Tarifkonflikt
IG Metall droht mit 24-Stunden-Streiks

Im Tarifstreit der Metall und Elektroindustrie testet die Gewerkschaft eine neue Streikform ohne Urabstimmung. Das würde die Unternehmen wesentlich schärfer als die bisherigen Warnstreiks treffen.

DüsseldorfIm Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie droht die IG Metall mit 24-Stunden-Streiks ohne Urabstimmung. „Wenn die Arbeitgeber weiter im Angebotskeller verharren, werden wir nach Pfingsten diese Stufe zünden“, sagte der NRW-Chef der Gewerkschaft, Knut Giesler, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die IG Metall bezeichnet die angedrohten 24-Stunden-Aktionen als Streik, nicht als Warnstreik, obwohl sie ohne Urabstimmung laufen. Aus Sicht der Gewerkschaft ist entscheidend, dass Streikgeld gezahlt wird.

Allein in NRW habe die IG Metall eine größere dreistellige Zahl von Betrieben identifiziert, die für diese Streikform geeignet seien. Im Moment liefen „sehr konkrete Planungen für NRW und andere Gewerkschaftsbezirke, abgestimmt mit dem Frankfurter Vorstand“. Die Arbeitgeber haben bereits Protest gegen die Streikform angemeldet und wollen das Arbeitskampfinstrument gerichtlich überprüfen lassen, sobald es angewendet wird.

Die streikintensivsten Branchen
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pro 1000 Beschäftigten in ausgewählten Wirtschaftszweigen


Wenn bis Pfingsten keine Einigung gefunden sei, könnten die Tagesstreiks vom 18. Mai an starten, sagte Giesler. Damit würden Betriebe nicht nur für wenige Stunden, sondern rund um die Uhr lahmgelegt. Es gehe nicht um eine „kleine Handvoll“ von Aktionen, betonte er. Möglich seien Aktionen in einzelnen Bundesländern oder auch länderübergreifende Streiks.

Wegen der Dauer würden Tagesstreiks die Unternehmen noch wesentlich schärfer treffen als die bisherigen Warnstreiks. Tagesstreiks erfordern aus IG Metall Sicht keine vorherige Urabstimmung. Die Gewerkschaft zahlt an die Teilnehmer aber Streikgeld. Die IG Metall werde vorher Mitgliedervoten in den Betrieben einholen, sagte Giesler. Wo gestreikt werde, entscheide der Gewerkschaftsvorstand in Frankfurt.

Giesler rief die Arbeitgeber auf, sehr bald ein deutlich verbessertes Angebot vorzulegen. „Wer vor Pfingsten ein Ergebnis will, muss sich jetzt bewegen. Die Zeit läuft ab.“ Bisher gibt es NRW-weit noch keinen neuen Verhandlungstermin, er rechne vor Pfingsten aber noch mit einem Treffen, sagte Giesler.

Die Kritik der Arbeitgeberseite an der Fünf-Prozent-Forderung der IG Metall nannte Giesler „Quatsch“. Allein die fünf größten börsennotierten Unternehmen der Branche könnten die Forderung aus ihrer Dividende zahlen. „Das Geld ist da, es geht - wie immer - nur um die Verteilung“, sagte der Gewerkschaftschef.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, hat im Tarifkonflikt den Stopp der nach seinen Worten "völlig überzogenen" Warnstreiks gefordert. Die IG Metall müsse "ein Signal der Deeskalation setzen", sagte Dulger der "Bild"-Zeitung (Freitagsausgabe).

Das Angebot der Arbeitgeber von insgesamt 2,1 Prozent Lohnplus über die Laufzeit von zwei Jahren und einer Einmalzahlung von 0,3 Prozent sei "alles andere als knauserig", sagte Dulger. Es gehe für viele Betriebe bereits an die Schmerzgrenze. Die Stimmung bei den Arbeitgebern sei sehr gereizt - gerade nach dem letzten Tarifabschluss. "Der war für viele Firmen bereits zu hoch." 2015 hatten sich die Gewerkschaft und die Arbeitgeber auf ein Plus von 3,4 Prozent geeinigt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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