Sturmwaffe in der Kritik
Beschaffungsstopp für „Pannengewehr“ G36

Das Ministerium verhängt einen Beschaffungsstopp für das Sturmgewehr G36 aus der Waffenschmiede Heckler&Koch. Der Verdacht: Es ist nicht richtig treffsicher. Fieberhaft wird nun nach der Ursache geforscht.
  • 1

BerlinDas Bundesverteidigungsministerium hat nach Informationen der Zeitung „Bild am Sonntag“ einen Beschaffungsstopp für das Sturmgewehr G36 verhängt und lässt das Standardgewehr der Bundeswehr neu untersuchen. Auslöser sei ein Bericht des Bundesrechnungshofs, in dem die Treffsicherheit des G36 angezweifelt wird.

In Absprache mit dem Bundesrechnungshof prüfe die Bundeswehr mit Forschern des Ernst-Mach-Instituts, dem Bundeskriminalamt und Munitionsherstellern die Ursachen der mangelnden Zielgenauigkeit des Gewehrs, berichtet das Blatt.

Bis zum Abschluss der Tests bestelle die Truppe keine G36 mehr. Der Bundesrechnungshof wird mit den Worten zitiert: „Es gilt zu vermeiden, dass das Verteidigungsministerium bis zu 34 Millionen Euro in ein Gewehr investiert, das möglicherweise den Anforderungen der Truppe nicht genügt.“

Das ARD-Politmagazin „Report Mainz“ hatte am Samstagabend berichtet, dass bei Schießversuchen am 27. März 2014 zwei getestete Sturmgewehre nach veränderten klimatischen Bedingungen ihren mittleren Treffpunkt in Seite und Höhe so sehr veränderten, dass sie nachjustiert werden mussten. Danach trafen die beiden Gewehre zunächst wieder zuverlässig. Als Bundeswehrsoldaten die Waffen in einem weiteren Test durch Schießen erwärmten, zeigten die Gewehre „erneut eine Verlagerung des mittleren Treffpunktes und eine Streukreisaufweitung“, so das Verteidigungsministerium. Die verwendete DAG-Munition beanstandete das Ministerium nicht. Der Sachverhalt werde derzeit „fachtechnisch“ untersucht, heißt es in einer Mittelung von „Report Mainz“.

Der Bundesrechnungshof teilte den Sendungsmachern mit, er untersuche das G36 bereits seit Mitte 2013. Eine Prüfungsmitteilung habe der Bundesrechnungshof dem BMVg nach Ostern 2014 zukommen lassen. Über Inhalt und Umfang der Mitteilung wollte das Ministerium bislang keine Auskunft geben.

Auf Anfrage von „Report Mainz“ teilt der Hersteller des G36, die Firma Heckler & Koch, mit, dass er „leider nicht in der Lage ist, zu angeblichen internen Vorgängen oder Bewertungen der Bundeswehr Stellung zu nehmen“. Heckler & Koch lege Wert auf die Feststellung, „dass der Bundesrechnungshof unser Haus zu keinem Zeitpunkt zu Aktivitäten, welche unsere Produkte betreffen, jemals eingebunden oder kontaktiert hat“.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Sturmwaffe in der Kritik: Beschaffungsstopp für „Pannengewehr“ G36"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das G36 gehört vor Gebrauch in den Kühlschrank - das hat Frau von der Leyen weitsichtig erkannt. Aber wenn man eine kostengünstige UND effektive Lösung sucht, wird man am ende die Kalaschnikow in Erwägung ziehen müssen...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%