Stuttgart 21: Bundestag lässt Bahn-Aufsichtsrat antanzen

Stuttgart 21
Bundestag lässt Bahn-Aufsichtsrat antanzen

Als Aufsichtsrat sei er grundsätzlich nicht zur Auskunft verpflichtet, hatte der Chefkontrolleur der Bahn AG dem Bundestag kühl mitteilen lassen. Dabei hatte der Manager aber offenbar vergessen, wem die Bahn gehört.
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BerlinDer Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn AG, Utz-Hellmuth Felcht, gerät politisch unter Druck. In einem Brief an Felcht fordert ihn der Verkehrsausschussvorsitzende Anton Hofreiter (Grüne) auf, am 27. Februar an der Ausschusssitzung teilzunehmen, um über das Projekt „Stuttgart 21“ zu berichten. „Der Ausschuss erwartet, dass Sie an dieser Sitzung teilnehmen“, heißt es in dem Brief vom 1. Februar, der dem Handelsblatt vorliegt. Auch könne er dann Stellung zu Berichten über seine „Amtsführung“ nehmen.

Die Aufforderung haben überraschenderweise alle Fraktionen unterstützt. Sie halten es für „nicht akzeptabel“, dass Felcht bislang jede Einladung ausgeschlagen hat.

Als Aufsichtsrat sei er „grundsätzlich nicht auskunftspflichtig“, hatte Felcht schriftlich auf die letzte Einladung im Januar erwidert. Das Schreiben sendete er nicht direkt an den Verkehrsausschuss, sondern ließ es über Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ans Parlament weiterleiten.

„Ich glaube, Herr Felcht versteht nicht, um was für ein Unternehmen es sich bei der Bahn AG handelt“, sagte Hofreiter dem Handelsblatt. Schließlich gehe es um Milliarden Euro von Steuergeldern. „Alleinige Anteilseigner der Deutschen Bahn AG  ist die Bundesrepublik Deutschland und diese wird nun einmal – unabhängig von allen formalen Regelungen der Beteiligungsverwaltung – zuallererst durch den Deutschen Bundestag als frei gewählte Volksvertretung repräsentiert“, klärt Hofreiter Felcht auf.

Daher könnten sich Aufsichtsräte der Bahn „nicht auf den Standpunkt zurückziehen, sie müssten sich nur gegenüber denjenigen rechtfertigen, die für die Anteilseignerin in der Hauptversammlung auftreten“. Zudem berge das Projekt „Stuttgart 21“ die Gefahr, dass die Mehrkosten „die wirtschaftliche Substanz der Deutschen Bahn AG erheblich beeinträchtigen“. Daher sei es wichtig, nach der Strategie des Aufsichtsrates „zu fragen“. Felcht hat den Brief noch nicht beantwortet – die letzte Einladung hatte er umgehend tags darauf abgelehnt.

Erste Kritik an Felcht war im Dezember aufgekommen. Damals hatten sich die Aufsichtsräte des Bundes schriftlich bei ihm über die Informationspolitik im Aufsichtsrat zu „Stuttgart 21“ beschwert. Heute informiert der Bahnvorstand in einem Sondersitzung die Arbeitgeberseite des Aufsichtsrates über die Kostenentwicklung und Perspektiven von „Stuttgart 21“. Vergangene Woche waren die Arbeitnehmer informiert worden.

Kommentare zu "Bundestag lässt Bahn-Aufsichtsrat antanzen"

Alle Kommentare
  • Demokratieverständnis der anderen Art, wenn es paßt, auch auf bisher stimmigen Zahlen sich berufen, bedeutet die Korruption in diesem Falle nicht ertasten zu wollen. Wenn Blinde schon nicht sehen können oder manche Sehende auch nicht wollen, dann muß man sie an der Hand nehmen und für den Schaden fühlen lassen.

    Noch Fragen?

  • @K21 Richtig, in der Schlichtung waren sich Grube und Keefer sicher, dass ihre Kalkulation absolut richtig ist.
    Es ist schon ein verlogener Haufen, auch die Tricks mit der schweizer Firma, die den Fahrplan machte, und den geplanten 8 gleisigen Durchgangsbahnhof mit Doppelbelegung jeder Seite des Bahnsteigs als leistungsfähiger als den 16 gleisigen Kopfbahnhof darzustellen versuchte. Frau Merkel wäre gut beraten
    diesen verlogenen Machenschaften der Bahn ein Ende zu setzen und den Neubau definitiv einzustellen. Oder reicht ihr noch immer nicht was Mappus und Konsorten hier angerichtet haben?

