Tanja Gönner
Auf Merkels Liste steht sie weit oben

Wenn in Berlin von einer Kabinettsumbildung geredet wird, fällt meist der Name von Tanja Gönner. Der Naturschutz- und Verkehrsministerin von Baden-Württemberg trauen viele Parteifreunde eine bundespolitische Karrier zu. Doch die 41-Jährige winkt ab.
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STUTTGART. Stuttgart 21 hat Baden-Württembergs Umwelt-, Naturschutz und Verkehrsministerin Tanja Gönner im Eiltempo bundesweit bekanntgemacht. Sie war live im "Heute-Journal", bei "Beckmann" und stellte sich den Fragen in der Talk-Show "Hart aber fair". Viele in der CDU trauen der 41-Jährigen auch eine bundespolitische Karriere zu. Ihr Name fällt immer dann, wenn es um eine mögliche Kabinettsumbildung in Berlin geht. "Da ist absolut nix dran", sagte die Volljuristin aus der Nähe von Sigmaringen beim Landespresseball am Freitagabend in Stuttgart.

Der Bundeskanzlerin ist die resolute Schwäbin mit der steilen Karriere schon lange ein Begriff. "Die beiden kennen und schätzen sich", heißt es in CDU-Kreisen. Doch die intelligente, fleißige und faktenorientierte Politikerin gilt als engste Beraterin des ansonsten vor allem seinen Instinkten vertrauenden Ministerpräsidenten Stefan Mappus. Wenn Mappus der Kopf der Regierung ist, dann ist sie das Hirn, heißt es in Stuttgart. Für ihn und sein ansonsten blasses Kabinett ist sie vor und wohl auch nach der schwierigen Landtagswahl im kommenden März nahezu unverzichtbar.

Als Gönner am Freitag ihr Dementi zu Protokoll gibt, ist der Abend schon weit fortgeschritten. Doch sie wirkt immer noch taufrisch - trotz eines wahren Marathons an Terminen. Von einer Umweltministerkonferenz kommend, hat sie in der Nacht kaum geschlafen. Stundenlang saß sie dann tagsüber bei der Schlichtung zum umstrittenen Projekt Stuttgart 21.

Man merkt der früheren Leichtathletin Konditionsstärke an. Mit ihrer Hartnäckigkeit hat sie schon so manchen politischen Gegner mürbe gemacht. In der Sache ist Gönner immer knallhart, analysiert messerscharf. Die ledige Politikern wirkt mit ihrem Kurzhaarschnitt burschikos, Kritiker halten sie für unterkühlt. Ihr leichter Silberblick macht sie nicht gerade telegen. Aber ihre schnörkellose Art ist beliebt.

Der Vater war Fußballschiedsrichter, sie hat ihn häufig zu Spielen begleitet. Vielleicht rührt daher ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und ihre Entscheidungsfreude. Zweikämpfe scheut sie jedenfalls nicht. Im Gespräch überspielt sie mit spitzbübisch gewinnendem Lächeln gern ihre Härte.

Bisher hat die ihr nicht geschadet: Mit 16 tritt sie in die Junge Union ein, mit 30 kommt sie in den Bundesvorstand der CDU, mit 33 wird sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Dann sagt der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel, sie sei eines der großen Nachwuchstalente der Partei. Und macht sie mit 34 Jahren zur Sozialministerin in Baden-Württemberg.

Auch den Wechsel an der Landesspitze zum parteiinternen Konkurrenten Oettinger überlebt die konservativ geprägte Absolventin einer katholischen Mädchenschule. Unter Mappus, der Anfang des Jahres Oettinger beerbt, steigt Gönner zur wichtigsten Ministerin auf. Sie bekommt von ihm mit dem Bereich Verkehr mehr Kompetenzen und die Zuständigkeit für Stuttgart 21, das heikelste Projekt im Land.

Beim Landespresseball am Freitag saß sie zunächst die Zeit ab. Dann tanzte sie doch mit. Vielleicht lag es an den Liedtextzeilen. "Sag mir quando, sag mir wann", trällerte es im Saal.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Tanja Gönner: Auf Merkels Liste steht sie weit oben"

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  • irgendwie hat sie was!

    Danke für jede info.

  • in der CDU grassiert geistige Armut und Überheblichkeit. Merkel hat jeden letzten Rest von Anstand und Vernunft verloren. Eine Partei der Egoisten und Selbstbedienung. Deutschland Gute Nacht!

  • "Auf Merkels Liste steht sie weit oben"

    bitte nicht! Während unsere Politiker die "Erosion der parlamentarischen Demokratie" beklagen, sind es genau solche Personen wie Frau Gönner, welche eine der Hauptursachen für diese Entwicklung darstellen.

    Und zwar nicht, weil sie für Stuttgart 21 eintritt, sondern weil sie die Wahrheit ständig verdreht und außerdem noch persönliche interessen (ECE-Einkaufszentrum) mit öffentlichem Amt nicht sauber auseinander gehalten hat! Wenn dies für das Kabinett Merkel qualifiziert - na dann gute Nacht Deutschland!

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