Tarifeinigung
Ärztestreik ist vom Tisch

Die Arbeit an öffentlichen Kliniken geht weiter. Am Dienstag wurde zwischen Arbeitgebern und Marburger Bund ein Tarifabschluss erzielt. Damit ist ein bundesweiter Streik abgewendet – zumindest für die nächsten zwei Jahre.

HB WIESBADEN. Die angedrohten Ärztestreiks an den 700 kommunalen Kliniken sind abgewendet. Arbeitgeber und die Ärztegewerkschaft Marburger Bund einigten sich am Dienstag in Wiesbaden auf ein Paket an Gehaltserhöhungen mit einem Volumen von knapp acht Prozent über 24 Monate. Nach Angaben der beiden Tarifparteien erhalten die rund 55.000 Ärzte an den kommunalen Kliniken rückwirkend zum 1. April etwa vier Prozent mehr Geld. Zum 1. Januar 2009 gibt es eine weitere lineare Anhebung um 3,8 Prozent. Zudem wurden die Angleichung der Ost- an die Westgehälter sowie strukturelle Veränderungen in den Tarifen vereinbart. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2009.

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Joachim Finklenburg, sagte, dieser Abschluss werde zusammen mit dem jüngsten Tarifabschluss im öffentlichen Dienst vielen Krankenhäusern große finanzielle Probleme bereiten. Das Tarifpaket für die Ärzte koste die Kliniken in den beiden Jahren 300 Millionen Euro, die nicht annähernd refinanziert seien. Wenn die Krankenhausfinanzierung nicht von der Grundlohnsumme abgekoppelt werde, sei in den nächsten Jahren mit dem Abbau von mehr als 10 000 Arbeitsplätzen in den kommunalen Kliniken zu rechnen.

Auch der Marburger Bund, der mit der Forderung von durchschnittlich 10,2 Prozent mehr Gehalt und der Angleichung der Ost-Gehälter an die im Westen in die Tarifrunde gegangen war, sprach von einem ausgesprochen schmerzlichen und schwierigen Kompromiss. Verhandlungsführer Lutz Hammerschlag sagte, die Gewerkschaft habe dem aber zustimmen können, weil sich die beiden Kernforderungen nach einer linearen Erhöhung und einer Änderung in den Tarifstrukturen in dem Ergebnis wiederfänden. Es gebe eine neue Struktur mit unterschiedlichen linearen Erhöhungen, die etwas mehr für erfahrene Fachärzte und eine etwas geringere Erhöhung für jüngere Ärzte beinhalte.

Ausgesprochen erfreulich sei, dass es 18 Jahre nach der Wiedervereinigung gelungen sei, gleiches Gehalt für Ost und West zu bekommen. „Die ungleiche Bezahlung von ärztlichen Gehältern im Ost und Westen ist damit endgültig zuende“, sagte Hammerschlag.

2006 hatten die Ärzte mit mehrwöchigen Streiks an kommunalen Krankenhäusern und Unikliniken erstmals eigene Tarifverträge und Lohnsteigerungen von rund 13 Prozent durchgesetzt.

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