Superwahljahr: Kernkraft wird Merkels Schicksalsfrage

Superwahljahr
Kernkraft wird Merkels Schicksalsfrage

Krisen sind genau das, was eine Regierung vor Wahlen braucht. Da kann sie Entschlossenheit zeigen, wie einst Schröder bei der Oder-Flut. Kanzlerin Merkel hat die Chance durch ihre panische Atomwende fahrlässig verspielt.
  • 8

So sehr die Reaktorunfälle in Japan die Regierung ins Schwitzen brachten, sie hätten aber auch der Regierung eine Möglichkeit gegeben, ihr Handeln kraftvoll zu begründen. Man erinnere sich an das Jahr 1986, als Tschernobyl passierte. Auch damals war die übergroße Mehrheit der Bundesbürger besorgt und wollten einen Ausstieg aus der Kernenergie. Die Bundesregierung nutzte aber ihre Handlungsmöglichkeiten, schuf ein neues Umweltministerium und reagierte relativ sicher und unaufgeregt. Auch seinerzeit standen Landtagswahlen an. In deren Vorfeld reagierte die SPD ziemlich aufgeregt und verabschiedete sich – für viele überraschend – von der friedlichen Nutzung der Kernenergie.

Merkel hat sich auch noch nach Japan als Anhängerin der Kernenergie zu verstehen gegeben. Als Noch-Umweltministerin im Jahre 1998, wenige Tage vor dem Beginn der rot-grünen Koalition im Herbst 1998 erklärte sie im Südwestrundfunk (19. Oktober 1998): „Ich persönlich würde es für absurd halten, wenn wir in Deutschland unsere sicheren Anlagen stilllegen und dafür dann auf Importe von Strom angewiesen sind. Die einstige Umweltministerin Merkel, Physikerin von der Ausbildung her, setzte in ihrem ganzen jungen politischen Leben auf Atomenergie, auch die „alten Kraftwerke“ seien „auf dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik“ (Süddeutsche Zeitung, 12. August 1998). Im Juli 2000 erklärte Angela Merkel als Oppositionspolitikerin: „Wir werden der Kernenergie wieder eine Zukunft geben“.

Die Atomenergie ist in Deutschland ein äußerst ideologisiertes Thema. Es war aber einst gerade die deutsche Linke in Gestalt der Sozialdemokratischen Partei, die 1959 in ihrem „Godesberger Programm mehr als alle anderen  Parteien von der Planbarkeit der Politik ausging und dabei der Kernenergie einen besonderen Stellenwert einräumte. Die Atomenergie ist in Deutschland ein äußerst ideologisiertes Thema. Es war aber einst gerade die deutsche Linke in Gestalt der Sozialdemokratie, die der Kernenergie als Zukunftstechnologie verherrlichte. In der Präambel zum „Godesberger Programm“ schwärmte die SPD von der Kernenergie so: „... das ist ... die Hoffnung dieser Zeit, dass der Mensch im atomaren Zeitalter sein Leben erleichtern, von Sorgen befreien und Wohlstand für alle schaffen kann ...“.

Kommentare zu " Superwahljahr: Kernkraft wird Merkels Schicksalsfrage"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Teuflisches schwarz/gelb
    Am 28.Mai 1986 sagte der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Erwin Teufel in der Stuttgarter Landtagsdebatte über die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl:

    "Die Weichen für Alternativen zur Kernkraft müssen heute gestellt werden und nicht erst im Jahr 2000. (...) Jetzt muss erforscht und entwickelt werden, was später in Serie genutzt werden soll. Die Zukunft gehört nicht der Kernkraft, weil kein Mensch mit so großen Risiken leben will, wenn es risikoärmere, gefahrlosere Arten der Energieerzeugung gibt."

    Danach wurde von der CDU jedes einzelne Windrad bekämpft. In BW gibts nicht mehr als 24 Stück. Schlusslicht in Deutschland.
    Und jetzt kommen Merkel, Röttgen und Mappus nach ihrer Zäsurerscheinung - entweder sind und waren unsere AKWs sicher oder sie sind es nicht, dann waren sie es noch nie - daher und weinen Krokodilstränen.
    Röttgen, Merkel, Mappus und ihre CDU sind das Wolfsrudel im Schafspelz!
    Das Lügen geht weiter.

  • Island verstrahl ist nicht konterminiert. der grundgedanke war billigen strom zu produzieren.dann traf der neoliberale Mechanismus die entscheidung bei strafe des eigenen untergangs zählte nur noch gier bis jetzt,bis nichts mehr geht egal wohin ich schau sind kleine intressengruppen in der lage ganze völker in die situation der selbstaullösung zu bringen.mit 17 atombomben in deutschen wohnzimmern die nur wenige geld scheffeln lassn,bist du in der lage europa unbewonbar zu machen nun steht so ein armer Japaner da mit viel geld und es macht ihn nicht warm,satt,bringt ihn seine tote Fam. wieder zurück.im gegenteil auf 1000 ende von jahren braucht er eine neue heimat. wo sind die verantwortlichen dann die ihr mit euren jahrzehnte langen stillhalten diese macht gegeben habt.der mensch ist böse.schon bei den gedanken an zeitarbeit hättet ihr ihnen die koffer vor die tür stellen müssen,aber nein was intressiert mich der andere.

  • Ich widerspreche Herrn Gerd Langguth wenn ich mich an das Jahr 1986 erinnere war die Bundesregierung überfordert.

    Es gab die „merkwürdigsten Empfehlungen“ von Seiten der Regierung. Ingesamt hatten wir das Gefühl, das wir alleine gelassen wurden. Wir dürfen dabei auch nicht vergessen 1986 lebten wir noch im Kalten Krieg und ein Atomschlag war realistisch.

    Deswegen konnte man es noch weniger verstehen das bei einem Fallout es keine Pläne für die Dekontaminierung des Landes gab.

    Geschweige die Versorgung mit Lebensmitteln!


Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%