Syrien-Konflikt

Zu Guttenberg rechnet mit Merkel ab

„Kultur des Widerwillens“: Von den USA aus wirft Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg der Bundesregierung mangelnde Solidarität mit den Verbündeten in der Syrien-Krise vor. Die CDU reagiert mit Kopfschütteln.
Update: 03.09.2013 - 01:48 Uhr 65 Kommentare
Karl-Theodor zu Guttenberg: „Deutschland ist außenpolitisch ein Zwerg.“ Quelle: dapd

Karl-Theodor zu Guttenberg: „Deutschland ist außenpolitisch ein Zwerg.“

(Foto: dapd)

DüsseldorfEx-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat die Außenpolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf kritisiert. In einem Gastbeitrag für die „New York Times“ wirft der CSU-Politiker der Bundesregierung mangelnde Solidarität mit den Nato-Verbündeten vor. Zu Guttenberg beobachtet eine „Kultur des Widerwillens“ gegen die Hilfe bei Militäraktionen wie in Libyen oder aktuell in Syrien.

Grund für die Zurückhaltung sei die bevorstehende Bundestagswahl am 22. September. Merkel verwende zwar deutliche Worte über den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, fürchte bei einer Eskalation der Syrien-Krise aber um ihre problemlose Wiederwahl, schreibt zu Guttenberg. Politiker wüssten „sehr gut, dass die öffentliche Meinung im Land militärischen Einsätzen (…) sehr skeptisch gegenübersteht“. Deshalb werde Merkel angesichts der erwarteten US-Schläge gegen Syrien „wieder einmal eine Sonderrolle verlangen“.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), wies die Kritik zurück. „Mit ähnlichen Worten hätte zu Guttenberg auch die Briten kritisieren können, die ebenfalls eine militärische Intervention in Syrien abgelehnt haben“, sagte Polenz Handelsblatt Online. „Die Bundesregierung hat aus wohlerwogenen Gründen eine deutsche Beteiligung an militärischen Interventionen in Syrien ausgeschlossen.“

Die Bundesregierung bemühe sich gemeinsam mit den Verbündeten darum, dass der Uno-Sicherheitsrat seine Verantwortung wahrnehme, sagte Polenz weiter. „Vor allem Russland und China müssen jetzt endlich dazu beitragen, dass der Einsatz von Chemiewaffen nicht folgenlos bleibt und nie wieder erfolgt“, betonte der CDU-Politiker.

Zu Guttenberg, einst Hoffnungsträger der Union, war im Jahr 2011 von seinen politischen Ämtern zurückgetreten. Zuvor war bekannt geworden, dass der Jurist weite Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben hatte. Seit dem Rücktritt lebt zu Guttenberg mit seiner Familie im US-Bundesstaat Connecticut und wird als „Distinguished Statesman“ („Angesehener Staatsmann“) bei der Washingtoner Denkfabrik Center for Strategic and International Studies geführt. CSU-Chef Horst Seehofer hatte zu Guttenberg angeboten, in die deutsche Politik zurückzukehren.

Harsche Kritik an Guttenberg äußerte auch der Vize-Vorsitzende der Linkspartei, Jan van Aken. „Zu Guttenberg macht sich hier zum Sprachrohr der amerikanischen Falken. Das ist kein ernstzunehmender Beitrag zur Debatte“, sagte van Aken Handelsblatt Online. Zu Guttenberg scheine sich damit eher um ein Ministeramt in Washington zu bewerben. „Berlin sollte er mit dieser Kriegsrhetorik fernbleiben.“

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65 Kommentare zu "Syrien-Konflikt: Zu Guttenberg rechnet mit Merkel ab"

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  • Ist und bleibt ein Bayerischer Volks Depp, entschuldigung 'von Depp'!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • ..egal ob Araber oder Juden und sogar Christen, alle zurück in die Wüste, wo ihr Wüstengott herkommt, den braucht hier kein Mensch !!!!!

    Wir brauchen ZUkunft, - keinen weihrauchgeschwängerten Karneval und Mummenschanz.

  • Warum erhält dieser Betrüger von Guttenberg, immer noch eine Plattform im HAT??? wer bezahlt seine Auftritte in der deutschen Presse???
    Er ist nur noch peinlich.

  • zu Guttenberg fehlen offensichtlich die Fachleute im Hintergrund, die ihm das wohlüberlegte Statement einhauchen, damit er es dann politisch vermarkten kann. Als kundiger und seriöser Sicherheits- und Verteidgungspolitiker und ehemaliger Verteidgungsminister sollte er nun wirklich die deutschen Möglichkeiten und auch deutschen Fähigkeiten kennen. Sein Statement ist daher nicht nur nicht verständlich, sondern barer Unsinn und disqualifiziert ihn als seriösen Politiker.

  • Ich stimme ihm in allen Punkten zu.
    Libyen war und Schwesterwelle ist einfach nur peinlich.
    Wie sagten die Englaender damals? Pretty cautious the Germans...(eine Umschreibung fuer kleine Feiglinge).
    Der deutsche Besserwisser kommt halt auch in der AP immer durch. Schroeder/Fischer wurden gefeiert, gewaehlt und ihre destruktive, illoyale und potentiell illegale Haltung wird immer noch als richtig empfunden. Kaum ein Deutscher weiss dass nur die franzoesische Haltung in der Irak Frage die korrekte war und dass sich D damals nicht nur gegen die Teilnahme an einem idT dann illegalen Krieg sondern auch gegen einen legalen und gegen eine eindeutige Entscheidung des UN Sicherheitsrates gestellt haette- nach dem Motto wir wissen es besser als die UN- der Rest der Welt, LOL.

  • Guttenberg kann gar nicht oft genug vom Ausland aus solch unreflektierten Quatsch veröffentlichen, damit jeder erkennt, wes Geistes Kind dieser Mann ist. Ich kann nur hoffen, dass diesem Mann in Deutschland niemals mehr eine politische Verantwortung übertragen wird!

  • Und DER war mal Verteidigungsminister?
    Man sollte ihn mal auf den Zahn fühlen was er in Amiland so alles ausplaudert...
    Kann mir vorstellen, dass deutsche Interessen anders aussehen als das was diese Atlantiker so treiben...

  • 'Westfale' sagt
    --------------------
    Zitat: "Die Wortbildung Antisemitisch als Synonym für Antijüdisch ist vollkommen unsinnig."

    Wenn Ihnen die deutsche Sprache nicht zusagt nehmen Sie doch
    Englisch:
    anti-Semetic,
    oder Französisch:
    antisémite,
    --------------------

    Die deutsche Sprache saht mir zu - nur nicht die jüdisch-verhunzte Propagandaversion die Sie und der D(J)uden propagieren.

    ...

    In anderen Sprachen ist diese Wortbildung ebenso unsinnig und jüdischer Agitation zu verdanken wie im Deutschen:

    "The term anti-Semitism was coined in 1879 by the German agitator Wilhelm Marr to designate the anti-Jewish campaigns underway in central Europe at that time. Although this term now has wide currency, it is a misnomer, since it implies a discrimination against all Semites."

    http://www.britannica.com/EBchecked/topic/27646/anti-Semitism

  • Der Bock hat in den USA Fett angesetzt. Gehirnschmalz weniger.

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