Stuttgart 21
Kretschmann schmettert Drohungen der Bahn ab

Die Bahn will Stuttgart 21 weiterbauen, weil sonst die Kosten ausufern würden. Baden-Württembergs Ministerpräsident beeindruckt das nicht. Er sieht für einen Weiterbau wichtige Bedingungen noch nicht erfüllt.
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Stuttgart

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann will den Bau- und Vergabestopp für das milliardenteure Bahnprojekt Stuttgart 21 bis zum Abschluss eines Belastungstests ausweiten. "Ich möchte eindrücklich warnen, mit dem Bauen weiterzumachen", sagte der Grünen-Politiker am Mittwoch in Stuttgart. Am Montag hatte die Deutsche Bahn angekündigt, in der kommenden Woche die Arbeiten an dem 4,1 Milliarden Euro teuren Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs fortzusetzen. Kretschmann wird Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Freitag in Berlin treffen. "Ich vertrete das sehr hartnäckig", sagte er. Der Test soll Mitte Juli präsentiert werden.

Kretschmann sagte, mit der Schlichtung unter der Leitung von Heiner Geißler hätten alle Parteien einem freihändigen Verfahren zugestimmt. Dies reiche jedenfalls bis zur Vorstellung des Belastungstests. Darin wird untersucht, ob der neue achtgleisige Durchgangsbahnhof 30 Prozent mehr Züge in der Spitzenstunde als der bisherige 16-gleisige Kopfbahnhof abfertigen kann. Kretschmann sprach sich für eine Optimierung des bestehenden Bahnhofs aus. Zweifel meldete er an den von der Bahn angegebenen Mehrkosten von 410 Millionen Euro an, die wegen eines weiteren Baustopps bis zur geplanten Volksabstimmung im Oktober entstehen könnten. Von dieser "Drohkulisse" lasse er sich nicht beeindrucken lassen.

Auch Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) pochte auf eine Verlängerung des Vergabe- und Baustopps. "Die Züge laufen auseinander. Es passt nicht zusammen", sagte er. Die Bahn hatte von sich aus die Arbeiten nach der Wahl der ersten grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg Ende März ausgesetzt.

Bisher hatte die Bahn im Falle einer Bauverzögerung von monatlichen Mehrkosten von zehn bis 15 Millionen Euro gesprochen. Die Eröffnung des neuen Durchgangsbahnhofs mit seinen Zubringertunnels werde sich dann um bis zu drei Jahre auf Ende 2022 verzögern. "Wir wollen schadenfrei bezüglich Verzögerung und Kosten gestellt werden", sagte Bahnvorstandsmitglied Volker Kefer. Deshalb solle die neue Landesregierung direkt mit dem Bahn-Eigentümer, dem Bund, verhandeln. Viele Aufträge müssten ausgesetzt und neu ausgeschrieben werden, sagte Kefer. Im Oktober will die grün-rote Koalition die Bürger in einem Volksentscheid befragen.

Minister Hermann sagte, auf Grundlage eines gemeinsamen Fahrplans werde der Belastungstest des neuen Bahnhofs voraussichtlich Mitte Juli vorgestellt. Dafür würden die Ergebnisse in einer vierstündigen Veranstaltung vorgetragen. Dieser Test solle zeigen, ob der achtgleisige Bahnhof in der Spitzenstunde mit 49 Zügen 30 Prozent mehr als der alte 16-gleisige Kopfbahnhof abwickeln könne.

Bahnchef Rüdiger Grube äußerte sich unterdessen zuversichtlich, dass der neue Bahnhof den Belastungstest überstehen wird. Es deute alles darauf hin, dass man 49 Züge in der Stunde abfertigen könne, sagte der Manager.

Kommentare zu " Stuttgart 21: Kretschmann schmettert Drohungen der Bahn ab"

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  • Letzten Montag habe ich wieder einmal live erlebt, wie marode manche Großstadt-Bahnhöfe in Deutschland sind. Am Bonner Hauptbahnhof tropft das Schmutzwasser großflächig durch die Überdachung der Bahnsteige, die notdürftig durch Fangnetze(!) gesichert sind, und verdreckt einem die Kleidung. Wäre es da nicht angebrachter, erst einmal alle Bahnhöfe und Züge in einen akzeptablen Zustand zu bringen, bevor Milliarden in Prestigeprojekte vergraben werden?

  • Ich würde vorschlagen, die Bahn kümmert sich erst um ihr verschlammtes fahrendes Material, damit es fahren kann. Ich habe in der letzten Zeit sehr negative Erfahrungen mit der Dt. Bahn gemacht. Ich werde sie so gut es geht meiden. Wenn mehr so denken brauchen wir Stuttgart 21 nur um den Bahnherren und den Politikern einen Zeitungsauftritt bei Grundsteinlegungen zu verschaffen.

  • Kretschmann verweißt also auf die Schlichtung durch Heiner Geißler? Warum haben sich dann die Grünen direkt nach dem Schlichterspruch nicht an das Ergebnis gehalten?
    Das ist wie mit den Kastortransporten. Zu Trittins Amtszeiten als Umweltminister rief er zur Friedlichkeit auf und jetzt zum Schottern der Gleise.

    Was ist das? Na klar: Das ist Typisch GRÜN.

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