Tarifkommission gibt grünes Licht
IG Metall stimmt Tarifabschluss im Südwesten zu

Der Tarifabschluss für die rund 800 000 Beschäftigten der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie ist weitgehend gesichert.

HB BÖBLINGEN. Die Große Tarifkommission habe das mit den Arbeitgebern erzielte Verhandlungsergebnis am Dienstag bei wenigen Gegenstimmen gebilligt, teilte IG-Metall-Bezirkschef Jörg Hofmann in Böblingen mit. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall wollte ebenfalls noch am Dienstag über den Verhandlungsabschluss beraten. Trotz vereinzelter Kritik im Arbeitgeberlager wurde auch dort mit Zustimmung gerechnet. Damit würde im Südwesten der in Nordrhein-Westfalen ausgehandelte Pilotabschluss übernommen, der unter anderem eine Erhöhung der Tarife um drei Prozent ab Juni und Einmalzahlungen für die Monate März bis Mai vorsieht. „Wir haben ein eindeutiges Votum erhalten“, sagte Gewerkschafter Hofmann. Nur zwei der 150 Mitglieder der Tarifkommission hätten gegen den Abschluss gestimmt. Das Ergebnis sei akzeptabel, der finanzielle Verteilungsspielraum in etwa ausgeschöpft worden. Die Metall- und Elektroindustrie weise eine gute Geschäftslage aus und könne den Abschluss gut verkraften. Die Produktivität werde in diesem Jahr um 1,7 Prozent zulegen, die erwartete Preissteigerungsrate liege bei 1,6 Prozent. Der jüngste Tarifabschluss läuft bis Ende März kommenden Jahres. Die von Arbeitgebern und Gewerkschaft vereinbarte Einmalzahlung in Höhe von 310 Euro für die Beschäftigten (125 Euro für Auszubildende) ist nicht garantiert. Die Zahlung kann je nach finanzieller Lage der Betriebe ganz oder teilweise gestrichen, aber auch verdoppelt werden. Damit bekommen erstmals die Betriebsparteien die Möglichkeit, ohne die Tarifparteien einen Teil der Lohnhöhe selbst festzulegen. „Wir haben Neuland betreten“, sagte Hofmann. Die Gewerkschaft wolle mit Blick auf künftige Tarifverträge genau beobachten, ob diese so genannte Öffnungsklausel für Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Firmenleitung vorrangig als Hebel genutzt werde, die Tariferhöhung zu dämpfen. Entschärft haben Südwestmetall und IG Metall mit dem Tarifabschluss auch ihren Konflikt über bundesweit einmalige Sonderpausen für Beschäftigte an Montagebändern. Künftig sollen nur noch Beschäftigte mit überwiegend manuellen Tätigkeiten und kurzen Arbeitstakten die zusätzliche Pause von fünf Minuten pro Arbeitsstunde erhalten. Die Arbeitgeber wollten die Zusatzpausen ganz abschaffen, die Gewerkschaft forderte die pauschale Beibehaltung. Der vereinbarte Kompromiss zu der so genannten Steinkühler-Pause gilt zunächst bis zum Jahr 2008. Die besondere Pausenregelung war unter dem früheren IG Metall-Chef Franz Steinkühler im Jahr 1973 erstreikt worden.

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