Sturmgewehr in der Kritik SPD-Politiker attackiert de Maizière wegen G36

Ist das Bundeswehr-Standardgewehr G36 zuverlässig oder nicht? Dieser Frage will Ursula von der Leyen nun nachgehen. SPD-Politiker Arnold attackiert Ex-Verteidigungsminister de Maizière, er habe die Lage beschönigt.
Update: 01.04.2015 - 11:09 Uhr 15 Kommentare
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gab bekannt, dass bei einer Untersuchung mangelnde Treffsicherheit des G36 in erhitztem Zustand festgestellt worden sei. Quelle: dpa
Sturmgewehr G36

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gab bekannt, dass bei einer Untersuchung mangelnde Treffsicherheit des G36 in erhitztem Zustand festgestellt worden sei.

(Foto: dpa)

BerlinSPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold hat dem früheren Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) ein miserables Zeugnis ausgestellt. De Maizière habe in seiner Amtszeit Dinge beschönigt und beschwichtigt statt der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion am Mittwoch im Deutschlandfunk.

„Dies war jahrelang Kultur im Ministerium und das prägt so einen Riesenapparat.“ De Maizière war von 2011 bis Ende 2013 Verteidigungsminister, heute führt er das Bundesinnenministerium. Nach monatelanger Untersuchung hatte die Bundeswehr kürzlich massive Probleme bei der Treffsicherheit ihres Standardgewehrs G36 eingeräumt.

De Maizière habe jahrelang Berichte über die Mängel bei der Bundeswehr abgewiegelt: „Er hat teilweise Menschen, die aufgeklärt haben, gedeckelt“, sagte Arnold. „Ich glaube, die Kanzlerin hat schon gewusst, warum sie ihn nicht im Verteidigungsressort gelassen hat.“ Erst mit dem Amtsantritt von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen seien entsprechende Berichte nicht mehr einfach abgezeichnet worden.

Als Konsequenz aus den technischen Problemen beim Sturmgewehr G36 will von der Leyen nun zurückliegende Gefechtseinsätze mit der Waffe untersuchen lassen. „Ich werde eine Kommission damit beauftragen, mit dem neuen Wissen die Berichte über frühere Einsätze mit dieser Waffe noch einmal genau zu untersuchen. Wir werden dabei auch ehemalige Kommandeure befragen, ob ihnen aus heutiger Perspektive etwas berichtenswert erscheint“, sagte von der Leyen der „Bild“-Zeitung (Mittwoch).

Ihr sei das Vertrauen der Soldaten wichtig, dass mit Hinweisen sorgsam umgegangen werde. Auf die Frage nach möglichen Schadenersatzforderungen an den Hersteller Heckler & Koch sagte die Ministerin: „Das lässt sich jetzt nicht sagen. Zunächst müssen wir den Abschlussbericht auswerten.“

Der Waffenhersteller Heckler & Koch weist die Vorwürfe mangelnder Treffsicherheit zurück und schließt Schadenersatzzahlungen aus. Die Güteprüfstelle der Bundeswehr habe jedes einzelne der 178.000 an die Truppe gelieferten Gewehre abgenommen, teilte die Firma im baden-württembergischen Oberndorf am Dienstag mit. „Insofern sind jegliche Erwägungen bezüglich einer Mängelgewährleistung sachlich und juristisch verfehlt.“

„Wir sind erschüttert über die in den vergangenen Tagen vom Bundesministerium der Verteidigung getätigten Aussagen zum Gewehr G36“, erklärte Heckler & Koch. „Insbesondere bedauern wir außerordentlich, dass das Ministerium vor der letzten öffentlichen Stellungnahme mit weitreichenden Folgen für unsere technische Reputation nicht im Vorfeld das Gespräch mit Heckler & Koch gesucht hat.“ Alle Sturmgewehre erfüllten die mit der Bundeswehr vereinbarten Leistungsmerkmale.

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15 Kommentare zu "Sturmgewehr in der Kritik: SPD-Politiker attackiert de Maizière wegen G36"

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  • Abgesehen von allem, scheint de Maizière aber auch eine absolute Fehlbesetzung gewesen zu sein, wie die beiden CDU/CSU'ler davor auch.

