Taktische Entschuldigung
Thierse steht weiter unter Druck

Im Streit um seine Äußerungen über Altkanzler Helmut Kohl (CDU) gerät Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) trotz seiner Entschuldigung weiter unter Druck. Führende CDU-Politiker warfen Thierse vor, er habe sich bei Kohl nur aus taktischen Gründen entschuldigt.

HB BERLIN. Unionsfraktionschef Volker Kauder forderte in der „Berliner Zeitung“ ein Machtwort von SPD-Chef Kurt Beck, der Thierse zu einer Rücknahme seiner Aussage bewegen müsse. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle verlangte Thierses Rücktritt. Beck sieht dagegen keinen Grund, die Debatte fortzusetzen. Kohl habe Thierses persönliche Entschuldigung angenommen, sagte Beck der „Bild am Sonntag“. „Jetzt sollte es gut sein.“ Dem widersprach Kauder. „Thierse hat inhaltlich nichts zurückgenommen und damit seine Entschuldigung vollständig entwertet“, sagte der CDU-Politiker. Deshalb erwarte er ein klärendes Wort Becks.

Wenn sich der Vizepräsident des Parlaments „für seine Entschuldigung entschuldigt, verhält er sich unwürdig“, begründete Westerwelle in der „Bild am Sonntag“ seine Rücktrittsforderung. „Daran ändern auch die Beschwichtigungsversuche von Herrn Beck nichts.“ Westerwelle reagierte auf eine Aussage des Sozialdemokraten, der sich bei Kohl entschuldigt hatte, Presseberichten zufolge aber kurz danach erklärt hatte: „Mir ist ein Fehler unterlaufen - nicht in dem, was ich gesagt habe, sondern indem ich ein Interview nicht autorisiert habe.“

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) nannte Thierses Entschuldigung „nur taktisch motiviert und nicht ernst gemeint“. Er legte in der Tageszeitung „Die Welt“ ebenso wie der CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs Thierse den Rücktritt nahe. „Thierse ist untragbar, er muss weg“, sagte Fuchs der Zeitung.

Der Generalsekretär der Südwest-CDU, Thomas Strobl, brachte zudem Thierses Vergangenheit als Ostdeutscher ins Spiel: „Dabei würde dieser Herr Thierse heute immer noch im Dunkeln - nämlich hinter Mauern und Stacheldraht - sitzen, wenn nicht Helmut Kohl und die CDU die historische Chance ergriffen hätten.“

Thierse hatte sich zum Rücktritt von Vizekanzler Franz Müntefering geäußert, der sich künftig um seine schwer kranke Frau kümmern will. Thierse wurde unter Hinweis auf Kohls Frau Hannelore, die sich wegen ihrer Lichtallergie das Leben genommen hatte, mit den Worten zitiert: „Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal.“ Das Zitat löste einen Proteststurm aus. Auch Oppositionspolitiker fordern Thierses Rücktritt.

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