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Talkshows 2012: Wieder viel Erregung

Wer dominierte das Jahr 2012 medial? Kanzlerin Merkel wurde fast 25.000 Mal in den Zeitungen erwähnt. Die Könige der Talkshows heißen Ursula von der Leyen und Wolfgang Kubicki - keiner war öfter bei Jauch, Illner und Co.

Neben sechs täglichen Talkshows bei den Öffentlich-Rechtlichen ist noch das Format von Stefan Raab hinzugekommen: In „Absolute Mehrheit“ kämpfen die Gäste um die Zustimmung der Zuschauer.
Neben sechs täglichen Talkshows bei den Öffentlich-Rechtlichen ist noch das Format von Stefan Raab hinzugekommen: In „Absolute Mehrheit“ kämpfen die Gäste um die Zustimmung der Zuschauer.

BerlinDer Erregungsmaschinerie in der Berliner Republik machte in diesem Jahr ausgerechnet Thilo Sarrazin einen Strich durch die Rechnung. Das neueste Buch des ehemaligen Bundesbankers erfüllte bei weitem nicht die Erwartungen vieler in der Politik und auch nicht im Gewerbe der TV-Talkshows. Es gab in seinem Euro-Buch "Europa braucht den Euro nicht" keine Bemerkungen, die als ausländerfeindlich kritisiert werden konnten. Offenbar fand sich einfach kein Platz, um sich über den Biologismus weitere vertiefende Gedanken zu machen.

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Die Emotionsmaschine stockte, aber nicht lang. Sarrazin blieb ein Ausnahmefall. Andere vertraute Gesichter wie der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki oder die CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen drehten wie gewohnt oft genug voll im Leerlauf. Der FDP-Politiker und die CDU-Politikerin waren laut einer MEEDIA-Recherche im Jahr 2012 am häufigsten in den sechs großen Talkshows von ARD und ZDF zu sehen. Als soziales Gewissen der Union setzte sich die Bundesarbeitsministerin für entlassene Schlecker-Frauen, Alleinerziehende oder Kinder von Hartz-IV-Empfängern ein. Erregte damit die eigenen Truppen und die Opposition gleichermaßen, auch wenn sich für die Betroffenen kaum etwas veränderte.

Die Talkshow-Könige 2012

  • Spitzenreiter

    Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schafft es mit neun Auftritten in Talkshows auf Platz eins. Ebenso oft hat auch der Spitzen-Liberale Wolfgang Kubicki (FDP) aus Kiel in Talkshows seine Thesen vorgebracht.

    Quelle: Meedia

  • Weit vorn

    Sahra Wagenknecht, Bundestagsabgeordnete der Linken, ist acht Mal in den einschlägigen Shows aufgetreten. Ebenso Wolfgang Bosbach (CDU): Er stimmte gegen diie Fraktionsdisziplin und bekam dafür viel Aufmerksamkeit. e Fraktionsdisziplin und bekam dafür viel Aufmerksamkeit.

  • Mittelfeld

    Sechs Auftritte: Darauf bringen es die meisten Talkswhow-Könige. Zum Mittelfeld zählen die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, NRW-Liberalen-Chef Christian Lindner, Ex-Spitzenpolitiker Heiner Geißler (CDU), der ehemalige Sozialminister Norbert Blüm (CDU) und der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann.

  • Verfolgergruppe

    Ministerpräsident a.D. Edmund Stoiber (CSU), Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU), Ex-Linke-Chef Oskar Lafontaine und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sind jeweils fünf Mal in Gesprächssendungen 2012 aufgetreten.

  • Zurückgeschlagen

    Unter den Grünen ist Fraktionsvorsitzender Jürgen Trittin mit drei Besuchen führend. Generell gilt: Die Spitzen-Grünen teilen sich die Besuche eher auf.

Das gleiche Geschäftsmodell betreibt Wolfgang Kubicki. Der schleswig-holsteinische FDP-Fraktionschef sprach über alles und jeden, schoss aber vor allem gerne auf das eigene Tor und den Parteivorsitzenden. Erst gestern kündigte er zum wiederholten Mal an, im kommenden Bundestagswahlkampf eine führende Rolle übernehmen zu wollen. "Ich will nicht tatenlos zusehen, wie meine Partei vor die Hunde geht", rums, ein Blattschuss wieder in die eigenen Reihen.

Von der Leyen und Kubicki stehen in einer guten Tradition. Sie beerben als Talkshow-Könige Grünen-Chef Jürgen Trittin und die Allzweckwaffe Heiner Geißler, die den Titel 2011 und 2010 gewonnen hatten. Nicht zu vergessen die viel zitierten Euro-Kritiker Wolfgang Bosbach, Frank Schäffler oder Klaus-Peter Willsch, die ein Krisenszenario nach dem anderen entwarfen. Vieles sagten sie zu Griechenland zu Recht, aber gestern stufte die Ratingagentur Moody's das Land wenigstens ein paar Stufen höher. Immerhin ein kleiner Lichtblick, der die Negativserie an Meldungen für kurze Zeit zum Stoppen brachte.

Ein Blick zurück in die Bonner Zeiten zeigt: Gegen was, wen oder wogegen geschossen wird, bleibt mittlerweile häufig zweitrangig. Hauptsache, man bleibt auf Sendung, empört und echauffiert sich. Die Verhältnisse in der Berliner Republik sind nicht annähernd so ruhig und gemütlich wie im Rheinland. Privates blieb damals auch meist privat. Vielleicht gab es damals aber auch nur weniger Politiker vom Schlage eines Karl-Theodor zu Guttenberg, der die Selbstinszenierung von Politik wie kein anderer zelebrierte.

Beckmann und Co. Auf welche Talkshows die Deutschen verzichten würden

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Beispielhaft für diesen Drang nach Aufmerksamkeit stehen etwa die rund 89 Pressemitteilungen, die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht im vergangenen Jahr verschickt hat - dieser Zahl stehen gleichwohl gerade mal 100 Sitzungstage im Bundestag gegenüber. Und der Ton jeder einzelnen Meldung lässt eigentlich nur einen einzigen Schluss zu: Die Republik steht unmittelbar vor dem Zusammenbruch, der Apokalypse. Mindestens. Mal zetert die Linken-Abgeordnete darüber, dass sich die Bundesregierung zum "Komplizen der Finanzhaie" macht, ein anderes Mal stilisiert Wagenknecht Kanzlerin Merkel gar zur "Gefahr für die Weltwirtschaft". Die so gescholtene Kanzlerin gibt sich alle Mühe, nicht Teil der Empörungsmaschinerie zu werden. SPD-Herausforderer Peer Steinbrück musste sich angesichts seiner Nebeneinkünfte darum nicht mehr kümmern.

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