Südwest-Grüne
Özdemir bleibt weitere Blamage erspart

Bei der vorherigen Wahl hatten die Grünen in Baden-Württemberg Cem Özdemir einen Listenplatz verweigert. Nun wählten sie den Bundesvorsitzenden zu ihrem Spitzenkandidaten. Damit ist ihm ein Bundestagsmandat fast sicher.
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BöblingenDie Südwest-Grünen haben einen Eklat wie vor vier Jahren vermieden und ziehen geschlossen in den Bundestagswahlkampf. Die Delegierten stimmten für den Realo Cem Özdemir als Spitzenkandidat – vor der vorigen Wahl hatten sie ihm einen sicheren Listenplatz noch verweigert. Auch bei der weiblichen Spitzenposition setzte sich beim Landesparteitag am Samstag mit Kerstin Andreae eine Realpolitikerin durch.

Nach der erfolgreichen Landtagswahl 2011 und der Wahl von Fritz Kuhn zum Stuttgarter Oberbürgermeister zeigten sich die Grünen in Böblingen zuversichtlich, Schwarz-Gelb im September 2013 aus dem Sattel zu heben. Sie sprachen von einer „Chaosregierung“ in Berlin.

Bei den Kampfkandidaturen für die ersten beiden Plätze der Landesliste unterlagen die Atomexpertin Sylvia Kotting-Uhl und der Finanzfachmann Gerhard Schick. Sie werden dem linken Lager zugerechnet. Beobachter sprachen im Laufe der Wahlversammlung von einer gut gemischten Liste, in der sich Realos und Linke die Waage hielten. Insgesamt wollten die Delegierten 38 Plätze auf der Landesliste besetzen. Derzeit hat die Landesgruppe der Südwest-Grünen elf Abgeordnete. Nach der Wahl könnten es 14 oder mehr sein

Özdemir beteuerte in seiner Bewerbungsrede, er wolle eine „tolle Landesliste mit tollen Leuten“ und unterschiedlichen Flügeln. „Wer vorne antritt, der vertritt keinen Flügel, sondern Bündnis 90/Die Grünen.“ 2013 werde es nur dann einen Regierungswechsel im Bund geben, wenn die Grünen in Baden-Württemberg das Zugpferd seien. „Wir müssen jede Stimme mobilisieren“, rief Özdemir den Delegierten zu.

Mit dem Rückenwind aus der Wahl als Spitzenkandidat sieht der 46-Jährige noch bessere Chancen, bei der Bundestagswahl ein Direktmandat in Stuttgart zu holen.

Die grüne Spitzenkandidatin im Bund, Katrin Göring-Eckardt, hatte die rund 200 Delegierten zum Auftakt des Treffens unter dem Motto „Grün setzt sich durch“ am Freitag auf den Wahlkampf eingestimmt. Sie erwarte ein „großartiges Ergebnis“ der Südwest-Grünen bei der Bundestagswahl.

Andreae, Vize-Fraktionschefin im Bundestag aus Freiburg, erhielt am Samstag 108 von 201 abgegebenen Stimmen, Özdemir 115 von 202 abgegebenen Voten. Kotting-Uhl, Bundestagsabgeordnete aus Karlsruhe, und ihr Kollege Schick aus Mannheim landeten auf den sicheren Listenplätzen drei und vier.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Südwest-Grüne: Özdemir bleibt weitere Blamage erspart"

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  • Sie tragen ein Lächeln im Gesicht und das Böse im Herzen …

  • Und ich Laie dachte immer, die Politiker sind nur für die Bürger und nur die Besten werden aufgestellt. Aber es werden nur "unfähige", mit Netzwerken versehende aufgestellt mit Zwang zur Wahl. Keine echte Wahlen, sie sind unerwünscht.

  • @Harlemjump
    In wessen Interesse verdrehen Sie hier die Tatsachen?

    Özdemir hat auf DIENSTLICHEN Flugreisen gesammelte Bonuspunkte für PRIVATE Urlaubsreisen genutzt. Er hat also die steuerfinanzierten Dienstreisen geschickt zum eigenen, privaten Vorteil ausgenutzt. Dies ist nicht nur unlauter, sondern auch eindeutig regelwidrig.

    Bei diesem Fehltrirtt handelte es sich auch nicht um einen einmaligen Ausrutscher. Erinnert sei nur, wie sich Özedmir (Berufserfahung: Erzieher und "freier Journalist") beim Polit-PR-Berater Hunzinger einen Privatkredit von 80.000 DM auszahlen ließ. Erneut hatte der Thailand-Urlauber massive Schwierigkeiten damit, seine politische Tätigkeit von privater Vorteilnahme abzugrenzen.

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