Stuttgart 21
Verkehrsministerium zweifelt an Stresstest

Ein unabhängiges Gutachten stellt dem Stuttgarter Bahnhofsprojekt ein gutes Zeugnis aus. Doch das Landesverkehrsministerium in Stuttgart bezweifelt, dass die Bahn den Test bestanden hat. Die Gegner geben nicht auf.
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Berlin/StuttgartDas Verkehrsministerium in Stuttgart bezweifelt, dass die Bahn den sogenannten Stresstest für den umstrittenen Tiefbahnhof „Stuttgart 21“ bestanden hat. Die Experten sind nach Informationen des Handelsblatts zu einer wenig schmeichelhaften Einschätzung gekommen. „Der Bericht ist in der Diktion eher wohlwollend gegenüber der Bahn“, berichtete ein Mitarbeiter der Leitungsebene.

So verlangten die Gutachter etwa die im Bericht „beschriebene Unstimmigkeiten und kleineren Fehler zu beheben und zur Bestätigung des Gesamtresultats einen weiteren Simulationslauf durchzuführen“.

Auch habe der Gutachter SMA Schwachpunkte „relativiert und heruntergespielt“. So sei etwa der Fahrplan bei der bereits im Schlichtungsverfahren heftig debattierten Wendlinger Kurve schlicht missachtet worden, um einen kostspieligen Ausbau zu vermeiden. Über die sogenannte kleine Wendlinger Kurve können laut Untersuchung zwei Züge pro Stunde und Richtung fahren, das Land fordert in Spitzenzeiten aber drei Züge.

Auch attestiere SMA in den Gutachten „eine Reihe von Taktabweichungen“. Teilweise hätten die Gutachter auch von einem „eher zufälligen System“ gesprochen, etwa bei der Simulation des aus dem Filstal kommenden Zugverkehrs. Für die Beamten stehe damit fest: „Das ist kein Persilschein.“

Der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, Hannes Rockenbauch, lässt keinen Zweifel an der anhaltenden Protestbereitschaft aufkommen: „Wenn die Bahn AG jetzt weiter ihre Bastapolitik fortsetzt und Fakten schaffen will, zum Beispiel am Südflügel oder an den Bäumen, dann wird es mit der gleichen friedlichen Begeisterung wie im letzten Sommer hier wieder mit den Widerständen weitergehen.“ Schuster kündigte an, dass er in den nächsten Wochen mit den Gegnern den Kontakt suchen werde.

Die Gegner des umstrittenen Bahnprojekts können noch auf die geplante Volksabstimmung hoffen, um das 4,1 Mrd. Euro teure Vorhaben zu Fall zu bringen. Doch dafür stehen die Signale eher auf Rot. Wie werden die nun in die Enge gedrängten Gegner des Projektes reagieren? Die Projektträger befürchten neue Proteste in der Landeshauptstadt.

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  • Es ist nicht ein bisschen MEHR Grundwasser, das die Bahn abpumpen will, sondern die DOPPELTE Menge! Und dies mit allen daraus folgenden Risiken, wie z.B. Zerstörung des Mineralwassers, Austrocknen der (dann noch nicht gefällten) Bäume im restlichen Schlossgarten usw. Und dafür soll ein "wasserrechtlicher Änderungsantrag" genügen? Jedes Gartenhaus muss der Bürger beantragen und genehmigen lassen! Ich frage mich immer mehr, was unsere Gesetze noch wert sind.

  • @huensche
    Bei Ihnen werde ich den Eindruck nicht los, dass Sie nur wahrzunehmen gedenken, was Ihnen in den Kram passt! Stichhaltige Argumente für S 21 habe ich von Ihnen jedenfalls noch nicht vernommen, sondern lediglich den Hinweis, dass ein demokratisch legitimierter Beschluss ohne wenn und aber hinzunehmen sei. Eine Demokratie zeichnet sich gerade dadurch aus, dass Beschlüsse auch revidiert werden können, wenn erkennbar wird, dass zum Zeitpunkt der Beschlussfassung nur ein unvollständiger Informationsstand vorlag. Bei S 21 ist aber klar, dass Informationen bewusst zurückgehalten wurden und die Medien das Thema jahrelang totschwiegen, ist das mit einem demokratischen Prozess für Sie vereinbar?
    Sie haben recht, wenn Sie auf die Kräfteverhältnisse im Landtag hinweisen, die Befürworter stellen die Mehrheit dar. Das muss aber nicht wundern, denn wer will schon zugeben, dass bereits mehrere 100 Mio falsch investiert wurden, dass bspw die Haltestelle auf den Fildern praktisch schon gebaut ist?
    Ob die Verhältnisse des Landtags auf die Bevölkerung übertragbar ist, darf bezweifelt werden.
    Ich verabscheue Gewalt zutiefst, es muss aber festgehalten werden, dass sie zuerst von der Polizei ausging. Der Einsatz von Wasserwerfern gegen Rentner und Schüler, deren Demonstration auch noch genehmigt war, ist mit Sicherheit nicht als Gewalt deeskalierend einzustufen. Wenn Sie in diesem Zusammenhang in der Anwendung von Gummigeschossen kein Problem sehen sagt das mehr über Sie aus als alle Worte!

  • Die Linken hatten und haben immer Probleme mit der Demokratie (für sie ein Fremdwort) und den damit verbundenen Mehrheitsentscheidungen.
    Was sie wollen ist das gelbe vom Ei und was andere wollen ist mit allen und jedem Mittel zu bekämpfen.

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