Tagebuch zur Bayern-Wahl: Tag 2
Die bayerische Pionierin

Sie wäre nicht so berühmt, gäbe es da nicht das Youtube-Video. Doch Josefa Schmid hat noch mehr Besonderheiten. Erst war sie CSU-Mitglied. Nun ist sie die einzige FDP-Bürgermeisterin in Bayern. Aus einem einfachen Grund.
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KollnburgDas Telefon klingelt, bestimmt zum fünften Mal in dieser Stunde. Dabei ist eigentlich Brotzeit. Wahrscheinlich ist deshalb im 3000-Seelen-Dorf Kollnburg im Bayrischen Wald auch nur der prasselnde Regen auf dem Asphalt zu hören. Sonst ist es still. Auch das Bürgermeisteramt ist wie ausgestorben. Doch nicht Josefa Schmids Büro.

Denn die 39-jährige ehrenamtliche Bürgermeisterin von Kollnburg ist im Stress, im Wahlkampfstress. Eine Pause kann sie sich nicht leisten. Diese Nacht hat sie nicht geschlafen, erzählt sie, die nächste wird sie wohl auch durchmachen. Es ist noch so viel zu tun. Den Gemeindebrief schreiben, die Wahlwerbung beilegen und die üblichen Pflichten einer Bürgermeisterin. Und da ist auch noch das Telefon, das nicht stillsteht.

Zum Teil liegt das an einem Video, das die Politikerin auf Youtube veröffentlicht hat. Schmid singt da ihre Version des Liedes „Weilst A Herz Host Wie A Bergwerk“ von Rainhard Fendrich. Eine Bürgermeisterin, die auch noch singt? „Ich habe das Video nicht für den Wahlkampf gemacht“, sagt sie. Fast guckt sie dabei ein bisschen trotzig. Denk doch, was du willst, scheint ihr Gesichtsausdruck zu sagen, auch die verschränkten Arme sagen das.

Der Grund ist verständlich: Um dieses Video gab es fast schon einen Medienhype. Natürlich, sagt Schmid, sei die Aufmerksamkeit das Beste, was ihr passieren könne, so kurz vor der Wahl. „Zwar weiß ich immer nicht genau, was ich denken soll, wenn die Menschen zu mir kommen und sagen: 'Sing doch was', und nicht über meine politische Arbeit mit mir reden wollen.“ Doch sie weiß auch, dass sie so Menschen erreicht, die sich sonst vielleicht nicht für Politik interessieren würden. Dieses Video hat sie weit über die Grenzen von Bayern ein wenig berühmt gemacht.

Da klingelt wieder das Telefon, es geht um den Wahlkampf, der eigentliche Grund, weshalb sie gerade die Nächte durchmacht. In den letzten Tagen vor der Wahl will sie noch einmal alles geben. Sie will es in den Landtag schaffen. Warum? „Ich will für die Region noch mehr bewegen.“

Das drängendste Problem für Kollnburg ist der demografische Wandel, wie in so vielen ländlichen Gegenden. Statistiken zu Folge muss der Landkreis Regen, zu dem auch Kollnburg gehört, bis 2028 mit einem Bevölkerungsverlust von rund 13 Prozent rechnen. Die Region verliert gerade viele junge Menschen, die Zahl der 16 bis 19-Jährigen wird um 37 Prozent schrumpfen. Dafür gibt es deutlich mehr Ältere, der Anteil der über 60-Jährigen nimmt in fast gleichem Verhältnis zu (33 Prozent).

Bürgermeisterin Schmid und Kollnburg haben sich darauf eingestellt. Doch es gibt Probleme, die sich nicht so einfach lösen lassen. Was tun, wenn die Menschen zu alt oder gebrechlich werden und die steilen, schmalen Gassen im Ort nicht mehr bewältigen können. Oder zum Einkaufen den Ort nicht mehr verlassen können? Denn einen Supermarkt gibt es in Kollnburg nicht.

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Kaum Chancen als Frau in der CSU

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  • Zu diesem Portrait passt doch wunderbar das nachfolgene Interview: http://hamcha.de/josefa-schmid-verbietet-interview/

    Man muss halt flexibel sein...

  • WARUM SOLL DIE FRAUENSEWERBSQUOTE VON "NUR" 45,6% EIN PROBLEM SEIN?


    "Ein weiteres Problem des Dorfs: die Frauenerwerbsquote. Die liege in Bayern im Schnitt bei 67,5 Prozent, in ihrem Heimatlandkreis Regen aber nur bei 45,6 Prozent. Woran das liegt? „Vermutlich an dem konservativen Familienbild in Niederbayern“, sagt Schmid. Eine bessere Kinderbetreuung ist für sie die Antwort."

    Wieso soll eine Frauenerwerbsquote von nur 45,6Prozent irgendwie ein Problem darstellen.
    Womöglich hat die Frauenserbwerbsquote einfach damit zu tun, dass viele Frauen sehr wohl ein Bedürfnis haben sich primär um ihre Kinder zu kümmern, und in Niederbayern in der glücklichen finanziellen Lage sind mit nur einem Haushaltseinkommen aufzukommen.



    In der Diskussion um den Ausbau der Kinderbetretung geht es nicht um die Wahlfreiheit der Frau, diese Wahlfreiheit soll es eben nicht geben. Es geht um die Förderung der berufstätigen Karriefrau als Idealbild der Frau und die Bekämpfung des "konservativen Familienbildes" welches ein Problem darstellt.

    Wohin die Bekämpfung des "konservativen Familienbildes" geführt hat, können wir überall im Land sehen: Die niedrigste Geburtenrate weltweit, zerüttete Familien, Kinder die in diesen Familien leben, und zu desorientierten dysfunktionalen Jugendlichen und Erwachsenen heranwachsen.

  • Diese Frau ist mehr als peinlich und macht die FDP in Bayern unwählbar. Das Video ist sicherlich nicht das was man sich unter Identität im Bayerischen Wald vorstellt.

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