Syrien-Konflikt

Türkei schießt russisches Militärflugzeug ab

Türkische Militärs haben ein Kampfflugzeug an der Grenze zu Syrien abgeschossen. Der russische Jet soll den Luftraum der Türkei verletzt haben. Kremlchef Putin nennt die Türkei „Helfershelfer von Terroristen“.
Update: 25.11.2015 - 03:49 Uhr 37 Kommentare

Türkische Luftwaffe hat russischen Kampfjet über Syrien abgeschossen

Ankara, MoskauDer Abschuss eines russischen Militärjets im türkisch-syrischen Grenzgebiet gerät zur schweren Belastung für den internationalen Kampf gegen islamistischen Terror. Der Zwischenfall mit mindestens einem getöteten Piloten löste am Dienstag heftige Spannungen zwischen Russland und dem Nato-Bündnisstaat Türkei aus. Während der Kreml die türkische Regierung als „Helfershelfer von Terroristen“ bezeichnete, sprachen die Nato-Staaten dem Bündnispartner Ankara ihre Solidarität aus. Gleichzeitig warnte die Militärallianz vor einer weiteren Zuspitzung der Lage.

Die Attacke der türkischen Luftstreitkräfte sei ein „Stoß in den Rücken“, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin am Dienstag live im Staatsfernsehen. Der Führung in Ankara drohte er „ernsthafte Konsequenzen“ an. Über militärische Folgen habe Putin aber nicht gesprochen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.


Wegen des Zwischenfalls sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow einen für diesen Mittwoch geplanten Besuch in Istanbul ab. Das Außenministerium in Moskau bestellte am Dienstag zudem den türkischen Militärattaché ein. Zudem kündigte Russland an, die Militärkontakte mit Ankara vorerst einzustellen.

Für die Behauptung, der Kampfjet vom Typ Suchoi Su-24 habe den türkischen Luftraum verletzt, habe Ankara keine Beweise präsentiert, sagte Peskow. Generalstabssprecher Sergej Rudski sagte der Agentur Interfax zufolge, die beiden Piloten - von denen einer tot und das Schicksal des anderen noch offen sei - seien vor dem Abschuss nicht gewarnt worden.

Laut Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg, der sich am Dienstagabend nach einer von der Türkei beantragten Sondersitzung des Nato-Rates in Brüssel äußerte, deuten Erkenntnisse mehrerer alliierter Staaten hingegen darauf hin, dass das abgeschossene Kampfflugzeug zuvor tatsächlich den türkischen Luftraum verletzt hat. Die türkischen Streitkräfte teilten mit, innerhalb von fünf Minuten seien zehn Warnungen ignoriert worden, bevor zwei F16-Kampfflugzeuge den fremden Jet am Morgen in der Grenzregion Hatay attackierten.

So dokumentiert Russland seinen Syrien-Einsatz
Abgeschossen
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Die türkische Luftwaffe hat ein russisches Kampfflugzeug vom Typ SU-24 an der Grenze zu Syrien abgeschossen. Das Flugzeug soll in den türkischen Luftraum eingedrungen sein. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte den Abschuss, dementierte aber, dass sich das Flugzeug im türkischen Luftraum befand.

Hunderte IS-Ziele angegriffen
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Die russischen Luftangriffe in Syrien haben sich zuletzt intensiviert: An einem Wochenende wurden rund 470 Stellungen von Terroristen bombardiert, wie das Verteidigungsministerium in Moskau mitteilte. Dieses Bild und die folgenden Fotos über Russlands Einsätze sind Videos des russischen Verteidigungsministeriums entnommen.

Schwere Geschütze
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Die heftigsten Angriffe habe es in den Provinzen Al-Rakka, Aleppo und Dair as-Saur gegeben, wie ein Sprecher des russischen Verteidigungsministerium erklärte. Das Foto zeigt einen russischen Langstreckenbomber.

Angriff auf ölreiche Provinz
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Russische und syrische Kampfflugzeuge flogen an einem Tag mehr als 70 Einsätze in der Provinz Deir Essor, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte. Die ölreiche Provinz wird zu großen Teilen vom IS kontrolliert.

Ölfelder unter Beschuss
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Die russischen und syrischen Luftangriffe in Deir Essor richteten sich laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte gegen drei Ölfelder und mehrere Städte. Der Ölverkauf ist die wichtigste Einnahmequelle des IS. Das vom russischen Verteidigungsministerium stammende Bild zeigt Öl-Anlagen, die getroffen wurden.

