Stuttgart 21 Kosten könnten auf acht Milliarden Euro steigen

Eigentlich sollte der neue Stuttgarter Hauptbahnhof 2021 eröffnet werden. Das Großprojekt musste jetzt noch einmal nachkalkuliert werden: Der Bau wird voraussichtlich vier Jahre länger dauern und mehr kosten.
Update: 25.01.2018 - 16:15 Uhr 4 Kommentare
Stuttgart 21: Kosten könnten auf acht Milliarden Euro steigen Quelle: dpa
Demonstrationen gegen Stuttgart 21

Zum 400. Mal demonstrieren Bürger am 15.01.2018 gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. Die Eröffnung soll nun weiter nach hinten verschoben werden und mehrere Hundert Millionen Euro mehr kosten.

(Foto: dpa)

BerlinFünf Jahre ist es her, da musste der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn schon einmal ein paar Milliarden mehr für das ehrgeizige Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 genehmigen. An diesem Freitag müssen die Kontrolleure erneut nachlegen. Die Kosten steigen um weitere 1,2 Milliarden auf 7,6 Milliarden Euro. Soviel steht fest.

Offen ist aber, welchen Risikopuffer die Aufseher diesmal genehmigen. Die Rede ist in Kreisen des Staatskonzerns von 300 bis 500 Millionen Euro für zusätzliche Kosten und Preissteigerungen. Darüber wird das Kontrollgremium am Freitag auf einer Sondersitzung beraten. Schon in den Tagen zuvor hatten sich einige besonders Interessierte von ihnen in diversen Workshops über Details der neues Analysen einweihen lassen.

Dazu gehört auch ein neues Gutachten im Auftrags von Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. Nach den ständigen Kostensteigerungen in den zurückliegenden Jahren hatte Pofalla dieses Gutachten bestellt, um Klarheit über die Kostenlage zu bekommen. Pofalla hat erst vor einem Jahr die Verantwortung für das Netz der Deutschen Bahn übernommen. Sein Vorgänger Volker Kefer war unter anderem über die Kostenexplosion bei Stuttgart 21 gestolpert und musste das Unternehmen verlassen.

Möglich ist auch, dass jetzt die offizielle Inbetriebnahme des unterirdischen Bahnhofs und seiner Anschlussstrecken auf das Jahr 2025 verschoben wird. Schon im Herbst vergangenen Jahres zeichnete sich ab, dass 2024 realistischer ist als das anfangs geplante Jahr 2021.  

Mit Zusatzaufwendungen für die neuerliche Verzögerung könnte sich der Kostenrahmen damit auf 8,2 Milliarden Euro dehnen. Zu den Treibern bei dem Projekt zählen gestiegene Baupreise und Probleme mit dem Baugrund.

Wer für die steigenden Kosten aufkommt, ist allerdings unklar.  Die Bahn, der Bund, die EU, das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart und der örtliche Flughafen hatten 2009 vereinbart, die Kosten aufzuteilen. Damals gingen sie von 4,5 Milliarden Euro aus. Die Bauherrin Deutsche Bahn wurde mit 1,7 Milliarden Euro der größte Finanzier. In einer so genannten „Sprechklausel“ des Vertrags war verabredet, bei Kostensteigerungen entsprechende Verhandlungen aufzunehmen.

Die Partner der Bahn lehnen das jedoch konsequent ab. 2013 musste der Aufsichtsrat den Bahnvorstand dazu drängen, eine juristische Klärung der Frage in Gang zu setzen und notfalls das Land und die weiteren Beteiligten zu verklagen. An der juristischen Baustelle hat sich bislang allerdings noch nichts geklärt.

Bei dem Projekt soll aus dem Stuttgarter Kopfbahnhof ein unterirdischer Durchgangsbahnhof werden. An der Station wird seit Februar 2010 gebaut. Die Bahn war damals vom Land Baden-Württemberg und der Bundesregierung mit der Umsetzung des Megaprojektes beauftragt worden. Nach heftigen Widerständen in der Bevölkerung kam es sogar zu einem Volksentscheid, der Ende  2011 mit knapper Mehrheit für eine Weiterbau des bereits begonnenen Projektes ausfiel.

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4 Kommentare zu "Stuttgart 21: Kosten könnten auf acht Milliarden Euro steigen"

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  • Eines sollte man dabei nicht vergessen: Es waren die Baadener und Württemberger, die bei einem Volksentscheid FÜR den Weiterbau gestimmt haben! Sie haben also gegen sich selbst gestimmt. Ich kann mich noch erinnern, wie ich an dem Abend fassungslos von dem Ergebnis gehört habe.
    Würde man dieses angeblich so "clevere" Völkchen in einen Boxring stellen, würden sie sich selbst k.o. schlagen, einen Gegner brauchen sie nicht.

  • Dramatisch ist mit anzusehen, wie dieses Geld für einen sinnlosen Bahnhof an anderer Stelle fehlt. Wo ist der Ausbau der Verbindung Mailand - Gotthard - Köln - Amsterdam? Alle anderen Länder sind im Plan, nur D hinkt hinterher.
    Warum werden die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen?

  • Man muss sich vorstellen was das für viele Menschen bedeutet. Viele sterben früher, weil sie sich kein vernünftiges Essen leisten können, weil sie Überstunden ohne Ende leisten müssen um über die Runden zu kommen und dann kommt eine Bunderegierung im "Interesse" des Bürgers und verteilt ein paar Milliarden hier, ein paar Milliarden für BER, verlangt noch ein paar zusätzliche Steuern und man wundert sich wenn die Leute wütend werden???

    So etwas ist eigentlich kriminell nicht legitim.

  • Überraschung Überraschung.

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