Superwahljahr
BKA-Chef Ziercke warnt vor Anschlägen

Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, hat vor erhöhter Anschlagsgefahr vor den Bundestagswahlen gewarnt. Der BKA-Chef nannte dem Handelsblatt auch die Zahl sogenannte Gefährder in Deutschland.

BERLIN. „Ich will die politische Situation in Deutschland nicht mit der in Spanien im März 2004 vergleichen. Die Terroristen tun es – und es gibt eine reale Bedrohungslage in Deutschland“, sagte Ziercke dem Handelsblatt. „Letztlich müssen wir uns in die Rolle derer versetzen, die mit Anschlägen drohen. Wir dürfen nicht vergessen, dass in einem Video die Wahlen in diesem Jahr explizit angesprochen wurden“, so Ziercke. In Spanien hatten die Terroranschläge im März 2004 den Wahlausgabg beeinflusst. Nach Angaben des BKA-Chefs schätzen die Sicherheitsbehörden derzeit 90 Personen als sogenannte Gefährder ein.

Zwar gäbe es derzeit keine konkreten Hinweise auf einen bevorstehenden Anschlag, so Ziercke, jedoch zeigten die in den letzten Jahren verhinderten Anschläge, wie gefährlich die Terrornetzwerke seien. „Denken Sie an den Versuch, den ehemaligen irakischen Ministerpräsidenten in Berlin zu ermorden, an die versuchten Anschläge der sogenannten Kölner Kofferbomber oder an das aktuelle Verfahren gegen die so genannte Sauerlandgruppe“, so der BKA-Chef.

Mit besonderer Sorge betrachte das BKA den zunehmenden Erfolg von Videobotschaften zur Rekrutierung junger Deutscher für die Ausbildung in Terrorcamps. „Seit 2001 gibt es etwa 40 Botschaften, die sich gegen Deutschland richten. Wir kennen 140 Menschen mit Deutschlandbezug, die in den letzten zehn Jahren in terroristischen Ausbildungslagern waren, mindestens 60 davon sind wieder zurück in Deutschland“, so Ziercke. „Ganz offensichtlich haben diese Botschaften Wirkung. Wir registrieren beispielsweise eine Welle von Anwerbungen für Sprachschulen. In letztem Jahr sind rund 40 Personen aus Deutschland in diese Schulen gereist. Insgesamt stellen wir eine Zunahme von Konvertiten, die sich fanatisieren lassen, fest. Allerdings gleitet nur ein ganz geringer Teil der Konvertiten in den Terrorismus ab“, sagte der BKA-Präsident.

Seine Behörde führe im Moment rund 290 Ermittlungsverfahren mit islamistisch-terroristischem Hintergrund durch, so Ziercke. „Dazu gibt es ein Umfeld von noch einmal rund 1000 Personen. Sie sind organisiert in mehreren Netzwerken von Berlin über Hamburg und Bremen, über das Rhein-Ruhr- und Rhein-Main-Gebiet bis hin nach Ulm/Neu-Ulm.“

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