Zerstörte Häuser
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Bei den russischen Luftangriffen sind bisher etwa 1.300 Menschen getötet worden. Das teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit.

Absturz der russischen Passagiermaschine
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Der Kreml hatte den Militäreinsatz in Syrien verstärkt, nachdem Ende Oktober eine russische Passagiermaschine über der ägyptischen Sinai-Halbinsel abgestürzt war. Mittlerweile geht auch Moskau von einem Bombenanschlag aus. Der Anschlag könnte ein Racheakt des IS für Russlands Engagement in Syrien sein.

Dagegen ist der Jet nach US-Einschätzung innerhalb des syrischen Luftraums getroffen worden. Die Maschine sei zwar kurzzeitig im türkischen Luftraum gewesen, dort aber nicht getroffen worden, sagte ein Vertreter der US-Regierung, der nicht namentlich genannt werden wollte, zu Reuters. Diese Beurteilung basiere auf Wärmedaten des Jets.

US-Präsident Barack Obama hat unterdessen mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan telefoniert, wie das US-Präsidialamt mitteilte. Die USA unterstützten zwar das Recht der Türkei, die Landesgrenze zu verteidigen. Es habe aber auch Einigkeit gegeben, dass die Lage nach dem Abschuss jetzt entschärft werden müsse und so etwas nicht wieder vorkommen dürfe.

Nationale Verteidigung“
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37 Kommentare zu "Syrien-Konflikt: Türkei schießt russisches Militärflugzeug ab"

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  • Liebe Leser,

    die Kommentarfunktion ist geschlossen. Leserbriefe und interessante Beiträge zur Debatte nehmen wir gerne unter debatte@handelsblatt.com entgegen.

    Beste Grüße aus der Redaktion.

  • So etwas hat der Börsenhandel gebraucht um wieder einmal richtig Geld zu verdienen, nach den letzten Tagen als man(n) sich schon im Weihnachtsurlaub auf die Skipiste gewünscht hätte.

  • @Herr Falk
    Die Merkel´sche Politik des Abhängigmachens von so einem Politiker ist schon mehr als abenteuerlich.
    Ich stimme Ihnen dazu - mehr als abenteuerlich.

    Das die Russen Tankwagen des IS in großer Zahl abgeschossen haben steht wohl außer Zweifel. Darunter wohl auch viele aus der Türkei. (Spekulation). Auch dürfte Erdgans und seine nächsten Verwandten geschäftlich unter die russischen Angriffe leiden haben. Da man von Luftraumverletzung spricht, haben die türkischen Flugzeuge vor dem syrischen Luftraum abgedreht, oder meinten sie das der Landstrich next to Türky eh von Turkvölker besiedelt ist, und zur Türkei gehört.
    Ich traue Erdogans Türken absolut nicht.
    Wie sagte Erdogan: in Deutschland leben drei Millionen Türken, in der Türkei 50.000 Rentner. Was er wohl damit meint.

  • Richtig Putin ist mittlerweile zur Hoffnung der Menschheit geworden. Klingt für die Staats-/US-Medien-Gläubigen absurd. Aber so ist es leider. Es ist bezeichnend dass der amerikanische Bürgerrechtler Edward Snowden derzeit in Russland Asyl vor den Stasi-Offizieren seiner Heimat, die intern und extern die totale Kontrolle (also nichts anderes als Weltherrschaft) anstreben und dafür bereit sind, die ganze Welt ins Chaos zu stürzen. Putins „Check and Balance“/Multipolarität ist der gesündere Ansatz für die Welt, statt des von den US-Neocons nicht zuletzt im Eigeninteresse favorisierten unipolaren (mit den USA als Imperator), schließlich lehnen echte Demokraten ja auch innerstaatlich ein Einparteiensystem ab.

