Talkshow-Bilanz 2013
Blabla in Endlosschleife

Deutschland talkt und talkt und talkt. Dabei werden die Titel der Sendungen immer spektakulärer, doch die Themen immer austauschbarer. Wo soll das noch hinführen? Unser Autor zieht die Talkshow-Bilanz 2013.
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BerlinNoch genau ein Jahr wird der Höhepunkt der „Talkshowflut“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen andauern, die mit Günther Jauchs Start als Sonntags-Talker im September 2011 begann. Seither hat die ARD an fünf aufeinanderfolgenden Wochentagen politische Talkshows im Programmschema. Wann die Flut abebben wird, steht bereits fest: Ende 2014 gibt Reinhold Beckmann seine Donnerstags-Talkshow auf. Bis dahin noch zeigen die öffentlich-rechtlichen Hauptprogrammen also sechs politische Talkshows pro Woche – oder bis zu neun, wenn man die Spätabend-Shows des Alles-Mögliche-Talkers Markus Lanz dazuzählt.

Lanz unterhält sich mit Politikern, die ebensogut in Maybrit Illners vorheriger Sendung hätten sitzen können, so schmerzfrei wie mit C-Prominenten des Privatfernsehens. Bloß sind Lanz' Sendungen oft aufgezeichnet, da der Gastgeber, etwa als „Wetten, dass..?“-Moderator, auch noch andere Verpflichtungen hat.

Tatsächlich prägte auch 2013 vor allem die Rivalität der ARD-Talker untereinander das Bild der Talk-Republik. Mit der Raffinesse von „Bild“-Zeitungs-Schlagzeilen und ermüdender Penetranz strapazierten sie große Begriffe. „Den Managern ans Gehalt! Brauchen wir ein Gesetz gegen die Gier?“ und „Herrenwitz mit Folgen – hat Deutschland ein Sexismus-Problem?“, fragte zum Beispiel Jauch, dessen Fernseh-Qualitäten weiterhin in in anderen Genres als dem Polit-Talk liegen. „Das Aldi-Prinzip – wird Deutschland zur Billig-Republik?“, fragte Frank Plasberg, dessen „Hart aber Fair“-Show den Talkshow-Boom einst angeheizt hat und schon lang mit Verschleißerscheinungen kämpft, und „Festgeldkonto schlägt Echte Liebe – was lehrt uns der Bayernsieg?“.

„Schluss mit Rauchen, Fleisch und Alkohol/Will der Staat uns umerziehen?“ und „Deutschland gerecht: Mehr Steuern für Reiche?“ lauteten die Titel von Sandra-Maischberger-Shows in aufeinander folgenden Wochen. „Merkels Euro-Kurs in der Kritik – sind wir Europas Zuchtmeister?“ und „Große Koalition – Der große Wurf für Deutschland?“, fragte Anne Will, die auf Jauchs Sendeplatz sinnvoller eingesetzt wäre als am oft sehr späten Mittwochabend, an dem ihre Shows aus unerfindlichen Gründen stets lange 75 Minuten dauern müssen. „Deutschlands Schüler – überfordert und unterfördert?“ und „Sind wir auf dem Weg in die Ego-Gesellschaft?“ fragte Beckmann.

Sehr oft geht es um „Deutschland“ an sich oder um „uns“. Selbst wenn so ein Ansatz mal stimmig sein sollte, die Wiederholung des Musters führt ihn ad absurdum. Die SPD-Strategen, die den Wahlkampfslogan „Das Wir entscheidet“ ersonnen haben, dürften zu viele Talkshows gesehen haben. Dabei darf man die Titel der Sendungen natürlich nicht überbewerten. Sie dienen allein dem Kampf um Aufmerksamkeit. Daran, am Ende einer Sendung die Frage vom Anfang zu rekapitulieren und zu überlegen, ob eine Antwort nähergerückt ist, denken Talkshow-Gastgeber grundsätzlich nicht.

Kommentare zu " Talkshow-Bilanz 2013: Blabla in Endlosschleife"

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  • Ei wirklich guter Artikel
    Talk-Runden ja, aber anders.
    Genau das ist richtig.
    Ich erinnere mich noch an die Runden mit dem Böhm "Talk im Turm" Da waren auch immer normale Menschen, also Bürger dabei.
    Aber heute? Nur Geplapper. Am Montag beginnt Plasberg und dann geht es täglich weiter und meist mit dem selben Thema.
    Bei Plasberg werden dann immer Zuschauermeinungen verlesen. Dass diese Brigitte Büscher da immer nur die zustimmenden raussucht, merkt das Publikum nicht. Geht man das Gästebuch der Sendung mal nach, stehen da ganz andere Sachen.
    Also schön nach dem Motto nur nichts Negatives sagen
    Der Talk-Stammgast war immer dieser Altmeyer, einfach entsetzlich.
    Die Talkrunden haben immer so was von Leute-Verdummung, in gewisser Weise Manipulation

  • Leiden
    Stimmt, was Sei sgen.
    Aber Sie dürfen natürlich nicht vergessen, dass die von der Leyen an einem extrem krankhaften Geltungsdrang leidet

  • @ Mazi
    „Sollte man diesen Persönlichkeiten nicht die Plattform schaffen?.... Sind wir uns einig? Talkrunden ja, aber anders!“

    Ich bin bei Ihnen, wäre es der Anspruch dieser Runden so zu agieren. Ist er aber nicht, es geht ausschließlich um Quoten und Darstellung der derzeit im BT vertretenen Parteien und deren Irrtümer, die als das nonplusultra dargestellt werden. Bedenken Sie, daß diese Runden nicht von den Sendern generiert werden, sondern von den Firmen der Moderatoren. Um auf dem Sendeplatz verbleiben zu können, ist politische Korrektheit angesagt. Das beste Beispiel dafür war die Plasbergsendung über die Mohammedkarikaturen und seinem Kniefall vor dem Islam. Dieses Verhalten setzt sich über die Auswahl der eingeladenen Personen fort. Kein kritisches Wort zum Thema, es wird in diesen Sendungen zerredet. Sollte es Personen gegeben haben die in solchen Sendungen tatsächlich etwas zu sagen hatten, werden sie zukünftig nicht mehr eingeladen. Der Muslim Bassam Tibi war in den 1970er u. Anfang der 1980er Jahre häufig Gast in diesen Runden und sagte dort seine kritische Meinung im Umgang dieser Gesellschaft mit dem Islam. Er ist zu unbequem und wurde nicht mehr eingeladen, so unbequem, daß nicht einmal seine Bücher in der deutsche Presse rezensiert werden. Sehen Sie sich die politische Ausrichtung der Führungsgremien der Sendeanstalten an, rot ist die vorherrschende Farbe. Und wie sieht es in der Presse aus?

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