Südwest-Grüne
„Wir haben keine Reichen in unseren Reihen“

Geradlinig und selbstbewusst – so präsentiert sich Winfried Kretschmann. Der 62-Jährige ist in Baden-Württemberg Spitzenmann der Grünen und will den amtierenden CDU-Ministerpräsidenten ablösen. Im Interview erläutert er, warum die Grünen die beste Alternative zu den Christdemokraten und der SPD ist.
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Handelsblatt: Die Kanzlerin sagt, Grüne sind "vor allem dagegen".

Winfried Kretschmann: Das ist billige Polemik. Ist die CDU nun eine Neinsager-Partei, weil sie gegen PID ist? Wir haben für alle wichtigen Bereiche eine klare Reformagenda. Das sind seit 30 Jahren die gleichen altbackenen Vorwürfe.

Handelsblatt: Aber sie sind gegen überirdische neue Stromtrassen.

Kretschmann: Klar ist, wir brauchen neue Stromtrassen, wenn wir erneuerbare Energien massiv ausbauen wollen. Dass sich gegen oberirdische Trassen mit sechzig Meter hohen Masten vor Ort Widerstand formiert, ist nachvollziehbar. Übrigens bunt gemischt, vom schwarzen Bürgermeister bis zum grünen Kreisvorsitzenden. Da braucht es eine offene Auseinandersetzung. Die Möglichkeit, Leitungen in Teilen unterirdisch zu verlegen, ist eine Abwägungsfrage. Die unterirdische Leitung ist erheblich teurer. Dafür dürfte sie schneller genehmigt werden und die Stromverluste werden massiv verringert.

Handelsblatt: Die SPD kritisiert sie als Wohlfühl-, als Abstauberpartei.

Kretschmann: Die SPD soll dort, wo sie regiert, was auf die Beine stellen, statt aus Frust über schlechte Umfragen wild um sich zu schlagen.

Handelsblatt: Forsa-Chef Güllner sagt, die Grünen seien "Klientelpartei, Oberschichtenpartei, Partei des öffentlichen Dienstes".

Kretschmann: Dass uns besonders Schichten mit einer hohen Bildung wählen, ist nichts Neues. Dass sie gut verdienen, ist ja logisch, wenn die meisten Akademiker sind. Aber es ist ein Bürgertum mit einem sozialen Blick auf die Gesellschaft. Übrigens haben wir im Gegensatz zur FDP so gut wie keine wirklich Reichen in unseren Reihen und unserer Wählerschaft.

Handelsblatt: Würden Sie selbst die Verantwortung eines Ministerpräsidenten übernehmen?

Kretschmann: Selbstverständlich. Aber das Amt muss zum Mann kommen, nicht umgekehrt.

Handelsblatt: Regieren Sie auch, wenn sie Stuttgart 21 nicht verhindern können?

Kretschmann: Wir haben gerade ein Gutachten bekommen, wonach die Subventionen des Landes für die Neubaustrecke und Stuttgart 21 verfassungswidrig sind und die Verträge damit nichtig. Das heißt, wir zahlen dann nicht, weil wir es nach der Verfassung nicht dürfen.

Handelsblatt: Ist schwarz-grün nun auch im Ländle ein "Hirngespinst"?

Kretschmann: Die Atompolitik und Stuttgart 21 treiben CDU und Grüne gerade auseinander. Es riecht zur Zeit nicht nach schwarz-grün. Von kategorischer Ausschließeritis haben wir uns aber verabschiedet.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Südwest-Grüne: „Wir haben keine Reichen in unseren Reihen“"

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  • Die Gier nach Reichtum ist mit Fischer doch gut besetzt.Vom Strassenterrorist zum Villenbesitzer im Grunewald. Die anderen lassen es sich auf Staatskosten gutgehen. Ob Schwulendemo oder Castor oder Stuttgard 21, mit Staatsknete demonstrieren bringt spass. ihr Umlaufplanet Gysi lässt sogar seinen Dienstwagen bewachen, während er auf Staatskosten demonstriert.

  • „Wir haben keine Reichen in unseren Reihen“
    Dafür aber Claudia Roth und Chem Özdemir.
    Das ist schlimmer.

  • Die Klientel der Grünen sind:
    Anwälte, Lehrer, Richter, höhere beamte, Solar-Unternehmer, Lehrer, sogenannte Öko-bauern, etc.

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