  • Also ich unterstütze die Russen, denn sie sind die einzigen die eine POSITIVEN CHARAKTER haben und den Kampf gegen den IS WIRKLICH führen....GANZ IM GEGESATZ ZU DEN USA UND DEREN VASALLEN !!
    -
    Weil es den Türken nicht gefallen hat das ihre IS-US-Ölqellen zerbombt worden sind auf Syrischen Boden haben sie aus Rache einen RU-Flieger abgeschossen....ODER WAR ES DOCH EIN BEFEHL AUS DEN USA !?!?
    -
    Aber es wird Folgen haben bin mir sicher seiten der Russen.
    -
    Was soll es ich Persönlich mag die Türken nicht,(...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • """" Der syrisch-turkmenische Anwalt Ali Öztürkmen sagte der türkischen Zeitung Aydinlik gesagt, dass die syrische Armee und Russland es nicht auf die Turkmenen abgesehen hätten. „Die Turkmenen leben mehrheitlich in den Gebieten, die von der syrischen Armee kontrolliert werden. In den restlichen Gebieten, die bombardiert werden, befindet sich die Al-Nusra-Front. Die turkmenischen Verbände befinden sich nicht in diesem Gebiet. Soweit wir wissen, sind aufgrund der russischen Luftschläge 15 bis 20 Zivilisten umgekommen. Die meisten Turkmenen sind in die Türkei geflohen. Wenn es hier einen Genozid an den Turkmenen gehen würde, wären wir die ersten, die sich dagegenstellen würden“, so Öztürkmen.

    Der turkmenische Anwalt weiter: „Als die Turkmenen in Rakka und Aleppo vom IS massenweise umgebracht wurden, hat es keinen interessiert. Nun wird behauptet, dass die Regierungskräfte die Turkmenen umbringen würden. Das stimmt aber nicht.“""""
    Quelle DWN

  • Ich findes es auch besonders erbärmlich wie sich Merkel bei den Türken angebiedert hat, aber sie ist ja eine totale US-Vasallin ohne Gewissen und allzeit bereit ihr eigenes Volk zu opfern, wenn das die USA wollen !!
    -
    Wir müssen nun in einem Land haben, das von der Hand dieser US-Kanzlerin zerstört wird.
    (...)
    Vor 2.3 Wochen hat übrigens der Scharfmacher Mac Cain gesagt: MAN SOLLE DOCH RUSSISCHE FLUGZEUGE IN SYRIEN ABSCHIESSEN !!
    -
    Sollte Erdogan nun das ausführene Organ gewesen sein ????

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wir alle können dankbar sein, daß Putin ein äußerst umsichtiger und verantwortungsbewußter Staatslenker ist. Er wird nicht leichtfertig und, ohne an die Folgen zu denken, einen Krieg von Zaun brechen.

    Wäre er ein Haudrauf wie Erdogan oder ein Kriegstreiber wie Obama und die US-Neocons, müßten wir alle Angst haben und anfangen, uns mit Notvorräten einzudecken.

  • >> Der Vorfall könnte ernsthafte Spannungen heraufbeschwören. >>

    Was sind die Interessen der Türken....?

    - Die Grenzregionen in Syrien mit dort besiedelten Turkvölkern gehört zu Interessensphäre der Türkei

    - Die Vernichtung der Kurden, die eine Abspaltung von der Türkei anstreben, gehöret zu Interessen der Türkei

    - Der Bezug von billigem Öl von dem IS ( 10 bis 20 $/Barrel ) zum Weiterverkauf für 40 $/Barrel gehört zu Interessen der Türkei

    - Der Waffenverkauf an den IS, Al-Kaida und sonstigen Militärgruppierungen gehört zu Interessen der Türkei

    - Die Erpressung der EU mit der Flüchtlingswelle gehört zu Interessen der Türkei

    Was wollen die Russen.....?

    - Die Vernichtung des IS gehört zu Interessen der Russen

    - Die Unterbindung der Finanzströme des IS ( Öleinnehmen mittels Ölverkauf an die Türkei ) gehört ebenso dazu

    - Stützung des Assad-Regimes, das den Boykott des Gas-Pipline-Baus zum Gasexport aus Qatar nach Europa über die Türkei gewährleistet ist auch von Interesse der Russen ( Schutz der Gasprom-Liefer-Interessen ), sowie Beibehaltung der einzigen Militärbasis in der Mittelmeerregion

    - Großmachtbestrebungen mit Vorführung des Militärpotentials auf internationaler Bühne als Neue Ideologie sind den Russen auch willkommen

    Die Russen haben aber einen GRUNDFEHLER zum Erreichen ihrer Interessen eingebaut :

    Bombardierung eines Volkes aus der Luft mit all den Gräueltaten an der Zivilbevölkerung, die so ein Bombardement mit sich bringt. Das wird mittel- und langfristig alle ihre Interessen zu Nichte machen !

    Die Türken haben beim Erreichen ihrer Interessen AUCH einen Grundfehler eingebaut : ihnen ist das Schicksal der Syrer absolut sekundär und sie nehmen den Völkermord der NATO, der in der Region veranstaltet wird, lächelnd in Kauf.

    Diese Strategie wird auch scheitern !



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