Stuttgart 21

Geißler hält Schlichtung für unmöglich

Heiner Geißler ist mit seinem Latein am Ende – und resigniert: Es sei unnmöglich, beide Positionen auf einen Nenner zu bringen, sagte der 80-Jährige nach dem letzten Gespräch mit Kritikern und Befürworten des Projekts. Die Schuld gibt er dem parteipolitischem Geschacher. Die Bahn droht unterdessen mit einer Klage.
13 Kommentare
Gescheitert? Heiner Geißler glaubt nicht an eine Schlichtung des Streits um Stuttgart 21. Quelle: Reuters

Gescheitert? Heiner Geißler glaubt nicht an eine Schlichtung des Streits um Stuttgart 21.

(Foto: Reuters)

HB STUTTGART. Eine Einigung im Streit über das Bahnprojekt Stuttgart 21 ist aus Sicht des Schlichters Heiner Geißler quasi undenkbar. "Wir sehen hier: Es ist sehr schwer, beide Positionen auf einen Nenner zu bringen. Ja, es ist nicht möglich", sagte Geißler am Samstag bei der achten und voraussichtlich letzten Schlichtungsrunde im Stuttgarter Rathaus. Es sei "beeindruckend", was er in den vergangenen Wochen von beiden Seiten gehört habe.

Geißler warf CDU und Grünen auf Bundesebene vor, einen Kompromiss in dem Konflikt verhindert zu haben. "Die parteipolitische Beschlagnahme hat es unmöglich gemacht, dass ein neues Projekt aus der Schlichtung hätte entstehen können. Aber das ist nicht überraschend", sagte Geißler dem "Focus".

An diesem Dienstag will der ehemalige CDU-Generalsekretär seinen Schlichterspruch verkünden. Dem Nachrichtenmagazin Focus sagte Geißler, dass man nicht zu hohe Erwartungen stellen solle. Er habe sich bemüht, die Erwartungen herunterzuschrauben. Abgesehen von Stuttgart 21 wäre es wünschenswert für die Zukunft, erst zu klären, ob man so ein Großprojekt will, dann verschiedene Varianten zu planen, dann abzustimmen und dann an die Realisierung zu gehen, sagte Geißler.

Unversöhnlichen Streit gab es bei der Runde am Samstag unter anderem über die Kosten für die ICE-Neubautrasse. Bahnvorstand Volker Kefer zeichnete diverse Tunnelröhren auf Folie, um seine Schätzung von Kosten in Höhe von 2,9 Milliarden Euro zu begründen. Die Gegenseite hielt dem ein Gutachten auf Basis der bisherigen Planfeststellungsunterlagen entgegen, das auf Kosten von mehr als vier Milliarden Euro kommt.

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Stuttgart 21 - Geißler hält Schlichtung für unmöglich

13 Kommentare zu "Stuttgart 21: Geißler hält Schlichtung für unmöglich"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • in den nächsten Jahren wird Deutschland aller Voraussicht nach zig Milliarden Euro an pleitegegangene Euro-Länder wie Griechenland, irland, Portugal etc. zahlen. Für nichts und wieder nichts. Das regt keinen der Stuttgart 21 Gegner auf. Aber 4 Milliarden Euro um die eigene infrastruktur zukunftsfähig zu machen, um ein umweltfreundliches Verkehrsmittel noch attraktiver zu machen, um einen ökologisch modellhaften Stadtteil zu bauen ... das geht auf keinen Fall. Es ist zu hoffen, dass die Menschen in diesem Land bald wieder zur Vernunft zurückkehren.

  • "Stuttgart 21", fuer mich nunmehr Synonym fuer die Aufgabe des Rechtsstaates.
    Nach Jahren der Planung, beteiligung und Prozessen bis zum Ende der Fahnenstange, uebernimmt nun also das Chaos eine Zukunftsverhinderung fuer -nicht nur- Stuttgart.

    Dank an Heiner Geissler, der der voelligen Rechtsstaatsaufgabe zumindest noch etwas Wuerde abzuringen versuchte.

  • Man kann über S21 denken was man will. Eines hat es aber deutlich gemacht. Das Volk lässt sich von unseren korrupten Politikern nicht mehr alles einfach so gefallen. Selbst wenn S21 durchgezogen wird, können die S21-Gegener mit erhobenem Haupt ihren Kindern erzählen, dass sie die Schulden, die auf die folgenden Generationen weitervererbt werden, begrenzen wollten. Leider wird es nicht gelingen, denn wir leben nunmal in keiner Demokratie. Hoffentlich werden hinterher die befürchtungen der S21-Gegener war. Dann sollten Grube, Mappus und Konsorten für die Kostenexplosion verhaftet werden. Glaubt irgendeiner, dass die Politiker aus reiner Nächstenliebe das Projekt S21 durchziehen wollen? Weil es Arbeitsplätze schafft oder weil es gut ist für die infrastruktur? Politiker sind keine ehrwürdigen Menschen. Sie sind Politiker geworden, weil sie Macht ausüben wollen und weil sie eine einfache Möglichkeit ihre Gier nach Geld zu befriedigen gesucht haben. Sie sitzen meist in den Vorständen der Firmen, die sie bei den bauvorhaben begünstigen. Die Milliardensummen, die die baufirmen kassieren, werden teilweise als Dankeschön für besondere Verdienste bei der Auftragserteilung von den baufirmen direkt an die politische Klasse umgeleitet. Es ist nichts weiter, als eine Umleitung der Steuergelder über baufirmen in die Taschen der Politiker. Solche Megaprojekte sind deshalb so willkommen, weil man da nicht kleckerweise, wie z.b. im Straßenbau oder beim bau öffentlicher Gebäude, ein paar Hunderttausend Euro mitkassiert. Nein, hier werden Millionen von Euros in dunkle Kanäle verschwinden. Deshalb machen sich Politiker und Manager für dieses Megaprojekt stark. Es ist nur Mittel zum Zweck.

