Stuttgart und Böblingen
Schwäbische Tüftler haben Konjunktur

Vor einem Jahr ging im Südwesten die Wirtschaft in die Knie. Jetzt ist die Region so stark wie nie. Sie hat die Krise in Rekordtempo überwunden. Aber die Schwaben dürfen sich nicht ausruhen. Die Gegenwart könnte den Blick auf die Zukunft verstellen.
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STUTTGART. Dieser monströse Trichter könnte das nächste große Ding sein. Noch steht er hier in einer Halle am Rand des schwäbischen Renningen. Aber Joachim Wünning ist kaum zu bremsen: "Damit lässt sich Tiermehl umweltschonend zu Energie verarbeiten", sagt der Senior-Chef von WS Wärmeprozesstechnik. "Nach der ganzen Diskussion um BSE und andere Tierseuchen ist die Entsorgung ein Problem."

Und ein Problem, das hat Wünning gelernt, braucht eine Lösung, mit der sich Geld verdienen lässt. Das war schon mit den Energiepreisen Anfang der 80er-Jahre so, später dann mit der Klimakrise. Und immer hatte Wünning, der Tüftler aus dem Ländle, eine Lösung: eine Verbrennungstechnik - "Flox" - mit der die Industrie in ihren Öfen mehr als 50 Prozent Energie sparen kann. So wuchs Wünnings Unternehmen von vier Mann auf heute 65 und bis zu 30 Millionen Euro Jahresumsatz.

In Wünnings Heimat sind solche Geschichten allgegenwärtig. Nirgends sind Deutschlands Ingenieure so kreativ und erfolgreich wie im Ländle. Ob Maschinenbau, Autoindustrie oder Industriedienstleistungen - Deutschlands industrielles Herz schlägt rund um Stuttgart. Hier sitzen die versteckten Weltmarktführer, von hier exportiert man Made in Germany in alle Welt. Bosch hat hier seine Zentrale, Daimler, Porsche, Stihl oder IBM.

Der Region geht es so gut, dass sie sich mit einer eher randständigen Frage beschäftigen kann: Wer ist der stärkere Standort - Stuttgart oder der Kreis Böblingen?

"So würde ich das nicht sehen", sagt Walter Rogg. "Stuttgart und Böblingen - das sind eher Geschwister als Konkurrenten."

Rogg ist oberster Wirtschaftsförderer für die Region. Die nackten Zahlen lassen ein Dauerkonkurrenzverhältnis zwischen Metropole und Umland vermuten. Seit Jahren wechseln sich Stuttgart und Böblingen im Prognos-Ranking ab. Derzeit hat es der Kreis mal wieder nach oben geschafft - auf Platz fünf. Stuttgart dagegen ist leicht abgerutscht auf Platz 14.

Das liegt vor allem daran, dass Böblingen in den vergangenen Jahren ein glückliches Händchen bei der Ansiedlung von Zukunftsindustrien hatte.

Der Computerkonzern IBM etwa verlegte seine Europazentrale von Stuttgart nach Ehningen im Kreis Böblingen, Bosch errichtet im Kreis ein Forschungszentrum, 1 200 Mitarbeiter sollen dort forschen und entwickeln. Nur ein Kreis in Deutschland beschäftigt mehr Menschen im Bereich Forschung und Entwicklung als der Kreis Böblingen, kaum irgendwo trägt die Industrie soviel zum Wohlstand bei.

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