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Neue Kita-Streiks nach gescheiterten Gesprächen

Eltern müssen weiterhin mit massiven Streiks an den Kindertagesstätten rechnen. Die Tarifverhandlungen für die kommunalen Kitas seien vorerst gescheitert, teilte die Gewerkschaft Verdi in Berlin mit.

HB BERLIN. Gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lehnte Verdi am Mittwoch ein erstes Angebot der Arbeitgeber zum verbesserten Gesundheitsschutz der Erzieherinnen ab. Einen neuen Termin für Verhandlungen gibt es noch nicht. Für diesen Donnerstag sind deshalb weitere Streiks geplant. Die GEW überlegt, nächste Woche in einzelnen Ländern Streik-Schwerpunkte zu setzen.

"Mit ihrer Blockadepolitik und Hinhaltepolitik provozieren die Arbeitgeber weitere Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst", sagte die GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad nach dem Scheitern der Verhandlungen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) über einen Gesundheitsschutz-Tarifvertrag. "Die Arbeitgeber wollen einen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien reibungslosen Ablauf in den Kitas und deren Wettbewerbsfähigkeit stärken", sagte Schaad. "Die Gesundheit der Erzieherinnen ist ihnen herzlich egal."

Nach Angaben der Gewerkschaften beteiligten sich am Mittwoch 15 000 Beschäftigte an parallel zu den Verhandlungen stattfindenden Streiks, am Dienstag waren es 25 000 gewesen. Verdi und die GEW wollen einen tariflich geregelten Gesundheitsschutz für die 220 000 bei Kommunen angestellten Erzieherinnen und Sozialarbeiter durchsetzen. Zudem fordern sie deutlich Einkommensverbesserungen. Um Geld ging es aber am Mittwoch zunächst noch nicht. Verdi- Bundesvorstandsmitglied Achim Meerkamp sagte, man warte auf ein neues Angebot der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände.

Die Arbeitgeber teilten mit, mit dem Angebot zum Gesundheitsschutz sei der Anlass für die Streiks "vom Tisch". Zu der Offerte gehörte, die Beschäftigten bei der Gefährdungsanalyse des Arbeitsplatzes einzubinden. Außerdem sollte das Gesundheitsbewusstsein der Erzieherinnen gestärkt werden. "Das ist nur ein Scheinangebot", sagte Meerkamp, der von einer "Hinhaltetaktik" sprach. Verdi kritisierte, das Papier der Arbeitgeber enthalte kein einziges Recht der Beschäftigen zur Gesundheitsförderung.

Verdi hatte zum Auftakt der Verhandlungen die Forderung nach einem verbesserten Gesundheitsschutz wie Lärmdämmung und Bewegungsprogrammen bekräftigt. So haben Erzieherinnen wegen des Kindermobiliars oft Rückenprobleme: "Die sitzen den ganzen Tag auf diesen kleinen Stühlen", erläuterte eine Verdi-Sprecherin. Der Lärmpegel einer Kindergruppe sei mit dem eines startenden Flugzeugs zu vergleichen.

Die VKA unterstrich, das Thema Gesundheitsschutz "sehr ernst zu nehmen und hierzu Verhandlungen nie abgelehnt" zu haben. Die Arbeitgeber kritisierten, der Gesundheitsschutz sei nur ein Vorwand, weil für den Gehaltstarifvertrag noch die Friedenspflicht besteht - das heißt, für mehr Geld darf nicht gestreikt werden. "Wir wollen konstruktiv verhandeln", betonte VKA-Hauptgeschäftsführer Manfred Hoffmann zu Beginn der Verhandlungsrunde. Das bisherige VKA-Angebot sieht 220 Euro mehr im Monat sowie neue Entgeltgruppen vor.

Verdi-Chef Frank Bsirske hatte den "Ruhr Nachrichten" gesagt, Erzieherinnen dürften nicht schlechter bezahlt werden als Müllmänner. Monatlich müssten die Beschäftigten je nach Gehaltsstufe 200 bis 1 000 Euro mehr erhalten. Nach Gewerkschaftsangaben verdienen Erzieherinnen im Schnitt etwa 2 400 Euro brutto. Da aber viele Frauen in Teilzeit arbeiten, kämen sie oft auf nur 1 000 Euro netto.

Proteste gab es am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen, wo hunderte Einrichtungen bestreikt wurden. Auch aus Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz sowie Thüringen und Sachsen-Anhalt wurden Arbeitsniederlegungen gemeldet. Hamburg steht ebenfalls vor einem unbefristeten Streik der Kita-Mitarbeiter.

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