  • bei einem Sackbahnhof, muss die Crew immer den Zug entlang marschieren um dann hinten einzusteigen, weil dort die neue Fahrerkabine liegt. Das ist zu umständlich und unzumutbar. Also ist der Durchgangsbahnhof, trotz gleichen Verkehrsaufkommen dringend erforderlich. Und die 8MRD€ können die Politiker von ihrer Schmiergeldkasse spielend bezahlen. Denn wie jeder weiß, arbeiten die Politiker mit den banken zusammen, kriegen genügend Geld von den banken für ihre Zusammenarbeit. Eine Hand wäscht die andere Hand.

  • Und nun ? Was machen wir nun mit den alten Nazibauten ?
    Wir sollten mit den bauarbeiten in vollem (witterungsbedingt )beginnen , wenn nötig auch unter Polizeischutz ,die dann auch von Tränengas und anderen Demonstrationsauflösenden mitteln Gebrauch machen MÜSSEN.

  • Stuttgart 21 war von Anfang an zum scheitern verurteilt. Es wurde nur für die Protestiere ein Ventil geschaffen, um Dampf ab zu lassen. Der bahn-Vorstand hat gar nicht ernsthaft, die alternativen der Gegner überprüft, sondern wollte nur sein Projekt durchsetzen. Heiner Geißler, war am anfangs der Schlichtung sehr souverän, aber auch er hatte schwächen, bei einem Herrn in den 80 Jahren ist dies normal.die bahn wird ihr Projekt durch setzen, und durch die Schlichtung wird alles nur noch teurer. Auch Frau Minister Gönner hat sich nicht mit Rum bekleckert, sie wollte sich für höhere Aufgaben ins Gespräch bringen, dies ist gründlich in die Hose gegangen.
    Danke

  • Logisch ist das ein Politik - Lobbyisten Zirkus; was sonst.

    Wenn dem nicht so wäre könnte die bahn ja locker sagen:
    Wir garantieren das die baukosten den genanten Rahmen nicht sprengen, wenn doch werden wir als bahn AG dafür einstehen. Ferner garantieren wir dafür das dieser bahnhof leistungsfähiger ist als der alte bahnhof, dies wird der Region gut tun. ist er es am Ende nicht frisst der Vorsitzende der Db AG öffentlich vor dem bahnhof einen besen.

    UHAHAH AH-

    Am besten ist das Merkel Argument zum Thema:
    Es kann doch nicht sein das einige wenige innovationen in DL blockieren.

    Da antworte ich mit:
    Es kann doch nicht sein das einige Politiker und industrielle sich auf Kosten der Steuerzahler die Taschen voll stecken. Das geht nun schon Ewigkeiten so in DL damit muss mal Schluss sein.

    Am Ende des Tages ist und bleibt es ein bahnhof, der offensichtlich keine Vorteile ggb. dem jetzigen bahnhof hat.

    Wenn man so ein Projekt baut, dann sollte der Nutzen nicht von Zweifel sein!!

    Oder besser beim nächsten mal hat die Polizei Schießbefehl.
    Dann ist man endlich die Querulanten (Wähler) ein für alle mal los,

  • S21 ist politisch gewollt und wirtschaftlich unsinnig.
    bei den Schlichtungsrunden stand immer Expertenmeinung gegen Expertenmeinung. bei kritischen Punkten hat die bahn zudem einerseits Daten zurückgehalten andrerseits aber argumentiert ohne die entsprechenden Daten könne keine vernünftige Aussage getroffen werden.
    ich stimme der im Artikel gegebenen Sichtweise von Dr. Geisler zu, dass auf dieser Grundlage kein Kompromiss möglich ist.
    Meine Meinung: Steuergelder dürfen nicht so verschleudert werden. Das Ergebniss des Untersuchungsausschuss steht noch aus. Die Legalität der baumfällungen am 30.9. 2010 ist extrem fragwürdig. Am 27.3 wird gewählt!
    Auf den Schlichterspruch am Dienstag bin ich zwar sehr gespannt. Tendenziell glaube ich kaum, dass S21 durchsetzbar ist.

  • Mein Eindruck von dem Eisenbahnsystem von Deutschland war sehr professionell, damit ich sicher, dass eine Auflösung erreicht wird am

  • Matthias Platzeck verkauft uns im Süden von berlin den Lärmflughafen bbi unter Hinweis auf Stuttgart 21, indem er meint, der bahnhof wäre erst begonnen, der Flughafen jedoch bereits fast fertig. Trotzdem sind die Größenordnungen, die von Seiten der befürworter in den Raum gestellt werden, mit 1,5 Mrd. € irgendwie ähnlich. Wir sollten für den bbi konsequenterweise ebenfalls den baustopp fordern und durchsetzen, dass er in Sperenberg gebaut wird.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%