Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie
Geteilte Freude ist doppelte Freude

Die Verhandlungen waren hart und am Ende stand ein Kompromiss. Auch wenn sich beide Seiten zufrieden zeigten: Das bessere Ende für die IG Metall scheint doch erkennbar. Gewerkschafts-Chef Jürgen Peters gab sich dennoch alle Mühe, seine Freude über den Tarifabschluss für die Metall- und Elektroindustrie nicht zu sehr zu zeigen.

HB DÜSSELDORF. „Es gibt in der Tarifpolitik keine Sieger und Verlierer“, gab sich Peters am Samstag im Düsseldorfer Hilton großzügig, nachdem seine Gewerkschaft den Arbeitgebern in 18-stündigen Dauerverhandlungen bei der Lohnerhöhung eine Drei vor dem Komma abgerungen hatte. Gerade diese symbolische Zahl hatten die Arbeitgeber partout verhindern wollen. Ein „Kompromiss den beide Seiten tragen können“, lobte der Gewerkschaftschef den Pilotabschluss in Nordrhein-Westfalen, der für alle Tarifbezirke übernommen werden soll.

Auch die Arbeitgeber mochten sich da nicht als Verlierer der emotionsgeladenen Tarifauseinandersetzung sehen. Ein Einstieg in Flexibilisierung bei der Entlohnung habe den Arbeitgebern erlaubt, bei der Lohnerhöhung mit 3,0 Prozent „bis an den oberen Rand der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Betriebe“ zu gehen, meinte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser. Unternehmen in Schwierigkeiten können mit ihren Betriebsräten darüber verhandeln, die für März bis Mai vereinbarte Einmalzahlung von 310 Euro bis auf Null abzusenken. Gegen eine solche Öffnungsklausel hatte sich die Gewerkschaft bisher stets gewehrt.

Doch bis es zu der hoch gelobten Einigung kam, mussten beide Seiten einen Verhandlungsmarathon in Trippelschritten absolvieren – und nicht immer ging es dabei vorwärts. Mal sah die Gewerkschaft die Verhandlungen kurz vor dem Abbruch, mal bezeichnete Kannegiesser das Gesprächsklima als „sehr schlecht“. Dabei waren beide Seiten am Freitagmittag mit Zugeständnissen in die siebte Verhandlungsrunde gestartet. Die IG Metall reduzierte ihre Fünf-Prozent-Forderung auf 3,4 Prozent, die Arbeitgeber boten 2,0 Prozent plus Einmalzahlung. Doch gerade das Arbeitgeberangebot, dass nach Berechnungen der Gewerkschaft noch unter der bisherigen Offerte lag, ließ die Stimmung schnell einfrieren.

Vor allem die beiden NRW-Verhandlungsführer Detlef Wetzel für die IG Metall und Michael Jäger von den Metall-Arbeitgebern mussten deshalb ein Mammutprogramm absolvieren. Immer wieder verließ Wetzel die Verhandlungen um eine Etage tiefer mit seinen Bezirksleiter- Kollegen Details abzustimmen. Jäger blieb in ständigem Kontakt mit Süd-West-Arbeitgeberchef Otmar Zwiebelhofer, der in den vergangen Jahren die Pilotabschlüsse aushandelte.

Im Hintergrund begleiteten Kannegiesser, Peters und IG Metall-Vize Berthold Huber die Verhandlungen. Mal setzten sich Kannegiesser und Peters unter vier Augen zusammen, mal loteten Huber und Zwiebelhofer Lösungsmöglichkeiten aus. Als „zielgerichtete Gespräche“ bezeichnete Jäger später dieses Gesprächskarussell. Beim Durchbruch stand schließlich der deutsche Universalgelehrte Gottfried Wilhelm von Leibniz Pate. In dem nach ihm benannten Konferenzraum schlug eine Spitzenrunde schließlich den Gordischen Knoten durch.

Die Einigung hat nach Ansicht von Kannegiesser durchaus Vorbildcharakter. Die Tarifpartner der Metallbranche hätten gezeigt, dass sie „ohne Eskalation oder eine lange Hängepartie, wie wir sie in anderen Bereichen erleben“ zu einer Einigung finden können. Auch darin war er sich mit seinem Kontrahenten Peters einig.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Pilot- Einigung auf einen neuen Tarifvertrag in der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie begrüßt. Es sei gut, dass ein Arbeitskampf habe abgewendet werden können, sagte Merkel nach Angaben eines Regierungssprechers am Samstag in Berlin. Besonders hob die Kanzlerin die Vermögenskomponente für die Alterssicherung hervor. Zudem werde mit dem Einstieg in ertragsabhängige Komponenten durch Einmalzahlungen ein zeitgemäßer Ansatz verfolgt.

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