Tarifbeschäftigte: Reallöhne steigen – aber langsamer als in den Vorjahren

Tarifbeschäftigte
Reallöhne steigen – aber langsamer als in den Vorjahren

Wegen der niedrigen Inflation steigen die Reallöhne der Tarifbeschäftigten weiter. Den größten Zuschlag erhielten die Mitarbeiter in der Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft. Bei den Banken fiel das Plus eher klein aus.
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BerlinDie Menschen in Deutschland werden trotz der mickrigen Sparzinsen in der Summe immer vermögender. Nach vorläufigen Berechnungen der DZ Bank dürften die Geldvermögensbestände der privaten Haushalte im vergangenen Jahr um knapp 230 Milliarden Euro auf gut 5,7 Billionen Euro gestiegen sein. Zugleich legten die Tariflöhne und -gehälter im vergangenen Jahr deutlich zu – die andauernd niedrige Inflationsrate ließ den Tarifbeschäftigten damit deutlich mehr Geld im Portemonnaie.

Die Reallöhne der etwa 19 Millionen Beschäftigten in Deutschland mit einem Tarifvertrag sind 2016 allerdings langsamer gestiegen als in den Vorjahren. Ihre Löhne und Gehälter legten um durchschnittlich 2,4 Prozent zu, ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Auswertung des Tarifarchivs des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI). Nach Abzug der Inflation – die im vergangenen Jahr bei 0,5 Prozent lag – bleibt davon ein reales Plus von 1,9 Prozent übrig. 2015 waren die Reallöhne noch um 2,4 Prozent und 2014 um 2,2 Prozent gestiegen.

„Damit ist es den Gewerkschaften erneut gelungen, Tarifsteigerungen durchzusetzen, die deutlich oberhalb der laufenden Preissteigerungsrate lagen und die Beschäftigten auch am Produktivitätsfortschritt teilhaben ließen“, sagte WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck der Mitteilung zufolge.

Insgesamt schlossen die DGB-Gewerkschaften Lohn- und Gehaltstarifverträge für rund 10,8 Millionen Beschäftigte ab. Den größten Zuschlag erhielten die Mitarbeiter im Bereich Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft mit nominal 3,5 Prozent, gefolgt vom Handel mit 2,9 Prozent sowie dem Baugewerbe und den Privaten Dienstleistungen mit jeweils 2,7 Prozent. Bei den Banken und im Versicherungsgewerbe fiel das Plus mit 1,5 Prozent dagegen vergleichsweise gering aus.

Die Tarifrunde 2017 läuft bereits. Verhandelt wird schon in der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie, demnächst im öffentlichen Dienst der Länder. Ende Februar laufen die Verträge in der Eisen- und Stahlindustrie sowie der ostdeutschen Energiewirtschaft aus. Danach folgen Versicherungsgewerbe, Einzelhandel sowie Groß- und Außenhandel und Kfz-Gewerbe.


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Die Forderungen bewegen sich zwischen 4,5 und sechs Prozent, erklärte das Tarifarchiv. Für 2017 rechnet Bispinck mit einer Fortsetzung des moderaten Konjunkturaufschwungs.

Der Anstieg bei den Geldvermögen lag mit 4,1 Prozent nur leicht unter dem des Vorjahres (plus 4,8 Prozent). Dies erklärten die Volkswirte des genossenschaftlichen Spitzeninstituts in ihrer am Donnerstag veröffentlichten Studie zum Großteil mit Wertzuwächsen bei Aktien und Fonds. Die „Jahresend-Rally im Dezember“ habe „für ordentliche Kursgewinne und damit für die wenigen Lichtblicke des Anlagejahres 2016“ gesorgt.

Neben Kursgewinnen habe vor allem „der anhaltende Sparfleiß der Bürger“ für den Aufbau des Geldvermögens gesorgt. Die Ökonomen des Frankfurter Instituts gehen davon aus, dass die Sparquote im abgelaufenen Jahr erneut leicht von 9,7 Prozent auf 9,8 Prozent gestiegen ist - heißt: Von 100 Euro verfügbarem Einkommen werden 9,80 Euro auf die hohe Kante gelegt.

„Offenbar lassen sich die privaten Haushalte in Deutschland nicht durch das Extrem-Niedrigzins-Niveau entmutigen“, heißt es in der Studie. Begünstigt wurde die Sparneigung zusätzlich von der positiven Einkommensentwicklung: Nach DZ-Bank-Einschätzung dürften die nominal verfügbaren Einkommen 2016 binnen Jahresfrist um gut 2,5 Prozent gestiegen sein - ohne größere Kaufkraftverluste durch Inflation.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Selbstverständlich sind wir auf einem falschen Weg… Aber welcher Weg ist der richtige? Und für wen ist welcher Weg der richtige? Es kommt immer auf die Perspektive an. Diejenigen die die Welt regieren (die „Elite“), die im Hintergrund ihre Strippen ziehen, die sind davon überzeugt, dass sie den richtigen Weg gehen. Und sie tun alles, damit sich für sie nichts daran ändert.

    Als das Zinssystem eingeführt worden war, haben viele noch nicht ahnen können was für Ausmaße das ganze eines Tages annehmen würde. In Verbindung mit dem Kapitalismus ist diese Kombination für die meisten Menschen auf dieser Welt schlicht menschenverachtend.

    „Brechen der Zinsknechtschaft“ – Einer wollte es angehen, man hat ihm leider nicht die Gelegenheit dazu gegeben.

    Und wie sagte schon Henry Ford einst: „Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – noch vor morgen früh.“

    Diejenigen die an der Macht sind, wollen auch möglichst lange weiter an der macht bleiben. Und damit das so bleibt, muss man den Großteil der Bevölkerung „beschäftigen“. Sei es mit Arbeit, Werbung, Unterhaltung, etc. Das Gros der Bevölkerung darf nicht auf den Gedanken kommen, zu viele Dinge kritisch zu hinterfragen. Eine Revolte könnte sich auftun.

    Eine freie Presse gibt es gar nicht und sie ist auch nicht gewollt. Denn wenn die Journalisten tatsächlich frei wären, würden sie sehr unangenehme Dinge ans Tageslicht bringen. Und das wiederum kann dann sehr unangenehme Folgen für die „Elite“ haben. Deshalb werden auch die Medien wie ein Hund an der Leine gehalten.

    Und weil alles miteinander so schön verzahnt ist, befindet sich die Menschheit im Hamsterrad. Die meisten haben kein Interesse an Politik, Wirtschaft und Co. Es ist ihnen schlicht zu lästig sich mit dem Thema zu beschäftigen. Solange bis es sie selber mal erwischt… Desinteresse, Angst und Hoffnungslosigkeit sorgen dafür, dass sich an der Gesamtsituation nichts ändern wird, leider...

  • @Harald: schon mal auf den Gedanken gekommen, dass Sie eine tendenziöse Berichterstattung erwarten und die bloss nicht bekommen?

  • @Harald

    Das wäre sogar die ureigenste Aufgabe der Öffentlich-rechtlichen Medien, die man ja per TV-Steuer in Form einer Zwangsabgabe finanzieren muss, nur leider finde ich, werden die Gelder eher zur politischen Verdummung der Zwangszahler eingesetzt.

    Die Wahheit lässt sich allerdings nur eine Zeit lang unterdrücken, weil sie irgendwann auch mit Macht im Wohnzimmer des Bürgers aufschägt.

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