Tarifgespräche in NRW
Metallindustrie steuert auf Streik zu

Die IG Metall verlangt 6,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Das Tarifangebot der Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen liegt deutlich darunter. Die Zeichen stehen auf Sturm.
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KölnDie Metall- und Elektroindustrie in Deutschland steuert trotz eines ersten Tarifangebots der Arbeitgeber auf Warnstreiks zu. Die IG Metall lehnte die vorgeschlagene Lohnerhöhung von drei Prozent bei einer Laufzeit von 14 Monaten in einer Verhandlungsrunde in Köln am Mittwoch umgehend als unzureichend ab. „Das ist kein Lösungsvorschlag“, bilanzierte ihr Verhandlungsführer für Nordrhein-Westfalen, Oliver Burkhard. Die Arbeitgeber dürften sich nicht wundern, wenn die Gewerkschaft „das Tempo nun auch mit Warnstreiks erhöht“. Während der Friedenspflicht seien keine weiteren Verhandlungen mit den Arbeitgebern mehr geplant.

Die Arbeitgeber betonten indes, sie hätten ein „faires Angebot“ vorgelegt. Ihr Verhandlungsleiter Horst-Werner Maier-Hunke zeigte sich optimistisch und hofft, unbefristete Streiks noch abwenden zu können. „Wir bieten unseren Mitarbeitern einmal mehr eine spürbare Steigerung der Realeinkommen und damit eine echte Teilhabe an der guten Entwicklung unserer Industrie“, betonte Maier-Hunke. Die Arbeitgeber gingen mit dem angebotenen Lohnplus von drei Prozent, das über dem letzten Abschluss in der Branche von 2,7 Prozent mehr Lohn liege, „an die Grenze der Belastbarkeit“. In Nordrhein-Westfalen geht es um 700.000 Beschäftigte.

Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche 6,5 Prozent mehr Geld. Zudem sollen die Auszubildenden unbefristet übernommen werden, und die Betriebsräte sollen beim Einsatz von Zeitarbeitskräften in den Unternehmen mitbestimmen dürfen. Gerade diese beiden Forderungen bereiten den Arbeitgebern Bauchschmerzen. „Wir lehnen einen Zwang zur unbefristeten Übernahme aller Auszubildenden ab“, betonte Maier-Hunke. So gut wie alle Auszubildenden fänden eine Beschäftigung, es gebe kein „generelles Problem“ in diesem Bereich. Die Arbeitgeber seien aber bereit, die Mitgliedsunternehmen in ihrem Bemühen zu unterstützen, Ausgebildete möglichst unbefristet einzustellen.

„Lippenbekenntnisse“ reichten der Gewerkschaft nicht aus, kritisierte dagegen Burkhard. Die Arbeitgeber müssten mehr Mut zeigen. Die Arbeitgeber lehnen aber auch die Forderung der Gewerkschaft nach mehr Mitsprache der Betriebsräte bei der Zeitarbeit ab. Sie argumentieren, dass die Unternehmen vielmehr eine größere Flexibilität benötigten - zumal die IG Metall auch mehr Geld für Zeitarbeiter durchsetzen wolle. Die Gewerkschaft verhandelt parallel mit Arbeitgeberverbänden der Zeitarbeitsbranche. Die Metall-Arbeitgeber wollen nun ihrerseits über tarifliche Öffnungsklauseln für die Branche verhandeln. Beispiele dafür seien von 24 auf 36 Monate verlängerte befristete Arbeitsverträge oder die Möglichkeit, für mehr Mitarbeiter als bisher die Wochenarbeitszeit verlängern zu können.

„Positiv nehme ich zur Kenntnis, dass die Arbeitgeber sich mit allen drei Forderungen beschäftigt haben“, bilanzierte IG-Metall-Bezirksleiter Burkard. „Das ist aber auch schon alles, was an Positivem zu sagen ist.“ Die Beschäftigten der Branche hätten mehr verdient als ein Plus von drei Prozent über 14 Monate. Zum Knackpunkt der Tarifrunde schienen sich zudem die Forderungen nach einer gleichen Entlohnung für Leiharbeiter und mehr Mitsprache bei deren Einsatz zu entwickeln. Burkhard betonte, er sei „finster entschlossen“, das Thema Ausbildung zu lösen.

Die Offerte der Arbeitgeber bringe eine Lösung nicht entscheidend näher, beklagte auch ein Sprecher der IG Metall in Baden-Württemberg. Dort verhandeln die Tarifparteien am Donnerstag. In Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen hatte es in der Vergangenheit Pilot-Abschlüsse gegeben, die von den anderen Bezirken übernommen worden waren. Die Verhandlungen in Nordrhein-Westfalen sollen nun am 11. Mai fortgesetzt werden. Dann ist die Friedenspflicht längst abgelaufen - sie endet am 28. April.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Tarifgespräche in NRW: Metallindustrie steuert auf Streik zu"

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  • Genau das meine ich auch wo liegt das Problem, jedes Jahr wird hier herumposaunt wie herrlich alles sei und wieviel wachstum es wieder gibt u.a. Selbstlob. Dann sollen die Leute mit mickrigen 3 prozent abgespeist werden. ich verstehe die gewerkschaft nicht. wie kann man sich das jedesmal so andrehen lassen ?

  • Bei dem Fachkräftemangel, wie er von der Wirtschaft permanent propagiert wird, sind die Lohnzuwächse von 6% ddoch gewiss verkraftbar. So finden die Unternehmen dann doch wieder besser Personal.

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