„Studio Friedman“ AfD erringt nach Eklat juristischen Sieg gegen N24

Der Versuch des N24-Moderators Michel Friedman, die AfD mit ihren eigenen Aussagen zu entzaubern, ist von einem Gericht kassiert worden. Die Anti-Euro-Partei feiert den Sieg. Der Sender will das jedoch nicht hinnehmen.
Update: 01.04.2014 - 13:08 Uhr 33 Kommentare
Michel Friedman diskutiert mit dem Grünen-Politiker Sarrazin und AfD-Chef Lucke (v. l.), dann kommt es zum Eklat und Lucke verlässt das Studio. Quelle: PR

Michel Friedman diskutiert mit dem Grünen-Politiker Sarrazin und AfD-Chef Lucke (v. l.), dann kommt es zum Eklat und Lucke verlässt das Studio.

(Foto: PR)

BerlinDie Alternative für Deutschland (AfD) hat gegen den Sender N24 und seinen Moderator Michel Friedman einen juristischen Sieg errungen. Konkret geht es um den N24-Talk „Studio Friedman“, in dem jede Woche ein Thema von zwei Gästen diskutiert wird.

In der Ausgabe vom 27. Februar waren der Grünen-Politiker Manuel Sarrazin und AfD-Chef Bernd Lucke zu Gast. Es ging um EU-Einwanderung und um die Frage, wie Luckes Partei dazu steht. Friedman nahm Lucke mit zugespitzten Fragen in die Zange. Der sah sich im Verlauf der Sendung schließlich so unfair in die Enge gedrängt, so dass er kurzerhand das Studio verließ.

Die AfD ließ den Eklat nicht auf sich beruhen und klagte dagegen, dass Friedman mit aus ihrer Sicht unlauteren Mitteln versuchte, die AfD mit ihren eigenen Aussagen zu entzaubern. „Die Frage, um die es geht“, sprach Friedman damals Lucke direkt an und leitete damit den dann folgenden Eklat ein: „Die AfD sieht sich immer als Opfer und sagt: Wir tun das, was andere Parteien nicht mehr tun. Wir sprechen doch nur die Ängste der Bevölkerung aus. Ihre Europawahl-Kandidatin Beatrix von Storch sagt: ,Multikulti hat die Aufgabe die Völker zu homogenisieren und damit religiös und kulturell auszulöschen.' Wenn das nicht Rassismus ist, was ist dann Rassismus?“

Nach etwa elf Minuten fragte Friedman dann noch einmal konkret bei Lucke nach: „Stehen Sie hinter der Aussage Ihrer Kandidatin?“ Da aber Lucke offenbar keine präzise Antwort geben wollte, hakte Friedman mehrfach nach, bekam jedoch eben keine konkrete Aussage von seinem Gast. Lucke verließ das Studio. Später stellte sich heraus, dass das besagte Zitat gar nicht von der AfD-Politikerin von Storch stammt, sondern von einem Blogger.

Das Landgericht Berlin folgte der Argumentation der AfD, wie die Partei mitteilte. N24 wurde demnach wegen eines von Friedman verwendeten falschen Zitates zur Gegendarstellung verurteilt. Von Storch zeigte sich zufrieden. „Das Urteil zeigt einmal mehr, dass sich Friedman bei seiner Gesprächsführung in jeder Hinsicht unzulässiger Methoden bedient.“

Mit der Gegendarstellung ist der Streit aber wohl noch nicht zu Ende. „Die Gegendarstellung ist nicht rechtswirksam zugestellt. Wenn wir eine solche bekommen, werden wir sie prüfen“, sagte N24-Sprecherin Kristina Faßler dem Medienmagazin DWDL.de. Auf die von Storch geäußerte Kritik wollte Faßler nicht eingehen. „Das muss man schon wegen den enthaltenen Unsachlichkeiten nicht kommentieren“, sagte sie.

Luckes Gesprächspartner, der Grünen-Politiker Sarrazin, hatte nach der Aufzeichnung der Sendung erklärt, die Reaktion des AfD-Chef habe ihn „absolut überrascht“, und er finde, dass er „unangemessen reagiert“ habe. „Wer bei Friedman zusagt, muss sich kritische Fragen gefallen lassen“, sagte Sarrazin Handelsblatt Online.

Andererseits muss der Sender damit leben, im Fall der Fälle falsche Behauptungen richtigzustellen. „Ich habe den Sender N24 zur Erklärung aufgefordert, ob Rechtsmittel eingelegt werden bzw. wann die Gegendarstellung im "Studio Friedman" verlesen wird", heißt es dazu in einem Handelsblatt Online vorliegenden Schreiben des AfD-Anwalts an die AfD-Bundesgeschäftsstelle.

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33 Kommentare zu "„Studio Friedman“: AfD erringt nach Eklat juristischen Sieg gegen N24"

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  • N24 versucht sich dem Urteil mit Winkelzügen zu entziehen. Naja, wenig überraschend, wissen wir doch alle, wie es mit Moral und Ethik im Medienwesen bestellt ist.

    Schlimmere Zustände herrschen wohl nur im organisierten Verbrechen ... obwohl ...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Eine fiese Nummer von diesem Unsympath, zu versuchen, die AfD zu diskreditieren! Ist das noch Demokratie?

    Jedenfalls hat er selbst Ärger an der Backe: Bei einer seiner beiden Doktorarbeiten soll es Unregelmäßigkeiten gegeben haben...

