Stuttgart 21
Nationale Fragen im Lichte des Weltfriedens

Sigmar Gabriel ist ein Mensch mit vergleichsweise guter Bodenhaftung. Der SPD-Parteichef spöttelte daher zu Wochenbeginn über die gewaltige Dimension, die der geplante Bahnhofsneubau in Stuttgart medial-demonstrativ inzwischen angenommen hat.
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Stuttgart 21 sei keine nationale oder gar europäische Frage, sondern ein regionales Verkehrsprojekt, erinnerte Gabriel Feind und Freund des Bauvorhabens. Und weil er gerade beim Lästern war, kam natürlich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dran. Sie hatte jüngst im Bundestag die Wahl in Baden-Württemberg quasi zur Abstimmung über Stuttgart 21 erklärt. „Ich habe nur noch darauf gewartet, dass sie sagt: ,Das ist eine Frage des Weltfriedens’“, frotzelte der SPD-Chef.

Gut gepunktet, würde man sagen. Nur sprach Gabriel die kluge Erkenntnis nicht vor dem Willy-Brandt-Haus in Berlin in die Mikrofone – sondern in Stuttgart. Das regionale Verkehrsprojekt war es der gesamten SPD-Spitze wert, ihre Präsidiumssitzung von Berlin in die Südwest-Provinz zu verlegen, um die Genossen dort in ihrem entschiedenen Dafür-Sein, aber gleichzeitig auch in ihrem irgendwie Dagegen-Sein kräftig wahlkämpfend zu unterstützen. Ein bisschen Weltfrieden kann in regionalen Verkehrsfragen ganz offenbar nicht schaden.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Stuttgart 21: Nationale Fragen im Lichte des Weltfriedens"

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  • Zitat Handelsblatt: "Sigmar Gabriel ist ein Mensch mit vergleichsweise guter bodenhaftung."

    Das festzustellen ist bei seinem Gewicht nun wirklich nicht schwer...

  • Das extrem differenzierte bild der SPD in dieser Angelegenheit wird durch Frau Riedel nicht angemessen wiedergegeben. Sie kommt lediglich zu der Erkenntnis, dass die SPD irgendwie für und irgendwie gegen das Großpropjekt ist. ich bin mir aber sicher, dass die SPD und insbesondere Sigmar Gabriel explizit erklärt haben, wie diese politische Haltung in diesem Fall zustande kommt.

    ich meine auch, dass die Tataen der SPD insgesamt in der bevölkerung zu wenig wahrgenommen und noch weniger honoriert werden. Die SPD ist die treibende politische Kraft in der bundesrepublik, auch wenn sie nicht die Regierung stellt. ich muss hierzu auch anmerken, dass die plakativen bloßstellungen der SPD noch immer nicht durch die wirklich gewordenen Ergebnisse berichtigt worden sind. Die SPD hat sich ihre Mühen ja wohl hoffentlich nicht vergeblich gemacht. Keiner will sich um seine Leistungen bringen lassen. ich denke, dass sollte auch mal gesagt werden.

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