  • Wieder einmal hatte Kurt Tucholski recht:
    Wenn einer von einem Amt oder einem Beamten das Wort »verantwortlich« gebraucht, frage man sogleich: »Wem –?«

    Wem glaubt eigentlich dieser Herr Felcht verantwortlich zu sein???
    Inwieweit wird eigentlich Herr Ramsauer seiner Verantwortung gerecht?
    Wer ist dafür verantwortlich, dass den Bahn-Vorständen, die wohl über Jahre hinweg die Parlamente und uns alle schamlos angelogen haben kurz vor Bekanntgabe der neuen Kostenschätzungen für S21 noch schnell die Verträge verlängert worden sind???
    Wann endlich wird Minister Ramsauer zur Rechenschaft gezogen???
    Wann endlich spricht Frau Merkel das längst überfällige Machtwort und zieht die Notbremse???

  • Ach so ?!

    Und das "Votum gegen das Volk" nicht vor dem Bundestag zu erscheinen, obwohl man ausdrücklich geladen ist, geht also in Ordnung ?

    Das hat für mich mehr Symbolcharakter, als wenn jemand eine realistische Kalkulation erstellt.

    Der AR-Chef der Deutschen Bahn AG muss entlassen werden, weil er der Deutschen Bahn bzw. dem Eigentümer der Deutschen Bahn (dem Steuerzahler) einen Milliardenschaden absichtlich entstehen lassen, indem er eine Kalkulation als richtig eingestuft hat, obwohl er ganz genau wusste, dass diese Kalkulation viel zu optimistisch ist und der Endbetrag bei realistischer Betrachtung doppelt so hoch sein müsste.

  • @stefanfaiss 18:28 Uhr: Vor der jeweiligen Abstimmung wurden die Parlamente ebenso angelogen wie das Volk. Hoch und heilig versprochen wurde, für allerallerhöchstens 4,5 Mrd. Euro, ein Tiefbahnhof, der deutlich mehr leistet als der bestehende Kopfbahnhof.<br/>Liebe Bahn, entweder Du kannst das - oder lass es lieber früher als später bleiben.

  • Ihre Darstellung ist völlig obsolet. Hatten Sie Winterschlaf gehalten die letzten 3 Monate?

    Grüße aus Stuttgart

  • Der Tag ist nah an dem unsere Regierung samt Parlament merkt, dass Stuttgart 21 eine „Arglist oder Dummheit“ der Deutschen Bahn war. (Die echten Kosten und Probleme waren schon vor der Schlichtung bekannt Vieregg-Rössler nannte 2008 Kosten von bis zu 8,7 Mrd. Zu diesem Zeitpunkt träumte Herr Grube mit aller Überzeugung eines Profipolitikers in Stuttgart vor der IHK noch von 3,076 Mrd.) Unsere Koalition tut gut daran jetzt S21 zu begraben. Der nächste Wahlkampf kommt bestimmet und die mindesten 7 Mrd. verballerte Steuergelder lassen sich schlecht darstellen. Dafür kann die Regierung über 25.000 Sozialwohnungen bauen. Fachleute sind der Meinung die 7 Mrd. sind doch nur die Spitze vom nächten Eisberg.
    Grüße vom BER Flughafen neben der Elbphilharmonie

  • Stuttgart 21 (einschließlich Neubaustrecke nach Ulm) ist das wichtigste Infrastrukturprojekt Baden-Württembergs. Es wurde von allen Parlamenten und vom Volk demokratisch legitimiert. Das müssen die Aufsichtsräte eines öffentlichen Unternehmens im Staatsbesitz wissen. Ein Votum des Aufsichtsrates gegen Stuttgart 21 wäre ein Votum gegen das Volk und gegen eine bessere Schieneninfrastruktur im Süden. Das kann der AR der Bahn AG nicht wollen.

  • JEDEM normal und wirtschaftlich denkenden MENSCHEN muß doch eines klar sein: Den enormen Staatsschulden müssen auch WERTE gegenüber stehen! Unsere Politiker müssen deshalb dafür sorgen, dass Privatisierungserlöse NICHT zur Deckung von Haushaltslöchern oder für Wahlgeschenke - wie in der Vergangenheit - verwendet werden dürfen. Diese dürfen nur zur Tilgung von Staatsschulden verwendet werden. Alles Andere nennt sich UNTREUE und ist m.E. eine Straftat!

  • wenn sich jetzt auch offiziell herausstellt, dass Stuttgart-21 die größte Parlamentsverarsche war, droht dem AR, spätestens wenn er jetzt weitermacht auch strafrechtliches.
    Gewinn ist mit Stuttgart-21 für die DB AG nicht mehr zu holen. Deshalb bleibt man auch lieber weg vom Parlament.

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