Suche nach neuem Chef des Wirtschaftsressorts
Glos stürzt Union ins Chaos

Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten steht Deutschland ohne handlungsfähigen Wirtschaftsminister da: Nach seinem überraschenden Rückzugsangebot verständigte sich Amtsinhaber Michael Glos (CSU) am Sonntag mit CSU-Chef Horst Seehofer darauf, nur noch so lange im Amt zu bleiben, bis ein Nachfolger gefunden ist.
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ink/pm/sig/str BERLIN. Glos hatte Seehofer am Samstag völlig überraschend in einem Brief seinen Rücktritt angeboten. "Ich bitte dich, mich von meinen Ministerpflichten zu entbinden", schrieb Glos. Seehofer lehnte zunächst ab. Die Bundesregierung wurde von Glos Vorgehen kalt erwischt. In Unionskreisen hieß es am Sonntag, man arbeite unter Hochdruck an Lösungen und wolle kurzfristig einen Nachfolger für Glos präsentieren. Kanzlerin Angela Merkel beteilige sich aktiv an den Gesprächen.

Kandidaten für das Amt des Wirtschaftsministers bringen sich bereits in Stellung. Der Unternehmer und CSU-Schatzmeister Thomas Bauer bekundete Interesse. Außerdem wurde aus der CSU-Spitze Unionsfraktionsvize Hans-Peter Friedrich (CSU) ins Gespräch gebracht. Für den erfahrenen Wirtschaftspolitiker spricht auch der Regionalproporz: Er ist wie Glos Franke. Auch der Name des erst seit kurzem amtierenden CSU-Generalsekretärs Karl-Theodor zu Guttenberg wurde genannt. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer wies Spekulationen zurück, er strebe die Nachfolge an.

Die Kanzlerin hat sich bislang nicht öffentlich zu den Vorgängen geäußert und gerät deshalb in die Kritik. Außenminister Frank-Walter Steinmeier verlangte von der Union, die Angelegenheit zu klären. "Da muss wieder Ordnung geschaffen werden", sagte der SPD-Kanzlerkandidat ohne Merkel ausdrücklich zu nennen.

In Wirtschaftskreisen hieß es, die Situation sei "völlig untragbar". Deutschland könne sich in diesen Zeiten keinen Minister auf Abruf an der Spitze des Ressorts leisten.

Glos hatte die Kanzlerin am Samstagmittag über seine Pläne informiert. Merkel riet ihm von dem Schritt ab, den Brief an Seehofer publik zu machen. Der Zeitpunkt für eine Kabinettsumbildung sei nicht geeignet. Seit Glos sein Rücktrittsangebot an Seehofer dennoch öffentlich machte, hat sich Merkel nicht mehr zu dem Fall geäußert. In der CDU werden deshalb Berichte dementiert, die Kanzlerin habe am Samstag einen formellen Rücktritt von Glos abgelehnt.

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