UK oder USA. Studienabbrecher sollten auch zur Kasse gebeten werden. Ausländische Studierende sollten von Anfang an Gebühren bezahlen müssen.

  • Egal wie. Bildung kostet Geld. Man kann dieses Geld nun effizient einsetzen und somit die Kosten-/Nutzen-Relation verbessern. Oder man kann Bildung gänzlich staatlich organisieren und lenken. Dann kommt eben eine Art Beliner Bildungsflughafen raus. Außerdem werden Bildungsinhalte durch den Staat so vorgegeben. D.h. der Lernende bekommt nur das zu gesicht was er soll, vorerst zumindest, und wird gelenkt. Auf einem freien Bildungsmarkt würde es mehr Vielfalt und eine besser Wertschöpfung geben.

  • Bildung ist für die Volkswirtschaft im Ergebnis sicherlich kein Kostenfaktor - sondern eröffnet die Möglichkeit hierzulande Wertschöpfung zu betreiben.

    Je mehr und je besser die Bildung, desto mehr Weltmarkttauglichkeit, Wohlstandssicherung und Zukunft hat das Land.

    ... je mehr Menschen über den "Kostenfaktor Bildung" ausgegrenzt werden, desto schlechter entwickelt sich langfristig das Land.


    "Bildungsnotstand", "Fachkräftemangel" sind ja nicht nur ökonomische, sondern eben auch gesellschaftliche Defizite.

    ... wenn man die Menschen nicht lässt, können sie natürlich auch nicht.
    ... ausser: am Ende alles kaputt schlagen. Das geht immer.


  • Ich hätte gerne Alternativen mit Ihnen diskutiert. Allerdings disqualifizieren Sie sich durch Beleidigungen für jegliche Diskussion.

  • Wenn Sie Bildung als "Spass" verstehen sind Sie wohl ein ausgebildeter Clown! Bildung ist notwendig wenn eine Gesellschaft überleben will! Und natürlich gibt es nichts umsonst! Aber es ist ja genug Geld da, nur halt falsch verteilt, dank solcher Hirnsprossen wie Sie!

  • Das Problem fängt damit an, dass es tatsächlich Leute gibt, und das mit Abitur, die glauben Bildung oder Kita-Plätze können kostenlos sein.

    So etwas gibt es aber nicht. Letzlich sieht jeder auf seiner Lohnabrechnung, was der ganze Spass kostet (leider nicht aufgeschlüsselt).

  • Warum wird alles so kompliziert gemacht? Regelstudienzeit + 1 Semester fuer die Abschlussarbeit sind frei und danach kostet es Geld. Gestaffelte Sätze nach dem Motto "Je länger sich einer vor dem Eintritt ins Erwerbsleben drücken möchte, desto mehr soll es ihm kosten". Einheitliche Regelung in Deutschland und Ruhe ist.

Serviceangebote