Talk bei Anne Will
Sprechautomaten deuten den Lindner-Rücktritt

Bei Anne Will wurde aus aktuellen Anlässen über die FDP- und die Bundespräsidenten-Krise gestritten. Journalist Jörges gewann das Duell gegen FDP-Mann Niebel. Die Diskussion begann lebhaft und ließ stark nach.
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Besondere Tagesaktualität zählte in den letzten Wochen nicht gerade zu Qualitäten, um die sich die ARD-Talkshows und speziell die von Anne Will bemühten. Lieber wurde über „Malochen bis 67 und dann arm - ist das sozial?“ oder „Versichern, verkaufen, verschaukeln - wer traut noch seinem Berater?“ diskutiert. Am gestrigen Mittwoch aber reagierte die Redaktion schnell und kippte das ganz besonders zeitlose Thema „Deutschland, deine Beamten - überversorgt und überflüssig?“ aus dem Programm, um topaktuell die Politikkrisen um Bundespräsident Christian Wulff und den zurückgetretenen FDP-Generalsekretär Christian Lindner zu diskutieren.

Immerhin munter los ging es. Entwicklungsminister Dirk Niebel, als FDP-Generalsekretär der Vorgänger des zurückgetretenen Lindner, wiederholte gleich mehrmals „Ich bin fest davon überzeugt, dass Patrick Döring“, Lindners Nachfolger also, „ein guter Generalsekretär sein wird“ – seine Antwort auf die Frage, ob er den Rücktritt bedaure. So bekam Moderatorin Will Gelegenheit, mal wieder kurz die schon lange nicht mehr (und auch gestern nur vorübergehend) ausgefüllte Rolle einer harten Nachfragerin zu schlüpfen. Und Niebel konnte sein Image als „Sprechautomat“ auffrischen.

Solche Qualitäten brauchte er gestern auch, wie schon die ersten Einlassungen des mutmaßlichen Rekordtalkshowgastes Hans-Ulrich Jörges (gastierte vor zwei Wochen in Wills Guttenberg-Diskussion und am Montag in Frank Plasbergs „Angst um den Wohlstand“-Diskussion) zeigte. Erklärungen wie die Niebels „machen die Politikkrise immer noch größer“, sagte der „Stern“-Journalist. Lindner sei zurückgetreten, um „sich nicht selbst weiter zu beschädigen“, FDP-Parteichef Philipp Rösler sei „vollkommen inkompetent als Parteivorsitzender wie als Wirtschaftsminister“ und werde in ersterer Funktion bald von Rainer Brüderle abgelöst, so lauteten Jörges' atemlose Vorhersagen.

Die einzige Frau unter den Gästen, die Schriftstellerin Thea Dorn, verlagerte die Debatte mit ein paar Sätzen über den Liberalismus an sich und das Charisma aktueller Politiker auf eine noch allgemeinere Ebene. „Wir erleben das Ende der FDP – zurecht“, rief im Brustton der Überzeugung der frühere NDR-Chefreporter Christoph Lütgert aus – der selbst vor allem durch seine Reportagen über Carsten Maschmeyer als ebenso unbeirrbarer Fernsehjournalist wie Selbstdarsteller bekannt ist.

So entwickelte sich die erste Hälfte der Sendung als Gesichtershow: Gerne rückte die Regie Dirk Niebels Miene als die des stoisch alle Vorwürfe ertragenden Prügelknaben ins Bild und ließ dabei seine Brillenränder im Scheinwerferlicht funkeln. Daneben boten Lütgerts massiges Gesicht, das sardonische Lächeln des zunächst zurückhaltenden Jürgen Trittin und der ebenfalls massige, ebenfalls beim Zu-Ende-Bringen noch so langer Sätze kaum beirrbare CDU-Parlamentarier Peter Altmaier Unterhaltungswert. Ein Sprechautomaten-Duell zwischen Jörges und Niebel, das der Journalist souverän gewann, entlockte auch Will entzücktes Lächeln. Es war zumindest aufschlussreicher als die Was-wäre-wenn-Spekulationen über den Ausgang des FDP-Mitgliederentscheids zum Euro-Rettungsschirm.

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Warum ausgerechnet ein Grüner Präsident Wulff verteidigt

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  • Zu stern-Jörges schließe ich mich Ihnen vollkommen an.
    Früher habe ich seine stern-Kolumne sehr geschätzt und oft nur wegen dieser Kommentierung den stern erworben.
    Mittlerweile rege ich mich über Jörges öffentiche Äußerungen nur noch auf, er ist nicht besser als andere „politische Fähnchen im Wind“.
    Er sollte, anstatt wöchentlich in irgendeiner Dumm- Talkshow rumzusitzen und so manchen Blödsinn zu erzählen, sich mal lieber wieder auf seine eigentlichen Aufgaben als Journalist zurückbesinnen.
    So ist er jedenfalls genauso unerträglich, wie Niebel und Altmeier.

  • @margrit117888
    "Jörges war früher auch um Längen besser. Jetzt wird er ständig leicht gereizt und vor allem extrem ideologisch.
    Er verfolgt keine wirkliche Linie mehr.Obwohl stramm links, lobt er ständig Merkel..."
    Sie wiedersprechen sich selbst. Wenn Jörges "extrem ideologisch" sein soll, dann muss er eine Linie haben.
    Ich glaube eher, dass er nicht ideologisch argumentiert, sonder sachbezogen. Das ist seine Linie.

  • @margrit117888
    "Jörges war früher auch um Längen besser. Jetzt wird er ständig leicht gereizt und vor allem extrem ideologisch.
    Er verfolgt keine wirkliche Linie mehr.Obwohl stramm links, lobt er ständig Merkel..."
    Sie wiedersprechen sich selbst. Wenn Jörges "extrem ideologisch" sein soll, dann muss er eine Linie haben.
    Ich glaube eher, dass er nicht ideologisch argumentiert, sonder sachbezogen. Das ist seine Linie.

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