  • Kann es sein, dass unsere Ministerin sich ihre Überlebensstrategie im Verteidigunsministerium folgendermassen zurecht gelegt hat:

    1. Sie tritt als große Aufarbeiterin auf und benennt sofort einen Schuldigen
    2. Sie achtet darauf, dass nichts Neues gemacht wir, womit sie später konfrontiert wird (darum werden die neuen Vorhaben europ. mit den Franzosen gemacht (Satelliten, Drohnen, und???)
    3. Wenn es dann auch nicht klappt, sind wieder die anderen schuld, aber VDL ist fein raus. Inzwischen hat man die eigene Position und Industrie ruiniert, aber nachdem der Wirtschaftszweig klein ist, kann sie trotzdem Kanzlerin werden...

    Liebe Presse, fühlt der Frau auf den Zahn was sie selbst macht und ob sie sich an ihre eigenen neuen Verfahren hält!!!

  • Das Gewehr war OK für den Zweck, dass man ein gutes Gefühl hatte, mal einen Schuss abgeben zu können, falls der Russe kommt. Für diesen Zweck durchaus geeignet. Die Aufregung von Frau von der Leyen verstehe ich nicht. Für die Teilzeitarmee von der Leyen ist doch das Gewehr nach wie vor geeignet. Nach ein paar Schüssen geht man erst mal zum Kinder wickeln. Und danach ist das Geweher auch wieder abgekühlt und schussbereit.

  • Das ist, als wenn sich jemand beschwert, dass der Motor des VW-TDI-Diesel stottert nur weil man mit billigem Fritten-Öl fahren will um Geld zu sparen. Die von H&K empfohlene Munition sollte man schon verwenden bevor man losmeckert "als Ministerin" ... Habe auch davon gehört. Billiger Einkauf der Bundeswehr + Flimmerproblem über dem heissen Lauf stört die Ziel-Optik. Das der Test ohne Beisein von H&K erfolgte und man sich dann über die Qualität von H&K beschwert ist mehr als hinterhältig !!

  • Die Mängel sind schon seit über 10 Jahre bekannt und die Mängel haben nur zur Hälfte mit dem Gewehr zu tun...die andere Hälfte betrifft die Spezialmunition.

  • Frau vdL will, dass die Waffe auch familienfreundlicher entwickelt wird. Mit einem angebautem Schminkspiegel wird auch das Sturmgewehr für Frauen attraktiver.

  • Darf man ein Sturmgewehr erst ab Windstärke 12 verwenden?

  • Warum betreiben deutsche Politiker eig. nur noch aktiv Politik GEGEN Deutschland? das ist doch Eidbruch oder?

  • Vielleicht sollte man die Zieloptik mittels 2 Prismen nach unterhalb des Laufes leiten um unterhalb des heissen Laufen nach vornen zu zielen und die "flimmerde flirrende Luft" darüber zu vermeiden ?? Gute Idee ??

  • Die Politik ist die "Abriss-Birne Deutschland". Selbstschädigung wo man hinschaut. ALles wird zum Nachteil Deutschland entschieden.

    TTIP gebietet natürlich auch den Einsatz einheitlicher M1-Gewehre als Absatzmarkt der USA. Darum wird Bashing gegen H&K betrieben - von der eigenen Politikerin. Deutsche Produkte sollen weg. Weg mit dem Export-Weltmeister ! Damit andere auch "eine Chance haben" ...

    Wenn man die flirrende heisse Luft über einem heissen Lauf beachtet - dann ist klar, dass man nicht mehr genau zielen kann. Alles verschwimmt vor der Optik. Das ist ein bekanntes Problem - gerade wenn der EInsatz auch noch in der Wüste ist wo es rundeherum sowieso "flirrend" ist und man nicht scharf sehen kann in der Entfernung.

    Dass Frau VdL so hinterhöltig gegen den deutschen Exporteur H&K vorgeht spricht Bände. Unterstützung für die heimische WIrtschaft ist das jedenfalls nicht ! Im Gegenteil. SCHÄMEN !!

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