Tarifkonflikt
Größter Ärztestreik der Geschichte beginnt

In den Unikliniken und Landeskrankenhäusern beginnen die Ärzte am heutigen Montag einen in Deutschland bisher beispiellosen Massenstreik. Im Streit um höhere Löhne sollen 22 000 Mediziner ihre Arbeit niederlegen. Dabei leidet an vielen Orten nicht nur die Patientenversorgung. So plagen die Uniklinik Düsseldorf noch ganz andere Sorgen.

HB DÜSSELDORF. Die monatelangen Streiks von Ärzten und anderem Personal machen den Unikliniken immer mehr zu schaffen. Die Uniklinik Düsseldorf musste bereits kurzzeitig Millionenkredite aufnehmen, um die Mai-Gehälter für die 6000 Beschäftigten zahlen zu können, sagte der kaufmännische Direktor Roland Grabiak der „Rheinischen Post“. Demnach hat das Krankenhaus wegen der Streiks bisher über zehn Millionen Euro Einnahmen verloren.

Grabiak fürchtet nach eigener Aussage, dass der bereits angekündigte Abbau von 200 Stellen nicht reichen wird: „Den weiteren Stellenabbau werden wir kaum noch über die Fluktuation hinbekommen.“ Damit müssen sich die Beschäftigten auf betriebsbedingte Kündigungen einstellen.

Die Klinik habe viele Patienten abbestellt, deren Untersuchungen oder Operationen für diese Woche vorgesehen gewesen seien, sagte Grabiak. „Wer weiterhin einen Termin hat, sollte sich vorher bei seiner Klinik telefonisch erkundigen, ob es dabei bleibt.“ Geburtshilfe, Kinderklinik, Intensivstationen und die Notaufnahme würden grundsätzlich nicht bestreikt.

Der Tarifkonflikt zwischen den 22 000 Ärzten an Universitätskliniken und den öffentlichen Arbeitgebern hatte in den vergangenen Tagen an Schärfe zugenommen. Erstmals seit Beginn der Auseinandersetzung vor acht Wochen legen die Hochschulmediziner von diesem Montag an in der ganzen Woche die Arbeit nieder statt wie bisher nur tageweise. Nach Angaben der Ärztegewerkschaft Marburger Bund sind 25 Unikliniken und 14 Landeskrankenhäuser in insgesamt 39 Städten betroffen.

„Im Interesse der Länder und der Unikliniken verhandelt“

In der Nacht zum vergangenen Freitag war eine neuerliche Verhandlungsrunde der Ärzte und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) gescheitert. Die Mediziner wiesen ein TdL-Angebot für höhere Gehälter als unzureichend zurück.

Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus (CDU) nahm unterdessen den Chef der TdL, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), gegen Kritik in Schutz. „Herr Möllring hat durchaus verantwortungsvoll im Interesse der Länder und der Unikliniken verhandelt“, sagte Stratthaus dem „Handelsblatt“. Daher habe Baden-Württemberg auch nicht die Absicht, die TdL zu verlassen und mit dem Marburger Bund einen separaten Tarifvertrag abzuschließen.

Bei den für Dienstag anberaumten Gespräche zwischen dem Marburger Bund und dem Stuttgarter Finanzministerium werde es deshalb vor allem darum gehen, „zu einer gemeinsamen Bewertung des Erreichten Verhandlungsstandes zu kommen“, sagte Stratthaus. Es könne doch nicht sein, „dass beide Seiten das Angebot der Tarifgemeinschaft der Länder völlig unterschiedlich bewerten“.

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