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Szenarien zur Zukunft Europas: Der Traum vom Euro-Ausstieg

Die neue Anti-Euro-Partei propagiert das Ende des Euros - und erntet dafür von links bis rechts Ohrfeigen. Auch die Linkspartei hackt auf der AfD herum. Dabei lässt sie längst selbst Euro-Ausstiegsszenarien durchspielen.

Euro-Graffiti in Berlin: Droht der Gemeinschaftswährung das Ende? Quelle: Reuters
Euro-Graffiti in Berlin: Droht der Gemeinschaftswährung das Ende? Quelle: Reuters

BerlinDie Stimmung in Europa ist mies. Sie ist mies, weil es vielen Europäern schlecht geht, weil die Schuldenkrise ihnen die Chance verbaut, ein Leben ohne dauernde Existenz- und Zukunftsängste zu führen. Die Lage ist sogar schon so dramatisch, dass die Bürger europaweit immer stärker das Vertrauen in die EU verlieren. Laut einer Umfrage des Washingtoner Pew Research Center äußern nur noch 45 Prozent der Befragten in acht EU-Staaten Zustimmung zur Europäischen Union. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 60 Prozent.

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Die Zahlen sind ein gefundenes Fressen für jeden Euro-Kritiker und erst recht für Parteien, die die Gemeinschaftswährung am liebsten gleich in den Orkus befördern möchten. In der öffentlichen Diskussion steht vor allem die neue Anti-Euro-Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Fokus. Sie will die Schieflage, die in Europa durch die langwierige Wirtschafts- und Schuldenkrise entstanden ist, nicht mehr hinnehmen, sondern sie mit drastischen Maßnahmen beenden.

Für ihre Forderung nach einer Auflösung des gemeinsamen Europäischen Währungsraums muss sie derzeit viel Kritik einstecken. Auch die Linke hackt auf ihr herum. Dabei stellt die Gysi/Lafontaine-Partei inzwischen selbst den Euro offen infrage.

Alternative für Deutschland Anti-Euro-Partei bringt Spitzenpolitiker in Rage

Die SPD will sich nicht von der neuen Anti-Euro-Partei vereinnahmen lassen. Steinbrück spricht von einer gefährlichen Gruppierung, die seiner Partei Stimmen kosten könne. Zornig reagierte FDP-Außenminister Westerwelle.

Diskutiert wird die Option eines „geregelten Austritts“ einzelner Länder aus dem Euro. Dabei geht es um die Rückkehr zu nationalen Währungen als eine mögliche Lösung im Sinne der am stärksten von der Krise betroffenen Länder. Die Gedankenspiele sind durchaus ernst gemeint.

Deshalb hat die der Linken nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung eine Studie in Auftrag gegeben, die Szenarien für eine Auflösung des Euro-Währungsraums durchspielt. Autor der knapp 100 Seiten-Expertise, die heute in Berlin vorgestellt wird, ist Heiner Flassbeck. Er war unter Oskar Lafontaine Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und wurde danach Chefvolkswirt der Handelsabteilung der Vereinten Nationen in Genf.

Unverhohlen warnt Flassbeck die Euro-Bewahrer vor „unverantwortlicher Schönfärberei“, wenn sie die Möglichkeit eines Ausstiegs aus dem Euro aus der politischen Diskussion mit der Begründung verdrängten, dass sie Europa nicht infrage stellen wollen. Mit jedem Tag, an dem an der bisherigen Rettungsstrategie festgehalten werde, schwinden laut Flassbeck "die Chancen für eine erfolgreiche Wende. Folglich müssen auch andere Optionen ins Auge gefasst werden."

Die beste, aber wohl unwahrscheinlichste Option, ist nach Ansicht Flassbecks eine Strategie, die die Euro-Zone in der Lage versetzen würde, die schwere Rezession zu überwinden und die Krise zu bewältigen. Dann wäre auch das Nachdenken über ein Euro-Ende hinfällig. Dazu müsste aber Deutschland als wichtigstes Gläubigerland bereit sein, seine bisherigen Positionen radikal zu verändern.

206 Kommentare

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  • 24.05.2013, 14:39 UhrRumpelstilzchenA

    Wir Deutsche haben 2 Weltkriege überstanden. Dann werden wir auch den Euro-Ausstieg überstehen!

    Wählt endlich eine Alternative ---- A f D !!!!!

  • 24.05.2013, 14:07 UhrMIB

    Das Gutachten zeigt die überragende Fach- und Sachkompetenz der Linken.

  • 24.05.2013, 00:44 UhrPeterB

    Dem Euro Ausstieg einzelner Laender wird die Liberalisierung des Grenzverkehrs zum Opfer fallen. Im europaeischen Produktangebot und Konsumentenverhalten gibt es ueber weite Strecken schon grosse Ueberschneidung. Fuehrende Hersteller und ihre Marken sind europaeisch etabliert, auch mit ihren Produktionsstandorten. Sie werden ihr lokales Preisniveau an die neue Kaufkraft anpassen und es wird danach riesige Preisunterschiede fuer praktisch dieselben Produkte geben, natuerlich auch bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Zollgrenzen werden unvermeidlich.

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