  • Die Frage des Friedmann,mehrfach wiederholt,war eine Fangfrage.Solche Fragen arbeiten mit Unterstellungen und draengen auf ein simples JA oder NEIN. Wie immer auch man
    anwortet,man steht da -so intellektuell wie moralisch
    geschaendet.
    Das Friedmann ,man muss es anerkennen,ist ein Meister diese perfiden Kunst.


  • Gutmenschensucks schreibt:un, an der Journalistenschule lernt man nicht nur Fragetechniken, sondern auch, dass das Aufstellen unwahrer Behauptungen, verpackt in einer Frage, den Interviewpartner massiv unter Druck setzen kann.
    Diese unwahren Behauptungen, so wie in diesem Fall, sind außergewöhnlich wirksam,weil sie im Moment der Darstellung nicht widerlegbar sind. Die Methode besteht darin, eine Behauptung aufzustellen, von der man weiß dass sie gegenwärtig und ohne besonderen Nachweis nicht zu widerlegen ist. Erfolgt das Aufstellen der unwahren Behauptung mit der entsprechenden Überzeugungskraft, so sehen viele unkritische Zuschauer das fast schon als einen "Beweis" an. Der Unterschied ist einfach: Eine Behauptung ist subjektiv, ein Beweis objektiv. In den meisten Fällen ist ein Beweis der Behauptung nicht ohne weiteres möglich. Entscheidend ist -wer- beweispflichtig ist-oder werden wird. Dass es viel schwieriger ist, etwas zu beweisen als eine Behauptung aufzustellen, ist nicht nur eine Binsenweisheit, sondern auch in Rechtsstreitigkeiten eine scharfe Waffe. Darum ist auch oft die "Umkehr der Beweislast das Ziel von Anwälten".
    Lucke hat absolut richtig reagiert nicht nur das Studio zu verlassen, sondern mit der Klage auch Beweis erbracht um Herrn Friedman zu entlarven./////////// Diesen Kommentar kann man unterschreiben! Friedman ist intelligent--schamlos populistisch und steht für Rassenvermischung !? Ist Masseneinwanderung
    für das kleine Europa erwünscht? Nicht nur an Stammtischen sind Bürger Europas mit den Ghettos nicht integrierbarer Flüchtlinge in ihren Städten einverstanden!Wenn Zuwanderung dann nur nach kanadischem Recht.Wir sind ein Schuldenstaat .Städte + Infrastruktur verkommen. Milliardenbeträge werden benötigt um Deutschland zu einem modernen Staat zu machen.Insofern sind alle die entgegen dem Tugendterror ihre Stimme erheben zu loben! Politische Entscheidungen dürfen nicht nach Wunschvostellungen sondern nach Fakten getroffen werden!

  • Nun, an der Journalistenschule lernt man nicht nur Fragetechniken, sondern auch, dass das Aufstellen unwahrer Behauptungen, verpackt in einer Frage, den Interviewpartner massiv unter Druck setzen kann.
    Diese unwahren Behauptungen, so wie in diesem Fall, sind außergewöhnlich wirksam,weil sie im Moment der Darstellung nicht widerlegbar sind. Die Methode besteht darin, eine Behauptung aufzustellen, von der man weiß dass sie gegenwärtig und ohne besonderen Nachweis nicht zu widerlegen ist. Erfolgt das Aufstellen der unwahren Behauptung mit der entsprechenden Überzeugungskraft, so sehen viele unkritische Zuschauer das fast schon als einen "Beweis" an. Der Unterschied ist einfach: Eine Behauptung ist subjektiv, ein Beweis objektiv. In den meisten Fällen ist ein Beweis der Behauptung nicht ohne weiteres möglich. Entscheidend ist -wer- beweispflichtig ist-oder werden wird. Dass es viel schwieriger ist, etwas zu beweisen als eine Behauptung aufzustellen, ist nicht nur eine Binsenweisheit, sondern auch in Rechtsstreitigkeiten eine scharfe Waffe. Darum ist auch oft die "Umkehr der Beweislast das Ziel von Anwälten".
    Lucke hat absolut richtig reagiert nicht nur das Studio zu verlassen, sondern mit der Klage auch Beweis erbracht um Herrn Friedman zu entlarven.

  • Diese Sendung war drauf aus Lucke entweder bloss zu stellen oder ihn so weit zu bringen das er das Studio verlässt.
    Wer sich die Sendung angeschaut hat kann nur noch den Kopf über Friedman schüttlen.
    Und @Handelsballt "Die AfD sieht sich ständig als Opfer"... /callvote brain "F1"
    Ihr wisst ganz genau das die AfD wo es nur geht zerissen wird.

  • Michel
    es ist doch wohl eher so, dass sich Herr Friedman auf Kosten anderer profiliert. Ich fand die Entscheidung von Herrn Lucke ganz i.O., kann nur nicht verstehen, warum er übrhaupt in diese niveaulose Sendung geht.

  • "Warum hat Herr Lucke nicht gewusst, dass das Zitat falsch war?"

    Weil er (1) davon ausging, von Friedmann korrekte Informationen zu erhalten und weil man (2) von keinem Mensch erwarten kann, exakt zu wissen was jemand anderes nicht gesagt hat?

    Herr Lucke hätte natürlich zu dem Zitat Stellung beziehen können, aber wo wäre er dann gelandet? Er hätte sich wahrscheinlich dazu gedrängt gefühlt, das Zitat zu rechtfertigen, um seiner Parteikollegin von der es angeblich stammte, nicht in den Rücken zu fallen. Dann hätte er eine Position eingenommen, die er gar nicht wollte, und Herr Friedmann hätte sich gefreut, dass seine Falle funktioniert.

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