Superwahljahr 2016
Ökonomen warnen vor neuen AfD-Wahlerfolgen

Die AfD hat gute Chancen, im nächsten Jahr in westdeutschen Flächenländern den Sprung in Landtage zu schaffen. Bundesweit steht die Partei bei zehn Prozent. Ökonomen fürchten Nachteile für den Standort Deutschland.
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BerlinDie rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) könnte im kommenden Jahr in weitere Landesparlamente einziehen. Umfragen sehen die Partei deutschlandweit bei zehn Prozent. Im März sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt - für die Partei die Chance, erstmals in westdeutschen Flächenländern Landtage zu erobern. Die Aussichten sind gut. Demoskopen sagen für die Partei in den betreffenden Ländern zwischen sieben und 13,5 Prozent voraus. Im Herbst könnten weitere Wahlerfolge in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin folgen.

Ökonomen sehen den Zulauf zur AfD und die mögliche weitere Ausdehnung der Partei mit Sorge. „Sollten Regionen in den Ruf kommen, eine Hochburg der Rechtspopulisten zu sein, könnte es diesen Regionen schwerer fallen, Wissenschaftler, Innovationen und Investitionen anzulocken und hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen“, sagte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding, dem Handelsblatt.

Ähnlich äußerte sich der Chefökonom der DZ Bank, Stefan Bielmeier. „Solange Parteien wie die AfD nur eine geringe Bedeutung in den Parlamenten spielen, hätte dies zunächst keine Bedeutung für den Standort Deutschland. Wenn diese Parteien jedoch einen anhaltenden Zulauf hätten, könnte dies die Attraktivität Deutschlands als Investitionsstandort mindern“, sagte Bielmeier dem Handelsblatt.

Der europäische Integrationsprozess würde dann aber zunehmend schwerer werden, fürchtet Bielmeier. Er gab zu bedenken, dass in vielen anderen Ländern der EU und im Euro-Raum Parteien ins Parlament oder sogar in Regierungsverantwortung kämen, „die nicht mehr uneingeschränkt die europäische Integration unterstützen“.

Vielmehr versuche man für die einzelnen Länder eine Sonderregelung zu finden. Diese gehe jedoch oft zu Lasten der wirtschaftlich stärkeren Länder. „Auf Dauer ist der Integrationsprozess so kaum aufrechtzuerhalten“, warnte der Ökonom und fügte hinzu: „Wenn der Trend anhält, könnte man in den nächsten Jahren im europäische Parlament einen großen Block an EU-feindlichen Parteien finden, was die Absurdität der Situation verdeutlichen würde.“

Was der AfD derzeit besonders nützt, ist der Umstand, dass die Partei auf dem Feld, das sie bespielt, kaum Konkurrenten hat. „Die AfD schwimmt auf einer Woge von Skepsis, die Merkels Flüchtlingspolitik ausgelöst hat, deshalb ist es im Moment eher wahrscheinlich, dass sie 2017 in den Bundestag einziehen wird“, sagte der Berliner Politikwissenschaftler Nils Diederich.

Kommentare zu " Superwahljahr 2016: Ökonomen warnen vor neuen AfD-Wahlerfolgen"

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  • Herr Deli,
    da haben Sie leider Unrecht.
    Es ging den Menschen materiell nicht besser.

    Die AFD möchte einen Keil in die Gesellschaft treiben und sie spalten. Grenzen wie zu Zeiten des Kalten Krieges ziehen. Deutschland isolieren, wie der Grenzzaun um die DDR gezogen war. Den Bruderkuss mit Russland wieder einführen.... das sind einige Intentionen, wenn man hier so die Kommentare liest.

  • Und in 35 Jahren wird es wieder Dinge geben, die nicht in Ordnung sind und vor denen die Menschen Angst haben. Ob mit oder ohne AfD. Eine Gesellschaft ist immer im Wandel. Es gibt Menschen, die sind in der Lage sich schneller an den Wandel anzupassen als andere. Die Geschichte lehrt, dass diese meist die "Gewinner" - nicht unbedingt im materiellen Sinn - waren. Jetzt könnte man denken, die AfD will einen Wandel. Ja, einen Wandel unserer demokratischen Werte á la Polen oder Ungarn, denen ja so viele hier zujubeln. Schnell die Ämter mit Marionetten besetzen, Gesetze im Eilverfahren ändern... Demokratie adé...

  • nicht glauben, wissen!

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