Tagebuch eines syrischen Journalisten: Merkels Kampf gegen IS – Riskant und wenig effektiv

Tagebuch eines syrischen Journalisten
Merkels Kampf gegen IS – Riskant und wenig effektiv

Mein Name ist Yahya Alaous. Ich bin Syrer, bald 42 Jahre alt, habe eine Frau und zwei kleine Mädchen. Heute lesen Sie in meiner Kolumne: Warum Deutschland im Kampf gegen den IS die schlechteste Option wählt.

Yahya Alaous ist syrischer Journalist und derzeit Mitarbeiter in der Berliner Handelsblatt-Redaktion. Wieso er sich eine neue Wohnung nur unter der Hand besorgen konnte und warum viele Syrer Kanzlerin Angela Merkel als Volksheldin verehren, lesen Sie ab sofort in einer Kolumne. Heute: Teil 6.

Deutschland verabschiedet sich von seiner moderaten Politik, die es bisher beim Krieg gegen den Terror verfolgt hat. Mit seiner Zurückhaltung blieb Deutschland in den vergangenen Jahren ein weißer Fleck auf der Weltkarte der Terroranschläge. Die nun getroffene Entscheidung, sich der Allianz gegen den so genannten Islamischen Staat (IS) anzuschließen, ist umso gefährlicher, da Deutschland parallel noch mit der Bewältigung des Zuzugs von Flüchtlingen beschäftigt ist. Wie kann man sicherstellen, dass sich unter die Flüchtlinge, die jeden Tag an Deutschlands Grenzen ankommen, nicht auch Terroristen mischen? Hinzu kommt: Deutschland beteiligt sich an einer Koalition, die bisher im Kampf gegen den IS kaum Erfolge erzielen konnte.

Deutschland ist nicht das erste Land, das sich spät und nach Zögern der Anti-IS-Allianz anschließt. Auch die Türkei hat sich lange herausgehalten. In dieser Zeit blieb sie nicht nur von Anschlägen verschont, sie konnte sogar entführte türkische Staatsbürger austauschen. Seit dem Beitritt zur Koalition wurde die Türkei hingegen Opfer einer Serie von grausamen Anschlägen.

Deutschland hatte nach den Anschlägen von Paris drei Optionen: Es hätte an seiner Politik der Zurückhaltung festhalten können und so eine direkte Konfrontation mit dem IS vermieden. Es hätte zweitens eine enge Kooperation mit Verbündeten vor Ort eingehen können, also eine breit angelegte Unterstützung der gemäßigten Rebellen in Syrien und der Armee in Irak. Das wäre der effektivste Weg den IS zu bekämpfen. Er ist nur am Boden zu schlagen.
Deutschland entschied sich für Option drei: den Eintritt in die Anti-IS-Koalition, die auf Luftschläge setzt. Dieser Mittelweg ist die schlechteste Wahl. Die Luftangriffen waren schon bisher wenig effektiv und haben auch in Zukunft kaum Aussicht auf Erfolg. So steigt die terroristische Bedrohung für Deutschland, aber leider nicht die Chance, den IS zu zerstören.

Yahya Alaous, 42, ist syrischer Journalist und derzeit Mitarbeiter in der Berliner Handelsblatt-Redaktion. Im gedruckten Handelsblatt und auf Handelsblatt.com berichtet er in den kommenden Wochen vom Krieg in seiner Heimat, seinem neuen Leben in Deutschland, der Zukunft seiner Verwandten, Kollegen und Freunde – und über seine Träume.

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